Die Fusion zwischen Neuberg und Erlensee ist gescheitert. Foto: HA

Erlensee/Neuberg

80 Prozent der Neuberger lehnen die Fusion ab

Erlensee/Neuberg. Die beiden Kommunen Erlensee und Neuberg bleiben eigenständig. Die Bürger haben dem von den Verwaltungsspitzen angestrebten Zusammenschluss eine klare Absage erteilt.

Von Holger Weber

Vor allem in Neuberg war das Ergebnis für Bürgermeisterin Iris Schröder und ihren Erlenseer Amtskollegen Stefan Erb (beide SPD) niederschmetternd. 79,6 Prozent der Neuberger stimmten gegen die Fusion. In Erlensee fiel das Ergebnis knapper. aber dennoch deutlich aus: Dort lehnten 60 Prozent den Zusammenschluss der beiden Kommunen ab. In Erlensee wurde das Quorum von 25 Prozent bei einer Wahlbeteiligung von nur 33 Prozent nicht erreicht. Dafür aber in Neuberg, wo die Wahlbeteiligung bei fast 70 Prozent lag.

Von der Deutlichkeit des Ergebnisses in ihrer Gemeinde war Bürgermeisterin Schröder sichtlich überrascht. „Damit hätte ich nicht gerechnet. Aber wir haben jetzt ein klares Ergebnis. Der Bürgerwille ist zu respektieren“, sagte sie gestern Abend in einer ersten Stellungnahme.

Ihr Amtskollege Stefan Erb aus Erlensee teilte die Enttäuschung über die Niederlage. Die schwache Wahlbeteiligung in seiner Kommune zeige, dass es dort mehr Desinteresse als Ablehnung für den Zusammenschluss gegeben habe. „Von unserer Seite war es ein Angebot an die Bürger, das diese nicht angenommen haben. Das muss man akzeptieren.“ Ein Grund sei in der Bürgerinitiative zu suchen, deren schlechte Stimmung auch nach Erlensee ausgestrahlt habe, sagte Erb. „Wir brauchen uns in Erlensee keine Sorgen zu machen. Wir sind gut aufgestellt und werden sicherlich bei möglichen Zwangsfusionen in der Zukunft mit rund 15 000 Einwohnern keine Rolle spielen.“

Große Freude bei Fusionsgegnern

Groß war die Freude hingegen bei den Fusionsgegnern. die sich ebenso überrascht zeigten von dem deutlichen Ergebnis. „Es scheint, dass unsere Argumente bei den Menschen durchgedrungen sind“, sagte Andreas Weiß, Mitglied der CDU-Fraktion und Mitbegründer der Bürgerinitiative „Neuberger für Neuberg“. Den Menschen habe letztlich das Vertrauen gefehlt, sie hätten sich auf dem Weg nicht mitgenommen gefühlt, glaubt Weiß.

Damit sind die Fusionspläne nun gut zweieinhalb Jahre, nachdem Stefan Erb und Iris Schröder sie in einem Exklusiv-Interview mit unserer Zeitung verkündet hatten, zu einem jähen Ende gekommen. Die beiden Bürgermeister hatten während des Fusionsprozesses, der von zahlreichen Bürgerversammlungen und auch von sogenannten Zukunftswerkstätten begleitet war, immer wieder betont, dass sie ihre Gemeinde aus einer Position der Stärke heraus für die Zukunft fitmachen wollten.

In einer von beiden Kommunen in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie waren die Verfasser zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Zusammenschluss die beste Option der Kooperation wäre. Allerdings hatten vor allem die Fusionsgegner in Neuberg immer den Vorwurf geäußert, die Studie sei einseitig. Bereits im Januar dieses Jahres hatten die Neuberger Parlamentarier die Fusion mit der Mehrheit von CDU, Bündnis 90/Die Grünen sowie Neuberger Liste abgelehnt. Nur mit Hilfe eines erfolgreichen Bürgerbegehrens war dennoch der Bürgerentscheid, der ursprünglich am 10. Mai im Rahmen der Europawahlen abgehalten werden sollte, durchgesetzt worden.

Das könnte Sie auch interessieren