Die Preisträgerin Pauline Hornung nach Überreichung der Urkunde, gerahmt von OB Claus Kaminsky (links) und dem Vereinsvorsitzenden Michael H. Sprenger. Links der Organisator des Wettbewerbs und Leiter der AG Schulkontakte im HGV Dr. André Griemert. Foto: PM

Erlensee

Pauline Hornung gewinnt den ersten Preis für Nachwuchshistoriker

Eine junge Nachwuchshistorikerin aus Erlensee hat den erstmals vom Hanauer Geschichtsverein vergebenen „Anton Calaminus-Preis“ bekommen. Pauline Hornung hatte am Geschichtswettbewerbes „Welche Geschichte(n) schreibt deine Stadt?“ teilgenommen. Die Preisverleihung fand im Blauen Saal des Schlosses Philippsruhe in Hanau statt.

Teilnahmeberechtigt waren alle weiterführenden Schulen aus dem Altkreis Hanau. Unter einer Vielzahl von Einsendungen war die Arbeit von Pauline Hornung für den Hauptpreis von der mehrköpfigen Jury ausgewählt worden. Damit reiht sich die Erlenseerin, die kurz vor ihrem Abitur am Franziskanergymnaisum Kreuzburg steht, als erste Trägerin des „Anton Calaminus-Preises“ zugleich in die 184-jährige Geschichte des Vereins ein.

In ihrer als Abschlussarbeit an der Mädchenrealschule St. Josef entstandenen Untersuchung zeichnet Hornung die Einsatzorte ihres Urgroßvaters Walter Bernges aus Langendiebach im Zweiten Weltkrieg nach. Zu der Geschichte ihres Urgroßvaters sei sie dabei aber eher durch Zufall geraten, wie die Preiträgerin in ihrer Rede einleitend feststellte. Denn nach ihrer Geburt zog es die Familie berufsbedingt zunächst weg aus Erlensee: Zunächst nach Westfalen und von dort aus nach Brüssel. Gerade während ihres Besuchs der internationalen Deutschen Schule Brüssel in Sterrebeek habe sie Menschen vieler Nationalitäten kennengelernt. Die Zeit in Brüssel habe sie gelehrt, offen, tolerant und ohne Vorbehalte auf alle zuzugehen.

Alles begann mit einem Fotoalbum

Erst nach dem erneuten Umzug in das Haus ihrer Urgroßeltern in Erlensee und der damit einhergehenden Renovierung des aus dem Jahr 1880 stammenden Hauses fielen ihr Fotoalben in die Hände, in denen sie auf Fotografien stieß, die ihren Urgroßvater als Soldat an verschiedenen Orten zeigten. Ihre Gedanken hätten sofort angefangen zu arbeiten: Wer war dieser Uropa, der mit 19 Jahren in den Krieg ziehen musste? Was geschah, von der Weltgeschichte unbeachtet, in der großen Masse des Leids untergehend, aber stellvertretend für viele seines Alters, mit einem jungen hoffnungsvollen Mann, der sich den „braunen Radau“ bestimmt nicht ausgesucht hatte und trotzdem „mitmachen“ musste?

Sie setzte sich sofort an die Arbeit und zeichnete die Lebensgeschichte Walter Bernges in den Kriegsjahren biszu seiner abenteuerlichen Flucht aus dem US-Kriegsgefangenenlager Kreuznach – initiiert durch seine Ehefrau – nach. Nicht nur, dass mit ihrer Forschung die Geschichte ihres Urgroßvaters stellvertretend für viele junge Männer seines Jahrgangs nicht mehr verloren gehen könne, sondern auch ihr selbst habe die Recherche geholfen, mit ihrer neuen Heimat vertraut zu werden. Auf diese Weise, so konstatierte die Preisträ-gerin in ihren Abschlussworten, hofft sie, ein klein wenig dazu beizutragen, dass niemals wieder Krieg von deutschem Boden ausgehen werde.

Hierauf verwies auch die Laudatorin, Dr. Alice Noll, die sich zugleich voller Bewunderung ob der enormen Forschungsleistung angesichts der jungen Jahre der Preisträgerin äußerte. Noll hob hervor, dass es Pauline Hornung gelungen sei, den Weg eines unbedarften jungen Mannes, aus dessen Fotos zunächst die staunende Neugier auf fremde Länder und Städte sprechen, bis dann der Kriegsalltag ihn allmählich einholte, durch die Wirren des Krieges in klaren Worten zu skizzieren, um so der Masse von Kriegsschicksalen ein Gesicht zu geben.

Bedeutung des Preises

Der Vereinsvorsitzende, Michael H. Sprenger, betonte in seiner Begrüßung die Bedeutung, die dieser neu geschaffene und aus Vereinsmitteln dotierte Nachwuchspreis für die Geschichte des Vereins selbst habe. Gerade die Beschäftigung mit der Geschichte vor Ort, der eigenen Gemeinde oder der eigenen Familie könne durchaus spannend sein. In diesem Zusammenhang beleuchtete er auch, warum dieser Preis nach dem Mitbegründer und ersten Vorsitzenden des Vereins, Anton Calaminus (1808–1868), benannt wurde, seinerzeit Pfarrer an der Hanauer Marienkirche.

Dem Festakt wohnten neben der Familie von Pauline Hornung und zahlreichen Mitgliedern des Hanauer Geschichtsvereins die Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck und Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky bei. Kaminsky zeigte sich höchst erfreut über die Idee eines solchen Wettbewerbs und lobte ihn als sinnvolle Ergänzung zur Einrichtung des Hanauer „Stadthistorikers“.Pauline Hornung erhielt neben einer Urkunde und einem Bücherpaket eine für ein Jahr gültige Ehrenmitgliedschaft im Verein, verbunden mit allen Vorteilen für Vereinsmitglieder, und zudem ein dieses Mal erhöhtes Preisgeld in Höhe von 200 Euro. Die Feierstunde wurde ferner von einem Schüler der Hohen Landesschule, Dominik Stipic, musikalisch am Flügel umrahmt.

Der Wettbewerb geht jetzt in die zweite Runde. Arbeiten von Schülerinnen und Schülern – gerne auch Gruppenarbeiten – mit Bezug zur Hanauer Geschichte können bis zu Beginn der Sommerferien an den Organisator des Wettbewerbes, Dr. André Griemert (griemert@gmail.com), eingesendet werden. how

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