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Erlensee

Kommentar Bürgermeisterwahl: Erlensee will keine Experimente

Bürgermeisterwahlen sind Personenwahlen. Wenn es dieser These noch eines Beweises bedurfte, dann könnte das Ergebnis von Erlensee dafür dienen.

Von Holger Weber

Das Resultat widerspricht der aktuellen Stimmungslage im Land, die von einer dahindarbenden SPD und den im Höhenflug befindlichen Grünen gekennzeichnet ist. Dass Amtsinhaber Stefan Erb für sechs weitere Jahre das Vertrauen der Bürger bekommen hat, ist keinesfalls erstaunlich angesichts der Entwicklung, die die Stadt in den vergangenen Jahren genommen hat. Bemerkenswert ist allerdings, dass er das Rennen so deutlich gemacht hat.

Nicht immer hatte man im Laufe des Wahlkampfes den Eindruck, dass es ein lockerer Durchmarsch für den Sozialdemokraten werden könnte. Mit Umweltthemen wie Bodenversiegelung und Verkehrbelastung hatten seine Kontrahenten die Kehrseiten des Wachstums in den Vordergrund gestellt und versucht, den wirtschaftlichen Erfolg des Amtsinhabers zu vernebeln. Dabei ging es auch manches Mal sehr emotional und nicht immer sehr faktenorientiert zu.

Grüne Kandidatin ernste Rivalin

Vor allem die grüne Kandidatin Renate Tonecker-Bös kristallisierte sich im Laufe des Wahlkampfes als eine ernstzunehmende Rivalin für den Amtsinhaber heraus. Zum einen durch ihren überzeugenden Auftritt bei der Podiumsdiskussion unserer Zeitung in der Erlenhalle. Und zum anderen durch das engagierte Team, das im Hintergrund für sie arbeitete. Doch 62 Prozent Zustimmung für Erb sprechen eine deutliche Sprache: Die Erlenseer scheuen die Experimente und setzen auf die Erfahrung und den Sachverstand des Amtsinhabers.

Dem CDU-Kandiaten Michael Börner fehlte es nicht zuletzt an Unterstützung im eigenen Lager und für Carmen Merz, die ganz auf sich gestellt ins Rennen gegangen war, sind sechs Prozent immerhin ein Achtungserfolg.

Zu denken gibt die schwache Wahlbeteiligung von nur 41 Prozent vor allem im Hinblick auf den bevorstehenden Bürgerentscheid über eine Fusion mit der Nachbarkommune Neuberg im November. Da hat der neue und alte Bürgermeister noch einiges zu tun, um die Erlenseer aus der Reserve zu locken.

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