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Rückzugsorte und Lebensräume

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Von: Monica Bielesch

Es grünt so schön, die Blümlein blühn: Ortslandwirtin Anke Eyrich hat auf einem Teil ihrer insgesamt 75 Hektar Blühfelder angelegt und fördert so Lebensräume für Insekten und andere Tiere.
Es grünt so schön, die Blümlein blühn: Ortslandwirtin Anke Eyrich hat auf einem Teil ihrer insgesamt 75 Hektar Blühfelder angelegt und fördert so Lebensräume für Insekten und andere Tiere. © Monica Bielesch

Erlensee – Und plötzlich springt ein Reh über das Blütenfeld, das lilafarben gesprenkelt ist, und zaubert einen kurzen, verwunschenen Moment mitten im Rhein-Main-Gebiet. „Das ist ein Blühfeld mit einjährigen Blühpflanzen“, erklärt Anke Eyrich beim Vorbeifahren an dem kleinen Stückchen bunter Natur inmitten von landwirtschaftlich genutzten Feldern. Bei der Fahrt entlang der Felder zwischen den Weideswiesen und dem Gewerbepark Süd zeigt die Ortslandwirtin, dass es auch in Erlensee einige Blühfelder gibt.

Der erste Halt ist schließlich an einer Fläche, wo Eyrich eine mehrjährige Blühmischung ausgesät hat. Es ist eine spezielle Samenmischung gewesen, von Experten empfohlen. Nicht nur Sonnenblumen sollen hier blühen, sondern auch wilder Fenchel und wilder Koriander oder verschiedene Klessorten, jeder mit anderen Blütenfarben.

Alle Insekten sind wichtig, nicht nur die Bienen

Im Vorjahr hatte Eyrich noch Mais auf dieser Fläche gepflanzt, im kommenden Jahr plant sie, dort Getreide anzubauen. Aber jetzt tummeln sich nicht nur Bienen auf dem Feld. „Es sind auch Schmetterlinge oder Spinnen zu sehen, alle Insekten sind wichtig. Es sind nicht nur Bienen, die solche Flächen brauchen“, so Eyrich. Als sie diese Fläche gepflanzt hat, hatte sie eine Förderzusage des Landes Hessen für einen Zeitraum von fünf Jahren für diese Fläche. Diese Hessischen Agrarumwelt- und Landschaftspflege-Maßnahmen (HALM) sollen besonders nachhaltige Landbewirtschaftung fördern. Die über HALM angebotenen Fördermaßnahmen sollen einen Beitrag zur Wahrung und Förderung der Biologischen Vielfalt (Biodiversität), des Schutzes von Klima, Wasser und Boden sowie der Erhaltung der Kulturlandschaft leisten. Die Förderung über HALM dient als Ausgleichszahlung für die durch die Maßnahmen zusätzliche entstandene Kosten sowie gegebenenfalls reduzierten Erträge.

Leider kollidiere HALM ab dem kommenden Jahr mit neuen Förderrichtlinien und Bestimmungen der Europäischen Union, so Eyrich. So müsse jeder Landwirt ab 2023 mindestens vier Prozent seiner Ackerfläche pro Jahr stilllegen. „Dort darf ich dann gar nichts mehr anpflanzen, auch keine Blühflächen.“

Aber obwohl die Finanzierung unsicher ist, will Eyrich das mehrjährige Blühfeld beibehalten. Bei den vielen Verordnungen und Förderprogrammen, die es mittlerweile in der Landwirtschaft gibt, ist Eyrich froh, dass es im Main-Kinzig-Kreis eine Beratungsstelle für Landwirte gibt, die im Bürokratiedschungel Hilfe anbietet. „Die Auflagen und Vorschriften sind sehr kompliziert und es werden immer mehr. Für uns Landwirte wird es immer schwieriger“, bedauert sie. Eyrich ist Landwirtin aus Überzeugung und mit Leidenschaft, ihre Familie betreibt schon seit Generationen im Ort Landwirtschaft und sie verkauft heute die Erzeugnisse in einem eigenen Hofladen und rund um die Uhr an einem Automaten vor dem Hoftor.

Viele machen bei ihrem Paten-Programm mit

Aktuell bewirtschaftet sie 75 Hektar Fläche, inklusive Grünland. Die Fahrt mit der Ortslandwirtin geht vorbei an gelb-goldenen Gerstenfeldern, die wegen der Trockenheit voraussichtlich viel früher geerntet werden müssen als üblich. Auch Hafer, Weizen und Spargel baut Eyrich an. Zwischen ihren Feldern deutet sie immer wieder auf Flächen mit Blühäckern. Eine davon ist in Sichtweite der riesigen Lidl-Ansiedlung. Diese Fläche gehört zu ihrem Blüh-Patenprogramm.

In Eigeninitiative sucht sie jedes Jahr Paten für quadratmeter große Stücke einer Blühwiese. Aktuell finanziert sie mit rund 20 Paten knapp 0,5 von ihren insgesamt 2,7 Hektar Blühfeldern „Das sind Einzelhändler, Vereine, Banken und ganz viele Privatpersonen“, freut sich Eyrich.

Sie ist überzeugt vom Wert der Blühflächen. Diese seien nicht nur Lebensraum für Insekten, sondern auch wichtige Rückzugsorte für andere Tiere. „Ich habe schon Rebhühner und Fasane dort gesehen“, erzählt sie. Oder eben Rehe.

» manikinzigbluehtnetz.de

(Von Monica Bielesch)

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