Vertreter aller Fraktionen kamen zum Neujahrsempfang der Erlenseer SPD am Sonntagmorgen. Vorsitzende Birgit Reuhl hält hier die Begrüßungsansprache. Die Sozialdemokraten machten den Auftakt zu den politischen Gesprächen am Jahresanfang. Am nächsten Sonntag lädt die CDU in Erlensee ein. Foto: Habermann

Erlensee

Kavai: "Neue Leidenschaft für Europa" entfachen

Erlensee. Beim Neujahrsempfang der Erlenseer SPD in der Erlenhalle hat Dr. André Kavai, Geschäftsführer des RMV und überzeugter Sozialdemokrat, die fehlenden Antworten Europas auf den Brexit und die Schuldenkrise kritisiert. Dennoch sei es angesagt, „eine neue Leidenschaft für Europa“ zu entfachen.

Von Rainer Habermann

Das Motto beim Neujahrsempfang der Erlenseer SPD in der Erlenhalle war mit viel Pathos gewählt: „Paukenschlag in Europa oder 'weiter so' – was geht, was bleibt." Zum Thema sprach Dr. André Kavai, heute Geschäftsführer des RMV sowie und überzeugter Sozialdemokrat.

Politik stand natürlich im Mittelpunkt des Neujahrsempfangs, der seit gefühlten Ewigkeiten immer gleich abläuft: Sektempfang im Foyer, markige Worte am Rednerpult, anschließend Häppchen vom Buffet.Saal war gut gefülltAuch heuer war der Saal gut gefüllt, neben dem nahezu kompletten Magistrat und Bürgermeister Stefan Erb (SPD) konnte die Erlenseer SPD-Vorsitzende Birgit Reuhl auch die Erste Stadträtin Birgit Behr von der CDU, sowie den Grünen-Landratskandidaten Reiner Bousonville und weitere Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen begrüßen.Kavai sprach in seiner Eigenschaft als Vorstand des Manager-Kreises der Friedrich-Ebert-Stiftung, einer parteinahen, gemeinnützigen Stiftung, die den Erhalt von sozialer Demokratie und Freiheit zum Ziel hat. Für Deutschland gelte im 60. Jahr des Bestehens der der Römischen Verträge, die einst den Grundstein für die Europäische Gemeinschaft gelegt hatten, jedoch: „Die Sektlaune ist breiter Katerstimmung gewichen."Angst vor TerrorKavai setzte mit einer launigen Bemerkung den Akzent: „Glück scheint heute wichtiger als Gesundheit. Die Passagiere der Titanic waren wohl alle gesund, nur Glück hatten sie keins.“ So seien angesichts der Folgen der Finanz- und Schuldenkrise von 2008 und 2009 bis heute noch keine funktionierenden Lösungen in Sicht, habe man in Europa keine strategische Antwort auf den Brexit gefunden, bestehe angesichts der US-Präsidentschaftswahl eine große Unsicherheit für die gesamte Nordatlantik-Politik, greife eine diffuse Angst vor Terror immer mehr um sich.„Demagogen, Extremisten, Populisten stehen überall in Europa vor der Haustüre. Aber: In der Verantwortung werden sie Entscheidungen treffen müssen. Und das ist etwas schwieriger als ihre Schaufensterpolitik“, umriss Kavai die Bedrohungen, die im Jahr 2017 auf Politik und Gesellschaft zukommen.Vertrauen wichtigstes BindegliedWenn in Peking Professoren ganz offen dozierten, dass die Demokratie die schlechteste aller Staatsformen sei, dann sei es angesagt, „eine neue Leidenschaft für Europa“ zu entfachen, meinte Kavai. Denn immerhin sei dieses Europa „die größte Friedensmacht in der Geschichte“. Folgerichtig sei auch in den Kommunen „Vertrauen“ das wichtigste Bindeglied zwischen Politikern und den Menschen, die sie repräsentierten.„Hass und Zwietracht waren noch nie ein guter Freund“, schuf der gebürtige Erlenseer, frühere Vorsitzende im SPD-Unterbezirk Main-Kinzig und heutige Manager beim Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), ein globales Bild seiner politischen Vorstellungen.Zudem bemühte der ehemalige Erste Kreisbeigeordnete auch da ein globales Großereignis für sein Schlusswort: den Kinostart der jüngsten Episode von „Star Wars“. An „Jedi-Rittern“ mangelt es vielleicht, im wirklichen Leben.

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