HA-Landchef Holger Weber-Stoppacher. Foto: HA

Neuberg/Erlensee

Kommentar zur Fusion: Der Bürger soll einfach übergangen werden

Wenn nicht noch ein kleines Wunder geschieht, dann war es das mit der Fusion zwischen Erlensee und Neuberg. CDU, Neuberger Liste (NL) und voraussichtlich die Grünen (Genaues weiß man in ihrem Fall leider nicht) werden die Pläne höchstwahrscheinlich am Donnerstagabend im Gemeindeparlament begraben. Ein Kommentar von Holger Weber

Von Holger Weber

Wenn eine solche Entscheidung dem Bürgerwillen entspräche, wäre sie ohne Wenn und Aber zu akzeptieren. Das ist die Essenz der Demokratie. Nur: Man weiß gar nicht, was die Bürger über einen Zusammenschluss der beiden Kommunen wirklich denken. Und wie es aussieht, wollen CDU, NL und voraussichtlich auch die Grünen die Menschen in Neuberg und Erlensee auch gar nicht erst fragen.

Stattdessen treffen sie die Entscheidung lieber gleich selbst. Und so werden heute Abend wahrscheinlich 13 Abgeordnete über die politische Heimat von knapp 20 000 Neubergern und Erlenseern entscheiden. Man mag jetzt einwenden, dass parlamentarische Entscheidungen in einer repräsentativen Demokratie alltäglich sind.

Doch um in einer so wichtigen Frage den Bürger einfach zu übergehen, dazu gehört schon Chuzpe. Man könnte auch sagen Vermessenheit. Der Hinweis von Neuberger Liste und CDU, der Bürger habe ja immer noch die Möglichkeit, über ein Bürgerbegehren eine Fusion herbeizuführen, klingt in diesem Zusammenhang geradezu zynisch. Denn eines ist klar: Nach einem Nein ist das Thema für alle Seiten erledigt.

Schade, denn jetzt hätte die eigentliche Debatte über Für und Wider einer Einheitsgemeinde erst richtig Fahrt aufgenommen. Dafür haben die Verwaltungen auf der einen Seite und die Kritiker der Fusion auf der anderen Seite in großer Fleißarbeit viele Argumente gesammelt. Bis zum Bürgerentscheid am 26. Mai wäre noch viel Zeit geblieben, um diese gegeneinander auszufechten und die Bürger von den jeweiligen Positionen zu überzeugen. Doch bei den Kritikern fehlt offenbar der Glaube daran, dass ihre Argumente die Bürger überzeugen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema