Thomas Knapp, seine Lebensgefährtin Kristina und der anderthalbjährige Aron hoffen auf Hilfe. Nach der Zwangsenteignung droht am kommenden Dienstag die Zwangsräumung ihres Häuschens in Erlensee. Foto: Degen-Peters

Erlensee

Hoffen auf ein Wunder: Familie steht am Dienstag auf der Straße

Erlensee. Sein Unternehmen ging pleite, das Haus musste zwangsversteigert werden: Am Dienstag wird das Haus von Thomas Knapp und seiner Lebensgefährtin zwangsgeräumt – und sie stehen mit zwei Kindern auf der Straße. Eine neue Bleibe haben sie bisher nicht gefunden - die Verschuldung und Haustiere schreckten Vermieter ab.

Von Jutta Degen-Peters

Für Thomas Knapp und seine Lebensgefährtin Kristina Melzer tickt die Uhr. Ihr Haus in Erlensee wurde zwangsversteigert, am Dienstag nächster Woche wird es zwangsgeräumt – und Knapp steht mit Frau und zwei Kindern im Alter von eineinhalb und 17 Jahren auf der Straße. 50 Wohnungsangebote haben sie abgeklappert. Doch da sie einen Schufa-Eintrag haben und Haustiere besitzen, winkt jeder Eigentümer ab. Jetzt hoffen sie auf ein Wunder.

Der 45-jährige Knapp steht im Garten seines Hauses an der Neuen Anlage in Langendiebach. Ein kleines Häuschen mit Nebengebäude, das seine Partnerin als Büro für ihre Vermittlung von Betreuungskräften nutzt. Im langgestreckten Rasengrundstück liegt ein Teich, dahinter eine Holzhütte. Ein schönes Fleckchen, dem man ansieht, dass die Bewohner den Boden unter den Füßen verloren haben. Dass die Familie nun ausziehen muss, ist einer finanziellen Schieflage zu verdanken, die sich über Jahre aufgebaut hat.Altenpflege-Unternehmen geht pleiteDas Altenpflege-Unternehmen, das sich der gelernte Altenpflegehelfer in Frankfurt aufgebaut hatte, ging pleite. Vom Erlös aus dem Verkauf des Elternhauses in Frankfurt kaufte sich Knapp vor drei Jahren das Häuschen in Erlensee. Er wollte mit seiner neuen Lebensgefährtin nach der Scheidung einen Neuanfang wagen. Die Trennung habe ihn in ein tiefes Loch gestürzt, sagt Kristina rückblickend.Wann und wodurch genau die finanzielle Schieflage, deren Ursache Knapp in der Scheidung sieht, ausgelöst wurde, ist für den Außenstehenden schwer zu durchschauen. Dass das Haus zwangsversteigert werden musste, weil eine Gläubigerin ihre im Grundbuch abgesicherten Ansprüche geltend gemacht hat, haben Thomas Knapp und Kristina schon fast verschmerzt.Beide haben geregelte Arbeit„Uns ist schon klar, dass wir unsere Misere selbst verschuldet haben“, sagen sie heute. Doch fühlen sie sich mit ihrem Schicksal allein gelassen. „Wir haben schließlich nichts verbrochen“, klagt Kristina mit Blick auf ihren kleinen Sohn. Jahrelang hätten sie andere Menschen unterstützt, hätten Tiere in Not bei sich aufgenommen. Jetzt, wo sie selbst auf Unterstützung angewiesen wären, stehe ihnen niemand bei.Bei der Suche nach einer Wohnung – Adressen gab ihnen unter anderem die Agentur für Arbeit an die Hand – winkten die Eigentümer regelmäßig ab, wenn sie von den Haustieren (und von der Verschuldung) erfuhren. Da half es auch nichts, dass das Paar einer geregelten Arbeit nachgeht: Sie betreibt ihre Agentur, er ist beim Schwab-Versand als Teilzeitkraft in der Retourenabteilung beschäftigt. Als Altenpfleger habe er nicht mehr arbeiten wollen, sagt er erklärend.Stadtwohnungen alle vermietetDem zuständigen Insolvenzverwalter – Knapp hatte Geschäftsinsolvenz anmelden müssen – sind die Hände gebunden. In der Kanzlei in Offenbach weist man darauf hin, dass die Zwangsversteigerung nicht auf ihr Betreiben hin, sondern auf Betreiben einer Gläubigerin hin erfolgt sei. Die Zwangsräumung, die am 10. Januar droht, betreibt der neue Hauseigentümer. Bei ihm habe er um einen Aufschub ersucht, so Knapp. Doch ohne Erfolg. Auf Anfrage unserer Zeitung erklärt der Leiter des Ordnungsamtes, Peter Cord, die Stadt habe derzeit keinerlei freien Wohnraum zur Verfügung.Die Wohnungen im Eigentum der Stadt seien alle vermietet. Auch bei der Nassauischen Heimstätte, wo die Stadt ein Belegungsrecht besitze, sei nichts frei, erklärt Cord. Als einzige Lösung für den Übergang, falls es tatsächlich am kommenden Dienstag zur Zwangsräumung kommt, kann er Knapp und seiner Familie angesichts der Tatsache, dass hier Kindeswohl gefährdet sei, eine 48 Quadratmeter große (spartanisch möblierte) Wohnung anbieten. „Wir können nur die Gefahr der Obdachlosigkeit abwenden“, sagt Cord. Was darüber hinausgehe, sei nicht Aufgabe der Ordnungsbehörde.Viele FürsprecherDie Tatsache, dass Knapp zwei Hunde und mehrere Katzen besitzt, macht die Sache auch nicht leichter. Von ihnen würden sie sich nur schweren Herzens trennen. Fürsprecher haben Knapp und seine Partnerin. Am Donnerstag sprach der Pfarrer im Rathaus vor und versuchte zu vermitteln.Auch Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky hat sich auf eine Anfrage unserer Zeitung hin aus dem Urlaub eingeschaltet. Er will sich darum bemühen, für Knapp und seine Familie eine Bleibe zu finden.

Wer eine Idee hat, wie der Familie geholfen werden kann, oder eine freie Wohnung, möge sich per E-Mail wenden an redaktion@hanauer.de.

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