Die noch immer von der Dachkante herabhängenden Blechdach-Elemente sind ein nur schwer einzuschätzender Gefahrenherd. Foto: Bender

Erlensee

Sturm deckt Dach ab: "Es war wirklich beängstigend"

Erlensee. Sturmtief Egon hat in Erlensee großen Schaden angerichtet und das Dach eines Mehrfamilienhauses an der Beethovenstraße abgedeckt. Unser Fotograf Mike Bender war vor Ort und beschreibt das Geschehen: "Es war wirklich beängstigend zu sehen, welche Gewalt Wind haben kann.“

Von Mike Bender

Als das Sturmtief Egon am Freitag mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 150 Stundenkilometern über Deutschland hinwegfegte, sparte es auch Erlensee auf seinem Weg nicht aus. Während der Rest des Main-Kinzig-Kreises eher glimpflich davon kam, traf es die Bewohner eines Wohnblocks an der Erlenseer Beethovenstraße dafür mit voller Wucht.Gegen kurz nach 3 Uhr wurde die Feuerwehr alarmiert, da vom Wind abgelöste Dachelemente herunterzustürzen drohten. Der Feuerwehr blieb zunächst jedoch nichts anderes übrig, als das Gelände abzusichern und die Bewohner zu warnen. Auch die Drehleiter der Langenselbolder Feuerwehr musste auf Grund der extremen Windgeschwindigkeiten unverrichteter Dinge wieder abrücken.Autos in Sicherheit gebrachtWährend die Feuerwehr ihr weiteres Vorgehen besprach, versuchten einige Bewohner noch schnell, ihre vor dem Haus geparkten Fahrzeuge in Sicherheit zu bringen. Sprichwörtlich in letzter Sekunde, denn kaum hatten sie den Hof verlassen, deckte eine extreme Böe das Dach des angrenzenden Blocks ab, der krachend zu Boden stürzte. Unser Fotograf Mike Bender, der für unsere Zeitung Impressionen des Sturm einfing, schildert seine Eindrücke als Augenzeuge.„Der Wind wurde plötzlich immer stärker. Auf einmal hob sich das gesamte Dach des angrenzenden Wohnblocks, richtete sich auf und wurde nach vorne über die Dachkante gebogen, ehe es abriss und mitten im Hof landete, wo kurz zuvor noch Leute standen. Zwei Polizisten haben gerade noch rechtzeitig hinter einer Wand Schutz gesucht, bevor um sie herum die Backsteine zu Boden prasselten. Es war wirklich beängstigend zu sehen, welche Gewalt Wind haben kann.“

 

Bewohner wurden in Sicherheit gebrachtDa man nicht ausschließen konnte, dass noch mehr Teile zu Boden fallen, wurden die Bewohner über die Ausgänge auf der Rückseite des Gebäudes in Sicherheit gebracht. So auch Melanie Klein, die zur Zeit des Unglücks allerdings tief und fest schlief und deshalb auch nicht, wie die anderen Bewohner, ihr Auto in Sicherheit brachte.„Ich bin erst um 5 Uhr durch das Klingeln der Polizei aufgewacht und auch meine zweijährige Tochter hat tief und fest geschlafen“, sagte die 35-Jährige. Erst als sie aus dem Fenster ihrer Wohnung im dritten Stock blickte, vor dem ein großes Stück des Daches hing, wurde ihr klar, was passiert war. Doch sie hatte Glück im Unglück: Das Dach landete genau neben ihrem Auto – anstatt darauf. „An allen anderen Tagen habe ich immer Pech gehabt, aber ausgerechnet am Freitag den 13. habe ich Glück. Ich glaube ich sollte heute mal Lotto spielen“, sagt sie und lacht.Gemeinschaftshaus der Feuerwehr als UnterkunftZurück in ihre Wohnung konnte sie jedoch erstmal nicht. Die Bewohner des betroffenen Blocks kamen unterdessen im Gemeinschaftshaus der Feuerwehr unter. Wann sie wieder in ihre Wohnungen zurück können ist derzeit noch unklar, da auch den verständigten Dachdecker-Firmen das Risiko zu groß war, das Dach zu entfernen.

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