Jerry Paul ist Direktkandidat für Die Partei im Wahlkreis 41 und trinkt eigentlich lieber Bier als Apfelwein. Die Satire-Partei sei wegen ihrer ironischen Botschaften besonders attraktiv für junge Menschen, meint der Erlenseer, der sonst nicht im Goldenen Bock verkehrt. Foto: Häsler

Erlensee

Rechtsverteidiger mit Humor: Jerry Paul von "Die Partei"

Erlensee. Wer sich in diesen Tagen noch politisch engagiert, bekommt viel Gegenwind. Die bundespolitischen Affären überschatten die Kommunal- und Landespolitik, stellen auch deren Akteure – obwohl weit weg von Berlin – vor schwierige Aufgaben.

Von Monica Bielesch

Da ist es umso beachtenswerter, wenn sich ein junger Mensch politisch engagiert. Jerry Paul ist 23 Jahre alt und kandidiert für "Die Partei" bei der Landtagswahl.

Zum Gespräch kommt Paul zusammen mit Gregor Wilkenloh, der bei der vergangenen Bundestagswahl Direktkandidat für die Partei Main-Kinzig-Kreis war. Beide Männer tragen dunkelgraue Anzüge mit schmalen roten Krawatten, auf denen der Schriftzug ihrer Partei prangt. Das wirkt wie eine Uniform, und dieser Eindruck ist wohl beabsichtigt. Am Revers von JPauls Jackett hat der junge Kandidat diverse Buttons mit Slogans befestigt, so wie früher Anti-Atomkraft-Buttons an Latzhosen prangten.

Die Ellenbogen auf dem Tisch, die Hände ineinander verschränkt, der Blick offen und freundlich und mit einem stetigen Lächeln um den Mund sitzt er am Biergarten-Tisch vor dem Goldschmiedehaus. Der gebürtige Hanauer, der heute in Erlensee lebt, steckt viel Zeit in sein Engagement für die „Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative“, kurz: Die Partei.

Von Redakteuren der Satire-Zeitschrift "Titanic" gegründet

Interview-Termine, Info-Stände, Auftritte: Die Termindichte nimmt vor der Wahl immer weiter zu. Alles nur für Slogans wie „Wählt Die Partei. Sie ist sehr gut.“, „Bierpreisbremse jetzt“ oder „Artenschutz für die Grünen“. Aber für Paul, der in seiner Freizeit gerne Lasertag spielt, auf Musik-Konzerte geht und die Hip-Hop-Musik der deutschen Gruppe Kez mag, machen genau diese satirischen Slogans die Botschaft seiner Partei aus.

Paul ist erst seit Sommer des vergangenen Jahres Mitglied bei Die Partei. Die damals anstehende Bundestagswahl und intensive Gespräche mit seinem Vater hätten ihn bewogen, sich politisch zu engagieren. Die „satirische Art“ der Partei habe ihn schließlich überzeugt. Gerade dieser besondere Humor mache diese politische Vereinigung für junge Leute attraktiv, meint Paul.

Was er mit seiner Kandidatur erreichen will? „Geld und Macht“, sagt er grinsend. Und auf die Frage, ob er das ernst meint, legt er ein entschiedenes „absolut“ nach. Ein konstruktives Wahlprogramm ist das nicht, aber das will die Partei auch nicht vorlegen, die 2004 von Redakteuren des Satire-Magazins Titanic gegründet wurde.

Lehre zur Logistik-Fachkraft absolviert

Titanic-Redakteur Martin Sonneborn ist heute noch Parteivorsitzender und vertritt Die Partei im Europaparlament. Sonneborn ist für Jerry Paul ein politisches und satirisches Vorbild. Besonders stolz ist er zudem auf sein Goldabonemment der Satire-Zeitschrift Titanic. Zumindest diese Aussagen meint er ernst.

Ansonsten hat er den Duktus der als Spaß- und Satire-Partei bekannten Vereinigung voll verinnerlicht. „Wir gehen von der Mehrheit für uns aus“, prognostiziert er schmunzelnd den Wahlausgang.

Dabei ist der 23-Jährige, dem Familie und Freunde wichtig sind, beruflich sehr bodenständig und geht zielstrebig seinen Weg. Auf der Otto-Hahn-Schule hat er seinen Realschulabschluss gemacht und danach in einem großen Pharmabetrieb eine Lehre zur Logistik-Fachkraft absolviert. In Abendkursen hat er mittlerweile nun auch seinen Meister geschafft.

Alle Artikel zur Landtagswahl finden Sie in unserem Dossier

In Hanau geboren und in Klein-Auheim aufgewachsen, wohnt der 23-Jährige seit zehn Jahren mit seiner Mutter in einem integrativen Wohnpark in Erlensee, in dem auch sein Vater lebt. Mit dabei sind natürlich seine vier Meerschweinchen sowie sein Hamster Maxi. „Die habe ich zu meinem 18. Geburtstag geschenkt bekommen“, erzählt der Kandidat.

Ein Tierfreund also, passend zu Punkt sechs des Partei-Programms zur Bundestagswahl 2017. Da heißt es: „Tierversuche werden eingestellt. Tiere sind zum Niedlichfinden und Aufessen da. Lipgloss, Arsch-Make-up, Biomarmelade und Medikamentencocktails werden ab sofort an Spitzensportlern getestet, die sind allerhand Substanzen gewöhnt.“ Paul identifiziert sich mit diesem Partei-Programm. Am besten gefällt dem ehemaligen Fußballer, der früher als rechter Verteidiger auf dem Platz stand, die Partei-Forderung nach einer Bierpreisbremse. Da passt es, dass Die Partei Main-Kinzig-Kreis ihre Stammtisch-Treffen in der Hanauer Kneipe Brückenkopf abhält. Unter dem Motto: „Trinkt ein Bier mit eurem Direktkandidaten“.

Er ist überzeugt, dass die satirische Art seiner Partei, Themen und gesellschaftliche Probleme anzusprechen, die Beste sei. Vielleicht will er ja mit seinem Statement, als Politiker strebe er nach Geld und Macht, den Politik-Profis in Berlin und Wiesbaden einen Spiegel vorhalten. Das Verhalten vieler Bundespolitiker in den vergangenen Wochen in der Maaßen-Affäre entlockt dem jungen Kandidaten daher auch nur Hohn und Spott. „Da kann ich nur noch drüber lachen“, sagt er und meint, dass gerade solche Skandale wie die Maaßen-Beförderung viele Menschen davon abhalten würden, zur Wahl zu gehen.

Auf Listenplatz 47

Zwar vertritt Paul mit seiner Partei keine staatstragenden Programme, aber die Ironie mit der sie Themen ansprechen, ist auf eine spezielle Art dann doch politisch. Beispiel Thema Obergrenze für Flüchtlinge: „Deutschland darf nicht mehr Flüchtlinge aufnehmen als das Mittelmeer“, heißt es im Programm.

Auf den Veranstaltungen und Ständen seiner Partei sei insbesondere die Resonanz bei jüngeren Menschen positiv, berichtet Paul. Der schwarze Humor mit dem Die Partei und er agieren, ist oft entwaffnend. Denn wenn er als eines seiner politischen Hauptziele eine sichere Rente für sich selbst benennt, dann erinnert das natürlich an die Berufspolitiker, die nach ihrer politischen Karriere auf Vorstandsposten wechseln und zusätzlich ihre Pensionen kassieren. Jerry Paul jedenfalls sieht sich auch im Freundeskreis bestätigt. „Die unterstützen mich.“ Und seinen Listenplatz 47 nimmt er auch mit Humor. „Wir holen die absolute Mehrheit plus X.“

Hier können Sie den Kandidaten Fragen stellen:

(function(){var awpym = new pym.Parent('awpym','https://embed.abgeordnetenwatch.de/hessen?pk_campaign=Medienpartner_Hessen_2018undpk_kwd=han', {})}())

Das könnte Sie auch interessieren