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Erlensee/Neuberg

Kommentar Bürgerentscheid Fusion: Eine Entscheidung der Emotionen

Erlensee bleibt Erlensee, und Neuberg bleibt Neuberg.

Von Holger Weber

Die Bürger beider Kommunen haben den Fusionsplänen ihrer Verwaltungsspitzen eine Absage erteilt, die deutlicher kaum hätte sein können. Mit dem Resultat des Bürgerentscheids hätte man bei den Buchmachern keinen großen Gewinn machen können. Das Nein zum Zusammenschluss war vorhersehbar.

Wenn man sich die Frage stellt, seit wann dieses Ergebnis sich abzeichnete, dann könnte man weit zurückgehen. Ganz an den Anfang des Prozesses, als Erlensees Bürgermeister Stefan Erb und seine Amtskollegin Iris Schröder ihre Pläne im Interview mit unserer Zeitung zur Überraschung der Parlamentarier im Alleingang verkündeten. Im Nachhinein war es ein Fehler, die Abgeordneten so spät einzubinden. Der verletzte Stolz der Parlamentarier übertrug sich auf Teile der Bürger, vor allem in Neuberg, wo sich schnell eine Bürgerinitiative gegen die Fusion gründete.

Der Versuch, die Menschen, durch sogenannte Zukunftswerkstätten an dem Prozess teilhaben zu lassen, war nicht wirklich eine Bürgerbeteiligung.

Kann man den Bürger mitnehmen?

Aber es stellt sich auch die Frage, ob man den Bürger bei einem sehr komplexen Prozess in allen Entscheidungsbereichen mitnehmen kann? Dass die Lenkungsgruppe ausschließlich mit Experten beider Verwaltungen besetzt wurde, wie oft kritisiert, war dem Umstand der Komplexität geschuldet.

Die Gegner einer Fusion haben von Beginn auf die Karte Emotionen gesetzt. Und sie haben es vor allem geschafft, diese emotionale Spannung bis zum Tag der Abstimmung aufrecht zu erhalten. Mit Veranstaltungen, Plakaten, in persönlichen Gesprächen. Emotionen funktionieren besser in einer gewachsenen Gemeinschaft als in einer Gemeinschaft von Menschen, die man erst zusammenführen will.

Das bürgerschaftliche Engagement, das in Neuberg durch den Fusionsprozess angestoßen worden ist, verdient Anerkennung und Respekt. Das Nein zum Zusammenschluss ist letztlich der Bürgerwille. Die Verwaltungen sollten das Resultat aber nicht missverstehen. Ein Nein zur Fusion bedeutet nicht gleichermaßen ein Nein zu einer noch engeren Zusammenarbeit der beiden Kommunen. Die Anstrengungen, durch interkommunale Zusammenarbeit, die Kosten niedrig und den Service für den Bürger hoch zu halten, müssen mit voller Kraft fortgesetzt werden.

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