Jörg Mair ist Kreistagsabgeordneter der SPD und vertritt die Partei in vielen Ausschüssen. Foto: Privat

Erlensee

Jörg Mair will mit "Nein" zu GroKo klare Kante beweisen

Erlensee. Am Sonntag hat Jörg Mair auf Facebook für Diskussionen gesorgt. Wie alle Mitglieder der SPD ist auch er aufgerufen, über die Teilnahme seiner Partei an einer Großen Koalition im Bund abzustimmen. Seine Entscheidung mit "Nein" zu stimmen, hat er auch im Internet öffentlich gemacht.

Von Jan Max Gepperth

Er habe ein Zeichen setzen wollen, erklärt Mair im Gespräch mit unserer Zeitung. „Wenn man von den Bürgern gewählt wird, bekommt man einen Vertrauensvorschuss ausgezahlt.“ Der Politiker werde aufgrund der Versprechen, die er während des Wahlkampfes gebe, gewählt. Also sei es die Pflicht der Politiker, auch zu versuchen, das umzusetzen, was sie versprochen haben. Und konsequent zu bleiben. Es könne nicht sein, dass man am Wahlabend sagt, dass man in die Opposition geht und keine Große Koalition bilden will und dann als SPD doch eine Regierung mit der Union bildet. Erst recht, wenn man nach Platzen der Jamaika-Sondierungen erneut betont habe, dass man dies nicht tun wolle. Damit würde man dem Wähler keinen Respekt erweisen.

Vertrauen wird verspielt„Sehen Sie es einmal so: Sie leihen mir zehn Euro. Ich sage, dass Sie morgen ihr Geld wieder bekommen. Nach zwei Wochen sage ich Ihnen dann, dass ich das Geld gespendet habe. Kann zwar sein, dass Sie das gut finden, aber Geld würden Sie mir trotzdem keins mehr leihen“, versucht Mair mit Hilfe eines Gleichnisses zu erklären, inwiefern die SPD das Wählervertrauen verspielt.

Mair arbeitet hauptberuflich als Sozialarbeiter mit Wohnungslosen. Er sitzt für die Sozialdemokraten auch im Kreistag.

Authentizität siegtEs sei, so Mair, wichtig, dass man „A sagt und dann auch A tut“. Als Beispiel nimmt er die SPD Erlensee, bei der er als zweiter Schriftführer im Vorstand sitzt. „Bei den Kommunalwahlen im Jahr 2011 haben wir 48,2 Prozent bei insgesamt drei wählbaren Parteien geholt. 2016 dann, obwohl eine weitere wählbare Partei dazu kam, noch starke 47,8 Prozent.“ Damit zeige sich, dass die Leute der SPD in Erlensee vertrauten. Ein Grund sei die klare „sozialdemokratische Linie“, welche die Partei auf kommunaler Ebene fahre. „Wir sind nicht besser, nicht klüger. Sondern wir sind authentisch“, fasst er seine Meinung zusammen. Denn nur, „wenn man tut, was man sagt, wird man erfolgreich sein“.

Mair hatte die Veröffentlichung seines Stimmzettels auf Facebook nicht lange im Voraus geplant. Vielmehr war es eine spontane Entscheidung. „Ich habe gar nicht mit einer so großen Resonanz gerechnet“, gibt er zu. Aber die Rückmeldungen, die er bekommen habe, waren in seinen Augen durchweg positiv. Darüber ist er sehr erfreut. „Mir ist wichtig, dass ich klar bin. Man soll wissen, was man hat. Entweder man mag das, oder man mag es nicht.“ Daher wollte er seine Meinung auf diese Art kundtun. Schließlich werfe das schlechte Licht, das die Bundes-SPD momentan ausstrahle, nicht nur ein schlechtes Licht auf die Ortsverbände der SPD, sondern auch auf jedes einzelne Mitglied.

Wohl der Bürger hat größte PrioritätIhm ist es wichtig, klare Kante zu zeigen. Ihm ist es aber genauso wichtig, Mehrheitsentschlüsse im Parlament, die nicht seiner persönlichen Meinung entsprechen, zu akzeptieren. „Ich mag Eitelkeiten nicht. Die Sache sollte immer im Vordergrund stehen.“ So sei es ihm bei der parlamentarischen Arbeit auch egal, von wem eine Idee eingebracht werde, so lange sie der Sache diene. Also dem Wohl der Bürger. Und das ist auch die Erwartungshaltung, welche der SPD-Politiker an die Minister in Berlin hat.

Wichtig ist Mair noch, klarzustellen, dass es sich bei dem Veto gegen die GroKo ausschließlich um die bundesweite Koalition handelt. Auf Kreisebene, bei der es ein solches Bündnis auch geben wird, sei das etwas ganz anderes. „Im Kreistag brauchen wir eine stabile Mehrheit. Da kann man nicht einfach neu wählen, sondern muss fünf Jahre miteinander klarkommen.“

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