Eine Urnenvase befindet sich sichtbar auf der Spitze der Säule. Fotos: Mike Bender

Erlensee

Geschichtsverein restauriert Grabmal von Johannes Ruffener

Erlensee. Bislang dürfte die unscheinbare Sandsteinsäule, die die Blickachse durch den Park zum alten Langendiebacher Friedhof teilt, niemandem besonders aufgefallen sein. Vielmehr fügt sich die Säule als dekorative Sehenswürdigkeit seit Jahren ins Stadtbild ein.

Von Mike Bender

Doch was es genau damit auf sich hat, wussten bislang nur wenige. Das wollte der Geschichtsverein ändern, das Denkmal vor dem Verfall schützen und vor allem die interessante Geschichte dahinter ans Licht bringen. Vergangenen Samstag lud der Verein deshalb Bürgermeister Stefan Erb, Pressevertreter und interessierte Bürger in den Park ein, um tief in die Erlenseer Geschichte einzutauchen. Dabei halfen neben dem Vorsitzenden Erwin Hirchenhain auch Vereinsmitglied und Kunsthistoriker Jörg Hofmann.

Offiziell gilt die 1802 errichtete Säule als Grabmal von Johannes Ruffener, Pächter des Reußerhofes, der damals nicht nur die eine Zehntscheune, sondern so etwas wie einen modernen Gewerbepark des damaligen Fürsten betrieb. Die Schafzucht – über 1000 Tiere – machten die Ruffeners zu einer wohlhabenden Familie. So konnte sich seine Frau Anna Margretha überhaupt erst ein solches Denkmal leisten, das zur damaligen Zeit schon eine stolze Summe kostete.

Die Konstruktion des Denkmals

Konstruiert wurde das Denkmal als Grabaltar mit einer aufgesetzten Gedenksäule, auf dessen Spitze eine Urnenvase stand. Ursprünglich befand sich die Säule im vorderen Teil des Parks und wurde erst im Zuge der Umgestaltung versetzt. In der Vase befanden sich nie die sterblichen Überreste Ruffeners, vielmehr stellte man sich in ihrer Symbolik vor, dass sie das Herz des Verstorbenen beinhaltet, dem man sich so näher fühlte, weshalb diese Form des Denkmals in der Fachsprache auch als Herzmonument bezeichnet wird.

Womöglich verstarb Johannes Ruffener weit weg von der Heimat. Zwar fand der Geschichtsverein im Kirchenbuch ein Geburtsdatum, jedoch keines für den Tod des Geschäftsmannes, was darauf schließen lässt, dass er auf einer Dienstreise starb.

Anna Ruffener suchte sich das Denkmal für ihren Mann wahrscheinlich im Modellbuch eines Mannheimer Steinmetzbetriebes aus. Dafür spricht, dass in Bad Kreuznach eine fast identische Säule zum Gedenken an die Freifrau von Gemmingen steht. Zwar ließ Anna Ruffener die Säule nach ihren Vorstellungen umgestalten, jedoch fällt auf, dass ihr Mann darauf kaum Erwähnung findet. Ein Kranz aus Mohnkapseln steht sinnbildlich für einen sanften Tod, gesenkte Fackeln, die für das verlöschende Lebenslicht stehen, und ein Falter als Symbol für die Auferstehung.

Ein Detail, das Anna Ruffener wahrscheinlich vom Vorbild der Säule übernommen hatte, regte jedoch lange Jahre die Fantasie der Erlenseer an, dessen Bedeutung nun wohl geklärt scheint. Rund um den oberen Bereich zieren vier Frauenköpfe die Säule, wobei es sich nicht wie zunächst angenommen um vier Töchter der Familie handelte.

Damals kein Erbe für Frauen

Johannes Ruffener war lediglich Vater von drei Töchtern und zwei Söhnen. Weil diese bereits früh verstarben, hatte Anna Ruffener Angst den Reußerhof nicht mehr länger halten zu können, denn nach damaligem Recht stand Frauen kein Erbe zu. Sie engagierte sogar Anwälte und führte einen Prozess, über dessen Ausgang jedoch nichts überliefert ist. So setzte Anna Ruffener nicht ihrem Mann, sondern vielmehr ihrer Familie und dem Recht der Frauen mit der Säule ein Denkmal.

Nach einer Grundsäuberung ließ der Verein eine Fläche um den Sockel pflastern, so dass bei Regen nun kein Schlamm mehr an den Stein spritzen kann und die Inschriften dauerhaft lesbar bleiben. Auch die verloren gegangene Urnenvase ließ der Verein durch den Erlenseer Steinmetzmeister Patrick Wurm ersetzen. Gleich neben der Säule informiert eine Infotafel über die Inschriften.

Bürgermeister Stefan Erb zeigte sich beeindruckt vom Engagement des Vereins. „Ich hätte noch weiter zuhören können“, sagte Erb über die Worte von Kunsthistoriker Jörg Hofmann, der im Detail erläuterte, aus welchen Epochen und Stilen die einzelnen Elemente der Säule stammen.

In Zukunft möchte der Geschichtsverein auch die Grabsteine, die derzeit in der angrenzenden Kapelle lagern, sanieren und sie der Öffentlichkeit wieder zugänglich machen – darunter das älteste Grabmal von 1609.

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