Zivilprozess um einen Blechschaden: Weil eine Autofahrerin einen Vorschaden an ihrem Fahrzeug nicht offenbart hat, ist ihr Schadenersatzanspruch vom Hanauer Landgericht abgelehnt worden. Symbolfoto: Pixabay

Erlensee/Hanau

Schadensersatz nach Unfall auf Erlenseer Parkplatz abgewiesen

Erlensee/Hanau. Ein Unfall, wie er fast täglich vorkommen kann. Auf einem Parkplatz stößt ein Wagen rückwärts und kollidiert mit einem anderen Auto. Niemand wird verletzt, nur Blechschaden ist zu beklagen.

Von Thorsten BeckerÄrgerlich, aber dafür muss jeder Wagenbesitzer eine Haftpflichtversicherung besitzen, damit die Reparatur des demolierten Blechs bezahlt werden kann. Wer rückwärts fährt, trägt die Schuld. Einfacher Fall – aber nur auf den ersten Blick.

Hohe Kosten für die Klägerin

Denn was da auf dem Parkplatz in Erlensee passiert ist, beschäftigt die 9. Zivilkammer des Hanauer Landgerichts. Und am Ende wird es für die Klägerin ziemlich teuer.

Eingehend nimmt Richter Dr. Lukas Beck den Verkehrsunfall unter die Lupe und kommt in seinem Urteil zu einem sehr interessanten Ergebnis, das jedem Autofahrer und Unfallbeteiligten eine Warnung ein müsste.

Die Fakten: Der genaue Unfallhergang ist zunächst zwischen den beiden Unfallbeteiligten strittig. Die Autofahrerin behauptet, dass sie mit ihrem Wagen „schon beinahe an dem Parkplatz vorbeigefahren“ sei. Plötzlich sei sie von dem anderen Auto gerammt worden. Wohl aus Unachtsamkeit, so die Klägerin.

Auf der anderen Seite wird ins Feld geführt dass es sehr wohl „Blicke in die Rückspiegel“ gegeben habe – selbstverständlich auch den obligatorische Schulterblick. Daher habe man sich dann „Stück für Stück vom Stellplatz herausgetastet“.

Zeugen müssen her

Um das zu klären müssen Zeugen her. Schließlich geht es zunächst einmal um die Kosten eines privaten Sachverständigengutachtens in Höhe von rund 700 Euro. Und dann sind da noch die Reparaturkosten, die fast 4500 Euro verschlingen. Doch von der anderen Seite kommt kein Cent. Das ist der Grund zur Klage.

So landet der Fall auf dem Tisch von Richter Beck. Der befragt eine Augenzeugin, um über den Unfallhergang informiert zu werden. Doch wer jetzt wirklich an dem Unfall die Schuld hat, ist am Ende völlig egal.

Denn die 9. Zivilkammer wird selbst aktiv und beauftragt einen eigenen Sachverständigen, der den Unfall untersuchen soll. Und der Experte zu einem erstaunlichen Ergebnis: Der demolierte Wagen weist auch Schäden auf, die gar nicht von dieser Kollision stammen können.

„Die Kammer ist aufgrund der Darstellungen des Sachverständigen überzeugt, dass nicht ausgeschlossen werden kann, dass diese Schäden auf ein anderes Unfallereignis zurückzuführen sind“, heißt es in der Urteilsbegründung.

Abweisung der Klage

Das hat Folgen: Die Klage wird komplett abgewiesen. „Die Klägerin kann den Ersatz der Reparaturkosten nicht verlangen. Denn sie hat Vorschäden am Fahrzeug nicht offengelegt“, urteilt Richter Beck. Die Kammer ist überzeugt davon, das nicht alle Schäden, für die Schadensersatz verlangt wird, auf diesen Unfall in Erlensee zurückzuführen sind, so Beck weiter.

„In solchen Fällen ist ein Ersatz auch der kompatiblen Schäden ausgeschlossen. Ein Ersatz kommt nur dannin Betracht, wenn auszuschließen ist, dass die kompatiblen Schäden auf einem anderen Unfallereignis beruhen.“

„Wer A klagt, wird B jammern.“ Dieser weise Spruch des Philosophen und Schriftsteller Dr. Manfred Hinrich passt trefflich zum Ausgang dieses Zivilprozesses. Denn dieser ist ziemlich teuer geworden. Anstatt rund 5200 Euro Schadenersatz zu bekommen, muss die Klägerin nun diese Kosten selbst bezahlen. Doch das ist noch nicht alles.

Hinzu kommen die Kosten für den eigenen Anwaldt und die Anwaltskosten der Gegenseite, die Gerichtskosten, zu denen auch die Rechnung des zweiten Sachverständigen zählt.

Informationen

Das Urteil der 9. Zivilkammer ist bereits rechtskräftig und besitzt das Aktenzeichen 9 O 371/16.

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