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Mutmaßlicher Drogenhändler sagt Teilnahme am Prozess ab

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Eine ruhige Straße mit gepflegten Häusern in Erlensee. Von hier aus soll Mustafa Horst M. seine Drogengeschäfte geführt haben. Die Kripo durchsuchte seine Wohnung – und fand nicht nur Betäubungsmittel. Foto: Graber
Eine ruhige Straße mit gepflegten Häusern in Erlensee. Von hier aus soll Mustafa Horst M. seine Drogengeschäfte geführt haben. Die Kripo durchsuchte seine Wohnung – und fand nicht nur Betäubungsmittel. Foto: Graber

Erlensee. Mustafa ist dann mal weg: Ein mutmaßlicher Drogenhändler aus Erlensee hat kurz vor Prozessbeginn seine Teilnahme an der Verhandlung abgesagt. Der Grund: Er sei verreist.

Von Dieter A. Graber

Der Mann aus Erlensee ist wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz gerichtsbekannt; in seiner Wohnung waren Kokain, Marihuana und Cannabisharz gefunden worden, außerdem Waffen. Ein Haftbefehl lag nicht vor.

Wenn es zutrifft, was in der Anklageschrift steht, ist Mustafa Horst M. beileibe kein kleiner Fisch im großen Drogenteich. In seiner Wohnung fand die Polizei jede Menge Stoff. Das war im Herbst vergangenen Jahres. Nun hätte ihm der Prozess gemacht werden sollen. Dazu kam es aber nicht: Mustafa Horst M. zog es vor, seine Teilnehme an der Verhandlung kurzfristig abzusagen.Langjährige FreiheitsstrafenMustafa Horst M. hat bereits langjährige Freiheitsstrafen wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz abgesessen; einmal waren es drei, später sogar sechs Jahre. Weil er sich im Gefängnis gut führte, kam er nach Verbüßung der Hälfte, beziehungsweise von zwei Dritteln der Strafe wieder auf freien Fuß.Mustafa Horst M. ist 53 Jahre alt. Angeblich verdient er sein Geld im Altmetallhandel. Na ja – Geld: 700 Euro gab er mal als Monatseinkommen an. 40 000 fahrende Sammler sind in Deutschland noch unterwegs. Aber das Schrottgeschäft ist schwierig geworden. Die Preise machen Sprünge wie Popcorn in der Pfanne. Im Sommer sind sie ohnehin im Keller.Fahnder hatten ihn schon länger im AugeMagere 215 Dollar gibt es zurzeit für aufbereiteten Stahlschrott zur Lieferung in die Türkei. Vor zwei Jahren war es nahezu das Doppelte. Und dann das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz mit seinen bürokratischen Hürden – da ist der Drogenhandel deutlich lukrativer. Für ein Kilo „Koks“ lassen sich locker 69 000 Euro erlösen.Im September 2015 verkaufte Herr M. laut Anklage einem Kunden 0,53 Gramm Kokainzubereitung. Ein „kleines Geschäft“, sozusagen. Die Fahnder hatten ihn aber schon länger im Auge und nahmen ihn fest. In seiner Wohnung stießen sie auf ein gut sortiertes Lager: zehn Gramm Kokain, 850 Gramm Marihuana, 150 Gramm Cannabisharz.Klappmesser und Schlagring im Schlafzimmer„Mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren wird bestraft“, so heißt es in Paragraph 30a BtMG, wer beim Drogenhandel „eine Schusswaffe oder sonstige Gegenstände mit sich führt, die ihrer Art nach zur Verletzung von Personen geeignet und bestimmt sind.“ Und nun wird’s sehr ernst für Herrn M.: In seinem Schlafzimmer fanden sich ein Schlagring und zwei Klappmesser, „zur Absicherung der Betäubungsmittelgeschäfte“, wie die Staatsanwaltschaft vermutet.Kurz vor dem Prozess meldete sich Mustafa Horst M. in der Kanzlei seines Pflichtverteidigers, des Hanauer Strafrechtlers Peter Müller, und erklärte, der Termin müsse ausfallen. Er halte sich im Ausland auf und könne nicht erscheinen. Ein Mann, ein Wort: Die 2. große Strafkammer wartete vergeblich auf ihn.Tatsächlich: ausgeflogenEin wenig verlegen machte Anwalt Müller entsprechend Meldung. Sein Mandant habe sich übrigens auch noch nicht bei ihm blicken lassen. Die Polizei schaute dann mal vorbei in dem an einer ruhigen Erlenseer Seitenstraße gelegenen Zweifamilienhaus.Tatsächlich: ausgeflogen. Vielleicht ist er dem Schrott, also dem Handelsgut seiner bürgerlichen Profession, gefolgt; die Türkei beispielsweise zählt zu den wichtigsten Abnehmern von Altmetall. Und es könnte sein, dass im Hanauer Drogendezernat K 34 nun ein paar Beamte vor Wut in den Tisch beißen.Kein Haftbefehl Ein Haftbefehl zur rechten Zeit hätte das möglicherweise verhindert. Staatsanwalt Tobias Wolf sagt, dazu habe er keinen Anlass gesehen, weil weder Verdunkelungs- noch Wiederholungsgefahr bestanden hätten, die Voraussetzungen für eine solche „verfahrenssichernde Ermittlungsmaßnahme“, wie es unter Juristen heißt.„Und Fluchtgefahr alleine reicht nicht“, sagt Wolf bedauernd, „der Mann hat ja immerhin einen festen Wohnsitz.“ Außerdem lägen die Vorstrafen schon Jahrzehnte zurück. Er sei aber optimistisch, dass man seiner wieder habhaft werde: „Die meisten kriegen wir im europäischen Ausland ohnehin, und aus der Türkei wird er auch wieder nach Deutschland zurückkehren wollen.“Haftbefehl ausgestelltDie Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Susanne Wetzel hat nun einen Haftbefehl ausgestellt. Damit könnte Mustafa Horst M. jederzeit festgenommen und eingeliefert werden … – jederzeit? Nein, das nun auch wieder nicht. Frühestens ab dem 16. Januar, legte das Gericht fest. Weil doch bald Weihnachten sei. Und Richterin Wetzel in Urlaub …Nächster Verhandlungstermin ist der 6. Februar, 14 Uhr.

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