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Vereinsfrau mit Leib und Seele

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Die neue Angelvereins-Vorsitzende Brigitte Dost (links) überbrachte am Karfreitag geräucherten Aal an die Seniorendependance Rosengarten.
Die neue Angelvereins-Vorsitzende Brigitte Dost (links) überbrachte am Karfreitag geräucherten Aal an die Seniorendependance Rosengarten. © Privat

Erlensee – Die Mitgliederzahlen des 1. Angelvereins Erlensee zeigen deutlich: Das hier ist eine Männerdomäne. Etwa 300 Mitglieder zählt der Verein derzeit, davon betreiben ungefähr 130 die Fischerei aktiv, darunter wiederum sind lediglich drei Frauen.

Dass eine Frau zur ersten Vorsitzenden gewählt werden könnte, erscheint unter diesen Bedingungen eher unwahrscheinlich. Dennoch wurde auf der letzten Jahreshauptversammlung Anfang April Brigitte Dost einstimmig zur ersten Vorsitzenden des 1. Angelvereins Erlensee 1930 e. V. gewählt.

Wie kommt eine Frau zum Angeln?

„Wie kommt man als Frau zum Angeln?“, war die erste Frage an die neue Chefin. „Tatsächlich durch meinen Mann. Er ist ein leidenschaftlicher Angler und so hatte ich drei Möglichkeiten: Ich suche mir ein anderes Hobby, ich komme mit und schaue zu, oder ich werfe selbst die Angel ins Wasser“, sagt Brigitte Dost.

Sie hat sich für Letzteres entschieden und vor 25 Jahren die Fischerprüfung abgelegt und ihren Fischereischein erhalten. Damals war sie die erste und einzige aktive Anglerin im Verein. „Ich habe mich unter den Männern immer wohlgefühlt. Und ich bin ein Vereinsmensch“, fügt sie hinzu.

Die Aufgaben der Hobbyfischer gehen weit über das Angeln hinaus. In vielen Arbeitseinsätzen sorgen die Mitglieder zum Beispiel für den Bestandsschutz der Fische. „Es ist nicht einfach, einen guten Besatz an Weißfischen im Erlensee zu halten, denn die Kormorane fischen gut“, erklären Schriftführer Erhard Heilmann und Niels Börner, der zweite Vorsitzende.

Vereinsheim ist ein Geheimtipp

Mehrmals im Jahr findet zudem ein „Hegefischen“ statt, bei dem Größe und Gesundheitszustand der Tiere begutachtet werden und die Fische anschließend wieder ins Wasser dürfen. Heilmann und Börner sitzen auf der Terrasse des Vereinsheims, das von Hüttenwart Rainer Sauer vorbildlich geführt wird.

Die Chefin fehlte krankheitsbedingt beim Besuch des Angelvereins: Dafür standen die Vorstandsmitglieder Erhard Heilmann (von links), Rainer Sauer und Niels Börner Rede und Antwort.
Die Chefin fehlte krankheitsbedingt beim Besuch des Angelvereins: Dafür standen die Vorstandsmitglieder Erhard Heilmann (von links), Rainer Sauer und Niels Börner Rede und Antwort. © Ulrike Pongratz

Geöffnet ist es am Wochenende und inzwischen ein Geheimtipp für Radfahrer und Wanderer. „Das Vereinsheim liegt mitten im Landschaftsschutzgebiet. Deshalb vermieten wir grundsätzlich nicht und wir vergeben auch keine Angelscheine an Gäste. Eine Ausnahme machen wir, wenn unsere Mitglieder die Gastangler begleiten.“

Befreundete Vereine wie der ASV Mainflingen, die Angelvereine Bischofsheim bei Mainz oder aus der Partnerstadt Wusterwitz dürfen natürlich fischen, wenn sie am Erlensee zu Besuch sind. „Die zeigen uns dann, was es bei uns alles zu fangen gäbe.“

Zum Angelverein gehören seit 1930 der „alte Altarm“ mit zwei Hektar, seit 1976 der „neue Altarm“ mit 0,7 Hektar und Bereiche des Erlensees. „Die Hälfte können wir befischen, der Rest ist Naturschutzgebiet.“ Der Erlenseer Verein ist zudem Mitglied in der Interessengemeinschaft der Kinzigpächter und kann hier auf einer Länge von 60 Kilometern Forellen und andere Flussfische fangen. Das „An-Angeln“ mit dem Start in die Saison findet immer am Karfreitag statt. Gefischt werden Hechte, Aale, Brassen, Zander, Rotaugen, Barsche und andere Fischarten.

Zu den Aufgaben des Vereins gehört selbstverständlich die Gewässer- und naturnahe Uferpflege. Regelmäßig wird die Wasserqualität überprüft. „Wir achten auf naturnahe Pflege und halten nur kleine Bereiche für Angler frei“, erklärt Niels Börner, der zweite Vorsitzende. Rund um das Vereinsheim wird jetzt eine Blühwiese für Bienen angelegt, einer der Angler ist zugleich auch Imker.

„Wir als Vorstand sind ganz klar auf die Mitarbeit und das Engagement der Mitglieder angewiesen“, erklären Dost und Börner. Bislang können sich die Vorstände auf die breite Unterstützung auch der älteren Mitglieder mit ihrem großen Erfahrungsschatz verlassen.

Das Amt ist eine Herausforderung

So fiel es auch Brigitte Dost nicht allzu schwer, Verantwortung in der Vorstandsarbeit zu übernehmen, als der Ältestenrat bei ihr anfragte. „Ich kenne die Vorstandsarbeit aus meiner Zeit als Kassiererin von 2004 bis 2010“, sagt Dost. „Ich habe mich dennoch mit meiner Familie beraten. Das Amt der ersten Vorsitzenden ist eine echte Herausforderung und man braucht einfach viel Zeit dafür.“

Zu den monatlichen Vorstandssitzungen kommen Verbandsversammlungen, die repräsentative Vertretung bei Kommunen und Kammern, Besuche bei befreundeten Vereinen und vieles mehr. „Ich fühle mich sehr wohl im Vorstand. Alle sind mit Leib und Seele dabei und arbeiteten gerade sehr gut im Team zusammen“, so Brigitte Dost. In jedem Fall sind neue Mitglieder – gerade auch Frauen und vor allem Kinder und Jugendliche – im Angelverein Erlensee sehr herzlich willkommen.

Die angehenden Fischer dürfen mit dem Jugendwart gerne mal die Angel auswerfen. Bis sie ab einem Alter von 14 Jahren die Prüfung ablegen dürfen, können sie mit dem Verein zum Beispiel tolle Zeltlager erleben. Die Jugend lernt nicht nur den richtigen Angelwurf, sondern auch viel Spannendes über Gewässer, ihre Flora und Fauna.

„Langweilig wird es jedenfalls nie. Es gibt so viele Sparten für all die verschiedenen Belange“, berichtet Brigitte Dost von ihrer Vorstandsarbeit. Sie hofft, dass sie nach einem kleinen Unfall bald wieder am Ufer entspannen kann – gerne morgens um fünf. Aber über die besten Zeiten zum Angeln würde es durchaus verschiedene Meinungen geben, gibt sie zu.

(Von Ulrike Pongratz)

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