Das Herzstück im Fliegerhorst: Das Dreieck, auf dieser etwas veralteten Aufnahme rot markiert, wurde 2014 für rund 5,2 Millionen Euro an die Firma Retro Klassik GmbH verkauft. Seitdem ist dort nicht mehr viel passiert. Das soll sich jetzt ändern. Foto: PM

Erlensee/Bruchköbel

Neuer Bebauungsplan und neue Bewegung am Fliegerhorst

Erlensee/Bruchköbel. Die Pläne klangen vielversprechend: Zunächst sollte eine Autostadt für Oldtimer entstehen, später eine riesige Reitanlage für Westernpferde mit Hotels und Veranstaltungshalle. Dann war lange Zeit Ruhe im Dreieck des Fliegerhorsts. Nun kommt wieder Bewegung ins Zentrum des ehemaligen Militärflughafens.

Von Holger Weber

Bei den aktuellen Plänen handelt es sich nicht um ein einzelnes Megaprojekt, sondern es sollen viele kleine Gewerbeansiedlungen auf dem insgesamt 93 000 Quadratmeter großen Areal entstehen. Im Herbst könnten die ersten Grundstücke verkauft werden, hofft Projektmanager Michael Lemler. Das Interesse sei sehr groß, fügt er hinzu. Lemler vermarktet das Areal für die in Erlensee beheimatete Firma Retro Klassik GmbH. Hinter dem Unternehmen steht der russische Pharmaunternehmer Viktor Charitonin, dessen Vermögen auf mehrere Hundert Millionen Euro geschätzt wird und der das Dreieck des Fliegerhorsts 2014 für rund 5,2 Millionen Euro vom Zweckverband Fliegerhorst gekauft hatte.

Seine ursprünglichen Pläne, den Bau einer Autostadt, verwirklicht er derzeit am Nürburgring, den er ebenfalls 2014 als Teil einer Holding erworben hatte und der sich offenbar als der geeignetere Standort für die Oldtimer herauskristallisierte. Die Folgepläne, der Bau einer enormen Westernreitanlage, wurden dann ebenfalls verworfen, nachdem bekannt geworden war, dass der Großmetzger Brandenburg im östlichen Teil des Logistik- und Gewerbeparks eine riesige Produktionsstätte bauen wird. Pferdesport und Fleischverarbeitung, so das Argument der Retro Klassik GmbH, seien miteinander unvereinbar.

Nach dem Brandenburg-‧Deal war es zu atmosphärischen Störungen zwischen der Retro Klassik GmbH und dem Zweckverband Fliegerhorst gekommen, es herrschte lange Zeit Funkstille zwischen dem Russen und dem Verband, der bekanntlich von den beiden Kommunen Erlensee und Bruchköbel gebildet wird und in dem Erlensee mit 70 Prozent den größeren Anteil besitzt.

Schallobergrenzen zu niedrig angesetzt

Nun aber arbeiten beide Seiten wieder gemeinsam daran, dass sich schon bald im Dreieck Gewerbe ansiedeln kann. In der Zweckverbandsversammlung ist in der vergangenen Sitzung ein Aufstellungsbeschluss für einen neuen Bebauungsplan gefasst worden, dessen Kosten die Retro Klassik GmbH tragen wird.

Der Bebauungsplan mit der Kennzeichnung 07 war notwendig geworden, weil die erlaubten Schallobergrenzen im Dreieck zu niedrig angesetzt waren, um dort Gewerbe zu erlauben. Hintergrund: Die Schallkontingente von bis zu 66 Dezibel wurden bei der Konzeption des Logistikparks ausschließlich auf die Außenbereiche verteilt, in denen sich mittlerweile zahlreiche Logistikfirmen angesiedelt haben. Für das Dreieck wurden Schallobergrenzen von 44 Dezibel festgeschrieben. „Das hätte für die Autostadt gereicht“, erklärt Erlensees Bürgermeister Stefan Erb – nicht aber für die meisten Gewerbebetriebe.

Logistik ausgeschlossen

Im neuen Bebauungsplan soll jetzt eine Obergrenze von bis zu 55 Dezibel festgeschrieben werden. „Zu wenig für Logistik, aber ausreichend für kleinere Betriebe“, erläutert Erb. Durch die Lärmschutzobergrenze wird somit quasi ausgeschlossen, dass sich im Zentrum des Fliegerhorsts weitere Logistikbetriebe ansiedeln. Vor allem in Erlensee hatte es immer wieder Gerüchte gegeben, dass sich die verkehrliche Situation in der Stadt durch weitere Ansiedlungen von Logistikunternehmen im Dreieck verschärfen könnte.

Die Fläche wird bereits seit geraumer Zeit auf einschlägigen Immobilienportalen im Internet beworben. Über den Zuschnitt der künftigen Parzellen könne man derzeit noch nichts sagen, so Lemler. Besonders kniffelig wird die Angelegenheit, weil auf dem Areal noch viele denkmalgeschützte Gebäude stehen, die integriert werden müssen. „Daran werden wir uns halten und das sagen wir auch den Interessenten“, so Lemler.

Die alte Poststelle, die sich ebenfalls im Dreieck befand, war 2015 durch ein Großfeuer vernichtet worden, das höchstwahrscheinlich durch Dacharbeiten ausgelöst worden war.

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