Amtsinhaber Stefan Erb ist seit 17 Jahren Verwaltungschef und will sich nach den großen Veränderungen der Stadt nun um die Feinarbeit kümmern, wie er im Interview mit unserer Zeitung sagt. Foto: Mike Bender

Erlensee

Wahl Erlensee: Bürgermeister Erb (SPD) ist noch nicht amtsmüde

Erlensee. Mitarbeiter im Erlenseer Rathaus erzählen, dass im Mitteltrakt des zweiten Obergeschosses an manchen Abenden erst um 21 Uhr das Licht ausgeht. Dort befindet sich das Dienstzimmer von Stefan Erb.

Von Holger Weber

Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass der 46-Jährige die meiste Zeit seines Lebens im Rathaus vonErlensee verbracht hat. Seit 25 Jahren arbeitet er für die Kommune, 17 davon an oberster Stelle als Bürgermeister. Für die Antwort auf die Frage, ob es da nicht vielleicht Zeit sei für einen Tapetenwechsel, eine neue Herausforderung, muss Erb nicht lange überlegen. „Bürgermeister zu sein, das ist für mich mein Traumberuf“, sagt er. Man glaubt es ihm, weil man die Euphorie heraushört, die bei diesem Satz mitschwingt.

Finanzen, Abwasser, Kinderbetreuung: Für Erb ist es die Vielfalt der Aufgaben, die für ihn seinen Job so attraktiv macht. Die Gesellschaft sei stetig im Wandel und damit auch der Aufgabenbereich eines Bürgermeisters, der gewissermaßen einen Teil des Lebens seiner Bürger organisieren muss.

Dass Erb ein Macher ist, ein Kümmerer, das berichten sogar diejenigen, die politisch nicht mit ihm auf einer Welle schwimmen. Erb gilt als ein Verwaltungschef, der zudem die Probleme der Vereine ernst nimmt, weil er deren soziale Bedeutung für die Stadt erkannt hat.

Von der Gemeinde zur Stadt

Erlensee ist unter dem Langendiebacher von einer Gemeinde zur Stadt geworden, die Wachstumsraten aufweist, die im Main-Kinzig-Kreis kaum zu toppen sind: sowohl was die wirtschaftliche als auch die Entwicklung der Bevölkerungszahl betrifft. Es gibt zwei Zahlen, die deutlich machen, dass diese Entwicklung auch in der Verwaltung Spuren hinterlassen hat. Der Haushalt hat sich während Erbs Amtszeit von 40 Millionen D-Mark auf nahezu 40 Millionen Euro verdoppelt, und die Zahl der städtischen Bediensteten wuchs von 180 auf 280 Mitarbeiter.

Nicht zuletzt durch den steigenden Bedarf im Bereich Kinderbetreuung, der für Erb besondere Priorität hat. Für die Bereitstellung von Hortplätzen, in Hessen immer noch eine freiwillige Leistung der Kommunen, verschob er unter anderem die für rund acht Millionen Euro geplante Sanierung und Erweiterung des Erlenseer Rathauses. Freilich nicht ohne Kritik. Manche behaupten, die Stadt habe sich bei den Bedarfszahlen bei der Kinderbetreuung schlichtweg verkalkuliert.

Dank des Gewerbeparks an der Autobahn 45 hat sich die Einnahmenseite durch die Gewerbesteuer gut entwickelt – von 1,4 auf 5,1 Millionen Euro. Die Erlöse aus dem Logistikpark Fliegerhorst, den die Stadt gemeinsam mit der Nachbarkommune Bruchköbel betreibt, sind da nach Angaben des Bürgermeisters noch nicht eingerechnet.

Verdienst des Bürgermeisters

Dass die Flächen auf dem ehemaligen Militärairport nach wenigen Jahren so gut wie verkauft sind, liegt auch an dessen guter Anbindung, die für Logistikunternehmen entscheidend sei. Aber es sei auch ein Verdienst des Bürgermeisters. Ohne Erb stünde da noch kein Stein, sagt einer, der es wissen muss, der von Anfang an diesen Konversionsprozess auf dem Militärflughafen ganz nah begleitet hat.

Doch der wirtschaftliche Erfolg der Kommune kann für den Bürgermeister auch zu einem Problem werden. Wachstum hat bekanntermaßen immer auch eine Kehrseite: mehr Verkehr, mehr versiegelte Flächen, steigende Preise auf dem Wohnungsmarkt. Erbs Gegenkandidaten, und davon gibt es gleich drei, sehen gerade da ihre Chance, bei den Wählern zu punkten. Man könnte auch die These aufstellen, die hohe Zahl der Mitbewerber sei Ausdruck einer latenten Unzufriedenheit, die die Begleiterscheinungen des enormen Wachstums hervorgerufen haben.

Erb winkt ab: Diese Unzufriedenheit sei reines Wunschdenken der anderen, meint er und zählt eine Reihe von Bereichen auf, in denen es seiner Meinung nach mit großen Schritten vorangehe in seiner Stadt: im Angebot für Kinder, Jugendliche und Senioren, im öffentlichen Transport- und Nahverkehr. Die Stadt biete viel für ihre Bürger, sagt Erb. Aber sie könne das Niveau auch nur halten, weil sie in den vergangenen Jahren viel dafür getan habe, Einnahmen zu generieren. Ohne die Gewerbesteuer müsse die Grundsteuer auf einen Hebesatz von mehr als 1000 Punkten angehoben werden, um etwa Hallenbad und Bücherei zu halten – das sei gar nicht zulässig.

Aufbauschen der negativen Folgen

Die negativen Folgen, die nun manch einer in den Vordergrund stelle, würden bewusst aufgebauscht, glaubt der Bürgermeister. In den vergangenen 25 Jahren seien nur vier Prozent der Fläche Erlensees versiegelt worden. „Viele vergessen ja, dass der Fliegerhorst bereits bebaut war.“

Der Verkehr entsteht nach Ansicht Erbs weniger durch die Lkw, sondern mehr durch den zunehmenden Individualverkehr. Dafür brauche es Lösungen, beispielsweise eine S-Bahn-Anbindung seiner Stadt. „Wir gehören zum Ballungsgebiet Rhein-Main. Dem muss man Rechnung tragen“, hofft er darauf, dass seine Stadt beim künftigen Schienenausbau im Rhein-Main-Gebiet entsprechend berücksichtigt wird.

Trotz allem: Das subjektive Empfinden der Bürger will er ernst nehmen. Dass Erlensee nach dem Fliegerhorst, dem Gewerbegebiet an der A 45 und den Neubaugebieten wie Kreuzweg und Büchensaal eine Verschnaufpause braucht, das hat der Bürgermeister schon vor geraumer Zeit festgestellt. Jetzt gehe es an die Feinarbeit, sagt er. „Nun kümmern wir uns um die schönen Sachen.“

Der HANAUER ANZEIGER lädt zu einer Podiumsdiskussion am 28. August mit den vier Kandidaten für die Bürgermeisterwahl ein. Die Veranstaltung beginnt um 19.30 Uhr in der Erlenhalle. Der Eintritt ist frei. Es wird allerdings um eine Spende für die Selbsthilfegruppe Körperbehinderter in Erlensee gebeten.

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