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Ein Bild aus besseren Zeiten: Das Foto zeigt die Kinder und Betreuer aus dem Jugendtreff in Erlensee bei der Sommerfreizeit im vergangenen Jahr. Derzeit besteht auch bei ihnen Kontaktverbot.

Umziehen, beraten, spielen

Das Jugendzentrum in Erlensee ist geschlossen – Team ist trotzdem umtriebig

  • vonGabriele Reinartz
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„Unser Umzug in die Fallbachhalle steht kurz bevor“, berichtet Mike Herrmann, Sozialpädagoge beim Team Kinder und Jugendarbeit in Erlensee (TKJE). „Voraussichtlich Anfang Mai können wir hinein, auch wenn wir dann noch dort die ein oder andere Wand streichen müssen.“

Eigentlich sollte der Umzug schon viel früher über die Bühne gegangen sein, aber auch hier machte Corona einen Strich durch die Rechnung. „Wir“ sind dann „auch nur“ die vier hauptamtlichen Mitarbeiter. Ursprünglich wollten und sollten die Jugendlichen mit anpacken. Doch aufgrund der Epidemie muss Abstand eingehalten und unmittelbarer Kontakt vermieden werden. Hintergrund des Umzugs ist, dass das evangelische Gemeindehaus, der eigentliche Standort des TKJE, an die Stadt Erlensee verkauft wurde und die obere Etage, bisher genutzt von der evangelischen Kita, umgebaut wird. Die Beeinträchtigungen für TKJE durch die Baumaßnahmen wären zu groß, daher muss das Team vorerst raus. 

„Wir ziehen für zirka zwei Jahre in die Fallbachhalle, wo wir den kleinen Saal, die Küche, das Projektbüro für Jugend in die Ausbildung, das eigentliche Büro des TKJE, und auch das Außengelände nutzen können“, erzählt Herrmann weiter. „Da uns demnächst für den klassischen Offenen Treff nur ein einziger, wenn auch großer Raum statt aktuell vier kleinerer Räume zur Verfügung steht, müssen wir uns schon etwas einschränken. Zurzeit werden dort noch die PC- und Internetanschlüsse gelegt. Dafür dürfen wir die Sporthalle mitbenutzen, wenn sie nicht belegt ist“, sagt er. 

TKJE-Projekt „Jugend in die Ausbildung“ läuft weiter

Trotz anstehendem Umzug bieten die Hauptamtlichen weiterhin und in der Corona-Homeoffice-Zeit vielleicht nötiger als sonst ihre Einzelberatungstermine und Kriseninterventionsgespräche für Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und Eltern an. „Familien sind in der Regel so eingespielt, dass sie funktionieren. Corona aber bietet Konfliktpotenzial. Zum einen können sich die Familienmitglieder zu Hause nicht aus dem Weg gehen. Zum anderen vereinsamen diejenigen, die allein leben“, weiß Herrmann. Vor allem jüngere Menschen, die von zu Hause schon ausgezogen seien und sich nun nicht mit ihren Freunden treffen könnten, spürten zurzeit eine große Einsamkeit. „Diese Jugendlichen nehmen unser Angebot an Einzelgesprächen im Moment verstärkt an“, verrät der Sozialpädagoge.

Virtuell in Kontakt bleiben: Die Stammgäste im Jugendtreff in Erlensee können sich derzeit nicht treffen, deshalb chatten die Jugendlichen oder vereinbaren Konferenzen per Videoschalte.

Auch das TKJE-Projekt „Jugend in die Ausbildung“ läuft weiter. Wenn auch viele Unternehmen noch geschlossen bleiben müssen, geht die Bewerbung für die Jugendlichen um einen Ausbildungsplatz ab Sommer oder um Jobs zum Geldverdienen ja weiter. „Wir bieten diesen jungen Leuten eine Beratung per Telefon oder Video an. Auch können sie uns ihre Bewerbungsunterlagen per E-Mail senden und wir schauen sie uns kritisch an“, erläutert Herrmann. Den „Jobbern“ hilft TKJE mit Empfehlungen, wo sie gegebenenfalls in und um Erlensee sich etwas dazuverdienen können. 

Angebot funktioniere immer besser

Darüber hinaus finden auf Ebene des Evangelischen Kirchenkreises Hanau nahezu täglich Angebote in einem virtuellen Jugendzentrum statt. Auch hier ist das TKJE im Kirchenkreis aktiv vertreten. „Vor rund drei Wochen haben wir damit angefangen. An rund fünf Tagen in der Woche bieten wir bis zu drei Stunden diverse einfachere Videospiele an wie beispielsweise 'Die Montagsmaler'. Aber noch gestaltet sich dieses Angebot etwas schwierig, da Menschen nicht gerne mit Menschen spielen, die sie nicht kennen“, sagt er. TKJE versuche daher, über Mund-zu-Mund-Propaganda beziehungsweise über die sozialen Medien Werbung für das virtuelle Jugendzentrum zu machen. 

Bei den Jugendlichen, die sich über das TKJE bereits kennen würden, funktioniere dieses Angebot dafür umso besser. In Planung ist eine einstündige Videokonferenz „Tea Time Online“ mit maximal zehn Teilnehmern, die sich derzeit aus den Jugendlichen rekrutieren, die bereits im TKJE ein- und ausgehen. Bei diesem Termin sollen die Jugendlichen über Themen miteinander ins Gespräch kommen. „Ich möchte den Kreis klein halten, damit auch Probleme besprochen werden können.“ Nichtsdestotrotz sind Neuzugänge willkommen. Sie werden aber gebeten, sich vorab anzumelden. Zu guter Letzt hat TKJE vor den Toren in der Fröbelstraße ein neues Projekt gestartet. Bei gutem Wetter stehen an der „TKJE Herzens-Tür“ Sprüche, Witze, Kinderbücher und Spiele für Interessierte zur Abholung bereit. Selbstverständlich unter Einhaltung der aktuellen Regeln zum Aufenthalt im öffentlichen Raum.

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