Erfüllte ein Klischee: Renate Tonecker-Bös von den Grünen isst lieber Müsli als Nutella. Foto: Mike Bender

Erlensee

Wahl Erlensee: Kandidaten standen Rede und Antwort

Erlensee. Mehrere Hundert Zuschauer sorgten am Mittwochabend für eine fast vollbesetzte Erlenhalle. Und nicht nur Erlenseer interessierten sich für den Auftritt von Amtsinhaber Stefan Erb (SPD) und seiner drei Herausforderer, Michael Börner (CDU), Carmen Merz (NFE) sowie Renate Tonecker-Bös (Grüne).

Von Monica Bielesch

Erlensee. „Ich möchte sehen, wie die Charaktere live sind, die zwei Kandidatinnen kenne ich noch gar nicht.“ Stephanie Bartsch schiebt ihre kleine Tochter im Kinderwagen in die Erlenhalle und hat einige Erwartungen an die Podiumsdiskussion des HANAUER ANZEIGER zur Bürgermeisterwahl in Erlensee. Bartsch interessieren die Standpunkte der vier Kandidaten zu Themen wie familienfreundliche Kommune und Sicherheit.

Mehrere Hundert Zuschauer sorgten am Mittwochabend für eine fast vollbesetzte Erlenhalle. Und nicht nur Erlenseer interessierten sich für den Auftritt von Amtsinhaber Stefan Erb (SPD) und seiner drei Herausforderer, Michael Börner (CDU), Carmen Merz (NFE) sowie Renate Tonecker-Bös (Grüne).

Bürgermeister-Kandidaten aus der Nachbarstadt

Auch fünf der sieben Bürgermeister-Kandidaten aus der Nachbarstadt Bruchköbel saßen im Publikum. Daniel Weber, offizieller CDU-Kandidat für die Bürgermeister-Wahl in Bruchköbel, kam mit Noch-Bürgermeister Günter Maibach (CDU). „Wir arbeiten beim Fliegerhorst eng zusammen, da wollen wir wissen, wie die Konzepte der Kandidaten aussehen“, so Weber. Auch Dietmar Hußing, Thomas Sliwka (beide unabhängig), Perry von Wittich (SPD) und Sylvia Braun (FDP) nutzten den Abend für einen Blick über den kommunalpolitischen Tellerrand.

Und der lohnte sich, denn es ging um die Themen wirtschaftliche Entwicklung, Sicherheit, Verkehrspolitik sowie die mögliche Fusion mit Neuberg. Aufgelockert wurden die Themenblöcke durch private Fragen an die Kandidaten. Dabei erfuhr das Publikum, dass Merz große Hundeliebhaberin und Anti-Alkoholikerin ist, dass Börner das First-Class-Hotel dem Camping vorzieht, dass Tonecker-Bös kein Nutella mag und lieber liest, als Musik hört und Erb Rad statt Auto wählt.

Möglichkeit, sich persönlich zu präsentieren

Auch in ihrer zweiminütigen Vorstellung zu Beginn der Veranstaltung hatten die Kandidaten die Möglichkeit, sich persönlich zu präsentieren. Dabei sprach Erb weniger von sich als von seinem Fokus darauf, wie es mit Erlensee weitergehen solle. Es sei spannend, wie die Stadt sich verändere, sagte der Sozialdemokrat. Merz betonte, dass sie sich dafür einsetzen wolle, dass Erlensee lebenswert bleibt und „dass wir uns hier wohlfühlen können“. Und Börner sorgte für allgemeines Gemurmel, als er seine Handynummer anpries, da er nicht verheiratet und noch ungebunden sei.

In den anschließenden Diskussionen spielte Erb immer wieder den Amtsinhaber-Bonus aus. Auch wenn es fachlich richtige Anmerkungen waren, beispielsweise zu Forderungen der grünen Kandidatin, die Querung der Leipziger Straße zu entschärfen („Da ist die Landesbehörde Hessen Mobil zuständig“) – so war der Grad zwischen Erfahrung und Überheblichkeit doch schmal.

Zustimmung und Widerspruch

Hingegen punktete Tonecker-Bös mit einem sympathischen Auftreten, die Diplom-Psychologin bekam für ihre Ausführungen und Ideen den meisten Applaus. So betonte sie etwa, Erlensee hätte die Grenzen des Wachstums erreicht. „Bei der Aufnahme des Verkehrs sind wir an der Grenze.“ Sie wolle Platz schaffen für Gewerbe, aber nicht mehr für Gewerbegebiete.

Carmen Merz musste ihre Aussage, dass sie am Fliegerhorst einem Käufer „das Filetstück wieder abkaufen“ wolle, verteidigen. Sie sei überzeugt von diesem Weg, antwortete sie auf eine Frage aus dem Publikum.

Der Schuldenberg sei das einzige, das in den letzten 20 Jahren gewachsen sei, hielt Börner dem Bürgermeister vor. Und: „Die Verwaltungskosten sind von 8,5 auf zwölf Millionen Euro gewachsen.“ Das begründete Erb mit dem Zuwachs beim Personal für die Kindertagesstätten.

Sicherheit im Erlenwäldchen

Beim Thema Sicherheit ging es um das Erlenwäldchen. „Tagsüber gibt es dort keine Auffälligkeiten. Für nachts weiß ich es nicht“, so Erb. Er widersprach unter Applaus seiner Kontrahentin Merz, die forderte, dass das Ordnungsamt für die Sicherheit der Bürger sorgen solle: „Das ist Sache der Polizei. Ich werde mich nicht bewaffnen.“

Besucherin Annette Kropp bedauerte auf dem Nach-Hause-Weg, dass beim Thema Erlenwäldchen auf dem Podium nicht Tacheles geredet worden sei. Sie fahre täglich zur Mittagszeit durch das Wäldchen. „Das ist ein Drogenumschlagsplatz“, so Kropp, „und da müssen Schulkinder durchlaufen, die Grundschule ist gegenüber.“ Durch den Verlauf des Abends sah sie sich in ihrer Entscheidung bestätigt. „Ich wusste vorher, wen ich wählen will.“

Eine Entscheidung gab es schon

„Wir wissen jetzt, wen wir nicht wählen wollen“, meinten hingegen Iris Teckentrup und Michael Herzog beim Verlassen des Saals. Für Teckentrup zählt, wer sich für wirkliche Verkehrsberuhigung einsetze. Und: „Der Bürgermeister sprach von einem Radweg-Konzept – wo kann man dieses Konzept mal einsehen“, will Herzog wissen.

Mit ihrer Forderung für ein flächendeckendes Tempo 30 in der ganzen Stadt lehnte sich Tonecker-Bös weit aus dem Fenster. Aber als Bürgermeisterin wolle sie sich dafür Mehrheiten suchen.

Am 8. September wird sich zeigen, wer die meisten Stimmen auf sich vereinigen kann. Das Dalli-Klick-Spiel, bei dem die Kandidaten Fotos aus Erlensee erkennen mussten, konnte zumindest Tonecker-Bös knapp vor Erb gewinnen.

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