Die Stimmung unter den Flüchtlingen ist gut. Gerne verbringen sie zusammen ihre Zeit im ehemaligen Gastraum des „Römerhofes“. Hier mit Musa Karakus, Yasemin Bülbül und Sandra Wunder (stehend) von der Stadt Erlensee. Foto: Häsler

Erlensee

So geht Integration: Stadt Erlensee ist sehr zufrieden

Erlensee. Es herrscht eine familiäre Atmosphäre: In Erlensee hat sich bei der Flüchtlingsbetreuung eine Kultur von Nehmen und Geben entwickelt. Beide Seiten profitieren davon

Von Axel Häsler

In den vergangenen zwei Jahren wurden – wie auch in den anderen Kommunen des Main-Kinzig-Kreises – in Erlensee in kurzer Zeit annähernd 300 Flüchtlinge aufgenommen. Nach der Unterbringung und Versorgung bildet nun die Integration den Schwerpunkt der Flüchtlingshilfe der Stadt. Zum Gelingen dieser Herausforderung trägt ein weit umspannendes und sehr gut funktionierendes Netzwerk bei, das aus haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern aufgebaut worden ist.

Aktuell leben in Erlensee 146 Menschen, die sich noch im Asylbewerberverfahren befinden, 103 Flüchtlinge haben bereits eine Anerkennung und die erstmalige Aufenthaltserlaubnis von entweder einem oder drei Jahren erhalten. Auch hat es in der Stadt bereits die ersten Abschiebungen gegeben.Hauptsächlich Albaner abgeschobenDies betraf nach Angaben der Verwaltung hauptsächlich Albaner. Die meisten Flüchtlinge kommen aus Syrien, Afghanistan, Eritrea, Somalia, Irak, Pakistan, Iran, Äthiopien, aus der Türkei und Albanien. Es handelt sich nach Angaben der Stadt annähernd zu gleichen Teilen um Familien, Ehepaare, Geschwister und Einzelpersonen.Zurzeit leben 37 Personen nach wie vor in der Gemeinschaftsunterkunft im ehemaligen Hotel „Römerhof“. Vom ersten Tag an habe hier eine familiäre Atmosphäre geherrscht, sagt Sandra Wunder vom Fachbereich Soziales der Stadt. Die Flüchtlinge wohnen in Zweibettzimmern zusammen.Essen selbst kochenAuf jedem der drei Stockwerke gibt es eine Küche, in der sie selbst ihr Essen zubereiten. Im großen Gemeinschaftsraum kommen die Menschen, die untereinander eine sehr große Hilfsbereitschaft zeigten, regelmäßig und gerne zusammen. Auch Veranstaltungen der Flüchtlingshilfe Erlensee werden dort durchgeführt.Die gute Seele des Hauses ist Hotelmanager Musa Karakus, der immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der ihm anvertrauten Menschen habe. Alle anderen Flüchtlinge seien in von der Stadt Erlensee angemieteten privaten Wohnungen untergebracht. Die Kosten, wie auch die Unterbringung in der Gemeinschaftsunterkunft, erstattet der Main-Kinzig-Kreis, so lange sich die Flüchtlinge noch im Asylbewerberverfahren befinden.Stadt will vermittelnLiegt die Anerkennung vor, müssen diese einen eigenständigen Mietvertrag abschließen. Die Mietkosten und die Kaution werden dann vom Kommunalen Center für Arbeit des Main-Kinzig-Kreises übernommen und an die Vermieter direkt überwiesen, so lange sich die Flüchtlinge noch nicht in Arbeit befinden.Die Stadt leistet in Wohnraumfragen gerne Vermittlungsarbeit zwischen Vermietern und Flüchtlingen. Nach wie vor werde weiterhin dringend Wohnraum gesucht „Vor allem für Familien, die durch Familienzusammenführung größere Wohnungen brauchen“, so die städtische Mitarbeiterin Elke Gierahn.Wunsch nach ArbeitZiel der Integrationsarbeit ist es, dass die Flüchtlinge selbstständig und von staatlichen Leistungen unabhängig werden. Auch noch nicht anerkannte Flüchtlinge können bereits arbeiten oder ein Praktikum machen. Teilweise lägen gute Qualifikationen aus dem Herkunftsland vor. Yasemin Bülbül und Kerstin Kaemper, die im Auftrag der Stadt die sozialpädagogische Betreuung der Menschen übernommen haben, werden immer wieder nach Arbeitsmöglichkeiten gefragt.Sehr viele Flüchtlinge wünschten sich, einer regelmäßigen Tätigkeit nachgehen zu können. Die Mitarbeiterinnen vermitteln auch zwischen Arbeitgebern und Flüchtlingen. Ein junger Mann konnte so bereits eine Ausbildung in einem Erlenseer Handwerksbetrieb beginnen.

 

Deutschkurs direkt besuchenAuch andere Flüchtlinge seien im Laufe des ersten Jahres erfolgreich in Arbeit oder Ausbildung vermittelt worden. Die anerkannten Flüchtlinge werden zusätzlich intensiv durch das Kommunale Center für Arbeit betreut und dürfen sogenannte Integrationskurse besuchen, die umfassend auf einen Berufseinstieg vorbereiten.Für die Flüchtlinge, die noch keine Zulassung zum Integrationskurs erhalten haben, besteht die Möglichkeit, einen von der Flüchtlingshilfe organisierten Deutschkurs in Erlensee direkt zu besuchen. Parallel dazu werden durch den Bildungspartner MKK GmbH finanzierte Kurse angeboten, die in Erlensee durchgeführt werden. Diese Angebote würden ebenfalls rege genutzt. Viele der Flüchtlinge sprächen mittlerweile schon sehr gut Deutsch.Dankbarkeit ist großDas ehrenamtliche Engagement der Flüchtlingshilfe Erlensee, deren Mitglieder sich an jedem letzten Dienstag im Monat ab 17 Uhr im evangelischen Gemeindehaus Rückingen treffen, bilde einen wesentlichen Pfeiler in der Integrationsarbeit, betont Sandra Wunder. Hier seien unter anderem Patenschaften gebildet worden. Die Flüchtlinge werden bei der Arbeitssuche, beim Ausfüllen von Anträgen, bei Arztbesuchen und generell bei der großen Herausforderung, sich im deutschen System zurechtzufinden, unterstützt.Die Menschen seien sehr dankbar für diese Hilfe und die Paten sähen in dem Kontakt zu den Asylsuchenden oft eine Bereicherung für das eigene Leben. Ein Erlenseer Ehepaar beispielsweise habe sich einer syrischen Frau und ihrem bereits erwachsenen Sohn angenommen. Die Frau war Dolmetscherin und Lehrerin für Französisch. „So wird bei den gemeinsamen Gesprächen und Aktivitäten ganz nebenbei auch das Französisch des helfenden Ehepaares wieder aufgefrischt“, erzählt Wunder.Integrationslotsen unterstützen PatenUnterstützung erhalten die Paten von den vielen Integrationslotsen. Die Flüchtlingshilfe Erlensee hat auch ein sogenanntes „Begegnungscafe“ ins Leben gerufen, das jeden ersten Samstag im Monat von 14 bis 16 Uhr im Bürgerhaus „Zum Neuen Löwen“ stattfindet und zu dem alle Erlenseer Bürger herzlich eingeladen sind.Um sich die zum Teil noch jugendlichen alleinstehenden Männer nicht selbst zu überlassen, hat das TKJE (Team Kinder- und Jugendarbeit in Erlensee) vor einem Jahr außerplanmäßig einen Flüchtlingstreff initiiert. Jeden Montag treffen sich nun dort bis zu 30 Flüchtlinge, um gemeinsam zu kochen und sich auszutauschen. Auch im regelmäßigen „Offenen Treff“ sind sie gern gesehene Besucher.Büfett aus afrikanischen und syrischen Köstlichkeiten„Es haben sich bereits etliche Freundschaften mit Erlenseer Jugendlichen gebildet“, so Wunder. Umgekehrt sei die Hilfsbereitschaft der Flüchtlinge sehr groß und sie freuten sich, wenn sie der Gemeinschaft, die sie aufgenommen hat, etwas zurückgeben könnten. So haben die jungen Männer des Flüchtlingstreffs beim vergangenen Hof- und Gassenfest für das TKJE ein Büfett aus afrikanischen und syrischen Köstlichkeiten präsentiert, das man so in Erlensee wahrscheinlich noch nie gesehen hat und vor allem genießen konnte.Für den Stand der Flüchtlingshilfe der Stadt haben die Bewohner des Römerhofs aufwendige irakische und afghanische Gerichte zubereitet. Bei der Seniorenadventsfeier konnte sich das Seniorenbüro in diesem Jahr zum zweiten Mal fest auf die ehrenamtliche Hilfe von Flüchtlingen verlassen.Erb: "Ich bin stolz auf die Bürger"Bürgermeister Stefan Erb ist sehr zufrieden mit der aktuellen Entwicklung: „Ich bin stolz auf die Bürger unserer Stadt, die durch das herausragende Engagement, viele gute Ideen zur Integrationsarbeit und einer hohen Spendenbereitschaft dazu beigetragen haben, die Anforderungen, vor denen wir zu Jahresbeginn standen, zu meistern.“ Nur gemeinsam könne Integration gelingen. „ich bin sicher, dass wir hier, auf dem richtigen Weg sind, so Erb.

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