Schließt seinen Laden jetzt für immer zu: Dietrich Kaufmann. (Foto: Habermann)

Erlensee

Der Getränke-Mann tritt ab

Erlensee. Mit seinem Uznamen „Der Eier“ ist er in Rückingen und Langendiebach stadtbekannt. Als Dietrich Kaufmann führt er seit dem 1. Dezember 1966 sein Geschäft als Getränkeverkäufer und Festausstatter.

Von Rainer Habermann

Bisher galt uneingeschränkt: Wenn du feiern willst, dann geh' zum Getränke-Kaufmann. In seiner Halle an der Ecke Feldstraße/John-F.-Kennedy-Straße im Stadtteil Rückingen stapelten sich Kistenreihen und Biertischgarnituren deckenhoch. Doch damit ist es jetzt zu Ende.

Dietrich Kaufmann und seine Frau Roswita haben ihr Betriebsgrundstück zum Jahreswechsel verkauft. Sie gehen in den wohlverdienten Ruhestand, der vor allem eins beinhalten soll: Reisen, reisen, reisen. Wohnen bleiben sie auf dem Nachbargrundstück. Dort haben sie Ende der 70er, neben der etwa gleichzeitig gebauten Halle, ihr Wohnhaus errichtet. Ihre bisherige Lebensdevise hieß: Arbeiten, arbeiten, arbeiten. Dieter Kaufmann ist Jahrgang 1947, also 70 Jahre alt, seine Frau Roswita, die er am 17. Mai 1974 in Rückingen geheiratet hatte, Jahrgang 1955.

Der Mann mit Hut

„Seit dem ersten Tag hat meine Frau mir den Rücken gestärkt, sonst hätte ich das nie geschafft“, strahlt der Mann mit dem Hut: So ist er bekannt. „In der Anfangszeit hatten wir unser Lager noch in einer Scheune meines Elternhauses an der Leipziger Straße“, erinnert sich Kaufmann an den mühsamen Beginn eines ohnehin schwierigen Geschäfts als Getränkevertrieb. „Da musst du wirklich körperlich absolut fit sein. Zwei Fässer auf der Schulter: Das ist normal“, zeigt er lächelnd auf ein Foto aus der guten alten Zeit, das noch an der Wand der Lagerhalle hängt. „Dann musst du natürlich auch fix sein, und preiswert, die Konkurrenz schläft bekanntlich nicht.“

Eine Fuhre nach der anderen

An die Amerikaner auf dem Fliegerhorst erinnern sich die Eheleute Kaufmann gerne. „Wir hatten damals über 100 Garnituren und mehrere Zelte in verschiedenen Größen. Wenn die Amis gefeiert haben, dann ging's richtig ab“, sieht der Getränke-Kaufmann, der aus einem Zimmermannsbetrieb kam, bevor er sich selbständig machte, jene Zeit.

Aber auch an die Jugendcamps zu Pfingsten im Jugendzentrum Ronneburg erinnert sich Dietrich Kaufmann gerne. „Da haben wir manchmal die Nächte durchgearbeitet, um ausreichend Getränke ins JUZ zu bekommen. Eine Fuhre nach der anderen“, schwelgt er in Erinnerungen.

Nun beginnt die Zeit des Reisens

Nun ist diese Vergangenheit endgültig Geschichte. Den Getränkevertrieb haben die Kaufmanns bereits eingestellt, in Kürze soll die Halle abgerissen werden. Der Grundstückskäufer will auf dem Areal ein Mehrfamilienwohnhaus errichten. Und für die Familie Kaufmann beginnt wohl eine Zeit des Reisens. „Nach Amerika will ich unbedingt endlich mal“, sagt der Vater von drei Kindern. „Aber auch einmal nach Polen. Und überhaupt: Es gibt so viele schöne Plätze in unserem eigenen Land“, freuen sich die Eheleute auf den Ruhestand. „Seit fast 40 Jahren fahren wir regelmäßig in den kurzen Urlauben an die Ostsee“, verrät Roswita Kaufmann außerdem ihr Lieblingsziel.

Am kommenden Sonntag, 7. Januar, ab 10 Uhr, lädt die Familie Kaufmann alle Freunde und Kunden zu einem kleinen Abschieds-Frühschoppen und Imbiss ein. Die Feier findet auf dem ehemaligen Betriebsgelände an der Feldstraße statt.

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