Michael Börner (CDU) will im Wahlkampf und im Amt des Bürgermeisters neue Akzente setzen, wie er im Interview verraten hat. Börner sieht seine Chancen in einer möglichen Stichwahl mit Amtsinhaber Stefan Erb. Foto: Bender

Erlensee

Wahl Erlensee: Michael Börner (CDU) setzt auf die Stichwahl

Erlensee. In Erlensee finden am 8. September die Bürgermeisterwahlen statt, für die es vier Kandidaten gibt. In den kommenden vier Ausgaben werden wir die Kandidaten vorstellen. Heute: CDU-Kandidat Michael Börner, der im Wahlkampf und im Amt des Bürgermeisters neue Akzente setzen will.

Von Holger Weber

Mittlerweile hängen auch die Wahlplakate der CDU. Kandidat Michael Börner hat sich im Vergleich zu seinen Mitbewerbern um das Bürgermeisteramt in Erlensee Zeit gelassen. Dafür gebe es Gründe, sagt er: Seine Plakate seien leicht gebogen, deswegen besser vor Regenwasser geschützt und generell von einer sehr guten Qualität, die Langlebigkeit verspreche.

Dass die aufwändigere Produktion ein wenig länger gedauert habe und sein Konterfei deshalb erst ein wenig später im Stadtbild zu sehen gewesen sei, hat er in Kauf genommen. Der 49-jährige Christdemokrat hofft darauf, dass die Tafeln noch ein wenig länger hängen müssen als nur bis zum 8. September, dem Wahltag. Mindestens bis zu einer möglichen Stichwahl am 22. September. Den zweiten Durchgang zu erreichen, ist für Börner die erste Hürde auf dem Weg ins Rathaus. In der Stichwahl, in der er alle um sich scharen will, die mit dem Amtsinhaber nicht mehr zufrieden sind, sieht er seine Chancen für einen Machtwechsel in Erlensee.

Mit dem Chef abgestimmt

Seit er seine Kandidatur im Frühjahr bekannt gab, hat sich für den CDU-Mann einiges geändert. Seit wenigen Wochen arbeitet der Gärtnermeister, der einst den elterlichen Betrieb an der Hanauer Straße führte, im Blumengroßmarkt in Frankfurt. Sein Tag beginnt früh und endet aufgrund des Wahlkampfs spät. Börner ist noch in der Probezeit, hat seinem Chef jedoch gleich reinen Wein eingeschenkt und angekündigt, dass er den Job im Rathaus vorziehen würde.

Sein Vorgesetzter hat ihm trotz Probezeit ein Paar Tage Urlaub bewilligt, damit er zu Hause seinen Wahlkampf organisieren und seine wichtigsten Termine erledigen kann. Börners Zeitplan ist durchgetaktet, er hat in kurzer Zeit viele Interviews gegeben, Treffen mit seinem Team abgehalten und Vereine und Veranstaltungen besucht.

In Vereinen engagiert

Börner, das hört man immer wieder, ist in Erlensee ein Sympathieträger. Der Junggeselle ist in vielen Vereinen engagiert, unter anderem bei den Fußballern und bei den Anglern. Er kann eigentlich mit allen. Und die Menschen können mit ihm. Das ist eine gute Voraussetzung für eine Wahl, kann aber auch problematisch werden, wenn man gegen Personen antritt, die man eigentlich auch mag, so wie den Amtsinhaber Stefan Erb (SPD).

Der Sozialdemokrat saß neulich beim Schwarzbierfest der CDU in der Wasserburg in Rückingen. Dort sollte die heiße Phase der Wahlkampagne eingeläutet werden. Erb ist ein Stammgast bei dem Fest, saß nur zwei Meter vor ihm. Börner gesteht, dass es ihm schwergefallen sei, in seiner Rede Spitzen gegen den Bürgermeister zu formulieren. Leute, die dabei waren, sagen, dass er es dann ganz dem Landtagsabgeordneten Heiko Kasseckert überlassen habe.

Eigene Akzente

Bei Börners Kandidatur kommt eine weitere Besonderheit hinzu: Er vertritt eine Partei, die die Nähe zur Wirtschaft in den Genen trägt. Die wichtigsten Beschlüsse, die die Entwicklung des Fliegerhorsts und des Gewerbegebietes an der A45 betreffen, hat seine Partei ohne Wenn und Aber mitgetragen. Nur gegen die Folgen des Wachstums zu wettern, etwa den zunehmenden Verkehr in der Stadt, könnte vom Wähler deshalb schnell als Wahlkampfgetöse entlarvt werden. Deshalb beschränkt sich Börner bei diesem Thema auch auf die Forderung, den Verkehr in den Ortsteilen mehr zu regulieren, die Durchfahrt von größeren Lkw ganz zu unterbinden.

Börner will nicht nur am Bestehenden mäkeln, sondern eigene Akzente setzen, will nach eigenen Worten den Handel in den Ortskernen stärken und nicht nur auf Logistik setzen, die er in Krisenzeiten für besonders anfällig hält. Auch äußert er Zweifel daran, dass die großen Unternehmen wirklich den erhofften Geldsegen für die Stadt bringen. Die Autostadt, das Reitsportzentrum – all das seien Projekte, die vollmundig angekündigt worden, aber letztlich nicht gekommen seien.

Fokus auf Rückingen

Und auch beim Großmetzger Brandenburg hegt Börner so seine Zweifel: „Die Menschen werden in Zukunft weniger Fleisch essen“, sagt er und deutet an, dass er als politisch denkender Mensch auch über die Grenzen Erlensees hinauszublicken vermag. „So lange in Brasilien die Regenwälder abgeholzt werden, macht es wenig Sinn, den Bürgern in der Anne-Frank-Straße zu verbieten, einen Steingarten anzulegen“, sagt er.

Entscheiden werde sich die Wahl am 8. September in Rückingen, glaubt der Langendiebacher. Dort hat er die meisten Kritiker Erbs ausgemacht: In Langendiebach gebe es den Fliegerhorst, den Rewe, das Rathaus, die meisten Probleme hingegen, die müssten die Rückinger schultern. Deswegen wolle er als Bürgermeister vor allem diesen Ortsteil mehr mitnehmen.

Der Unterschied

Dass er so gut wie keine Verwaltungserfahrung mitbringt, nimmt Börner keineswegs auf die leichte Schulter. Vor dem Amt des Bürgermeisters habe er großen Respekt. Er sei keiner, der Gesetzestexte mit ins Bett nimmt, sondern eher ein Pragmatiker und in Sachfragen auf die Hilfe der Verwaltung angewiesen. Börner sieht das so: „Erb ist der Mann aus der Verwaltung für die Bürgerschaft, ich bin ein Mann aus der Bürgerschaft für die Verwaltung.“ Das sei schon ein Unterschied, findet der CDU-Mann.

Der HANAUER ANZEIGER lädt zu einer Podiumsdiskussion am 28. August mit den vier Kandidaten für die Bürgermeisterwahl ein. Die Veranstaltung beginnt um 19.30 Uhr in der Erlenhalle. Der Eintritt ist frei. Es wird allerdings um eine Spende für eine karitative Einrichtung in Erlensee gebeten.

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