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Vogelschutzpark: Kita Sandweg organisiert Spenden für neuen Pfau

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Obwohl der ursprüngliche Anlass ein trauriger war, strahlten alle Beteiligten bei der Übergabe der Spendenbox über das ganze Gesicht. Foto: Hofmann
Obwohl der ursprüngliche Anlass ein trauriger war, strahlten alle Beteiligten bei der Übergabe der Spendenbox über das ganze Gesicht. Foto: Hofmann

Erlensee. Mitte Mai erschütterte die Nachricht ganz Erlensee: Ein männlicher Pfau des Vogelschutzparks war auf grausame Weise getötet worden. Auch die Kinder der Kita Sandweg waren entsetzt und wollten auf ihre ganze eigene Art und Weise helfen.

Von Elfi Hofmann

Schnell sprach sich die Tat in Erlensee herum, auch bei der Kita Sandweg, die schon lange eng mit dem Park verbunden ist. „Das ist eine richtige Schweinerei, was mit dem Pfau passiert ist“, waren sich alle einig. Kurzerhand wurde eine Spendenaktion ins Leben gerufen, mit deren Erlös ein neues Tier gekauft werden sollte.

Aus Schuhkartons und anderem Material bastelte die Hortgruppe innerhalb von wenigen Stunden eine bunte Spendenbox – natürlich in Form eines Pfaus. Die wurde beim Sommerfest der Einrichtung aufgestellt und füllte sich dank der Besucher schnell mit Barem.

Aktion zieht KreiseDoch bei dieser Aktion sollte es nicht bleiben. Heinz Henrich, der in Erlensee eine Lotto-Annahmestelle betreibt, bekam ebenfalls Wind vom dem Plan. In seinem Kiosk hat er schon länger eine Spendenbox stehen, um die Kindergärten in der Stadt zu unterstützen.

Die Initiative der Kita Sandweg passte in seinen Augen hervorragend in das Konzept. „Erstmal habe ich noch den Bürgermeister angerufen, der war sofort begeistert und dabei“, erzählt er.

48 StundenUnd weil viele zusammen noch mehr erreichen können, kam ihm sofort Dieter Wellert von der Metzgerei Wellert in den Sinn. Also schnell rübergelaufen, Wellert mit ins Boot geholt und noch mehr finanzielle Unterstützung generiert.

Nicht mal 48 Stunden habe es gedauert, bis alle mobilisiert waren. „Das geht alles zack-zack“, sagt Henrich begeistert. Beim Sommerfest der Kita brachte Wellert dann exakt 83,39 Euro mit. Insgesamt kamen 194,59 Euro zusammen.

Schöne ÜberraschungDie einzigen, die davon nichts mitbekamen, waren Monika Malczyk und Frederik Brosien. Die beiden sitzen im Vorstand des Vereins und waren „total überrascht“ von der Aktion.

Nachdem der Pfau getötet worden war, erhielten sie viele Anrufe, auch die Besucher erkundigten sich immer wieder, was genau passiert sei. „Alle waren ziemlich traurig“, erzählt Malczyk. Die Begeisterung der Kinder für das Tier und sein buntes Gefieder sei immer sehr groß gewesen.

Ein Geben und NehmenSchon lange ist der Verein sehr engagiert bei Programmen für Kindergärten und Schulen, Malczyk nimmt sich auch mal Urlaub, um Projektwochen durchzuführen. Als die Kita-Erzieher vor zwei Jahren für mehr Lohn streikten, stand der Park für Eltern und ihre Kinder immer offen. So konnten damals die Betreuungsausfälle besser kompensiert werden. „Der Verein hat so viel für uns getan, jetzt wollten wir etwas zurückgeben“, so der Elternbeirat der Kita Sandweg.

Einen neuen Pfau wird der Vogelschutzverein mit dem gespendeten Geld allerdings nicht anschaffen, den gibt es nämlich bereits seit zwei Wochen. „Wir kaufen grundsätzlich nicht von Züchtern, sondern nehmen Tier auf, die ein neues Zuhause suchen“, so Malczyk. Das taten die Mitglieder des Vogelschutzvereins auch in diesem Fall.

Vergesellschaftung noch möglichDer neue Pfau ist zwei Jahre alt und lebte gemeinsam mit einer Henne in einem Garten. Nachdem das Weibchen gestorben war, musste der Hahn in einem Stall gehalten werden, weil er mit dem Alleinsein nicht zurecht kam.

Im Vogelschutzpark ist jetzt auf jeden Fall für Beschäftigung gesorgt. Dort leben nämlich noch vier weitere Artgenossen, drei Hennen und ein weiterer Hahn. Alle sind im gleichen Alter wie der „Neue“ und so jung, dass eine Vergesellschaftung noch möglich ist.

Investitionen in den Schutz der TiereUnd weil der Pfau ein Geschenk war, können die Spenden jetzt in ein Herzensprojekt des Vereins investiert werden: Die Tiere sollen ein Freigehege bekommen, wie man es von Fasanen kennt. Das heißt, dass einige Quadratmeter eingezäunt werden und darüber ein Netz gespannt wird.

Billig ist diese Variante allerdings nicht. Alleine die Einzäunung würde über 1000 Euro kosten, Kosten für Kameras noch nicht eingerechnet. „Wenn wir die Tiere schützen wollen, müssen wir das investieren“, betont Fredrik Brosien.

AufmerksamkeitWenn man der ganzen Sache etwas Gutes abgewinnen kann, dann mit Sicherheit, dass die Menschen wachsamer geworden sind. „Die Polizei wird jetzt gerufen, sobald jemand eine verdächtige Person in der Nähe des Parks sieht“, sagt Malczyk. Und die Beamten wissen jetzt auch – im Gegensatz zu früher – ganz genau, wo genau der Park zu finden ist.

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