Beim Klärwerk, der Kindertagespflege, der Ordnungspolizei und beim Standesamt kooperieren Neuberg und Erlensee bereits. Grafik: HA

Erlensee/Neuberg

Fusion Neuberg-Erlensee: Wo bereits kooperiert wird

Erlensee/Neuberg. In einigen Bereichen gibt es bereits Kooperationen von Erlensee und Neuberg, die im Folgenden näher beleuchtet werden sollen. Wo wird bereits zusammengearbeitet und welche Folgen brächte eine Fusion für die einzelnen Teilbereiche mit sich?

Von Holger Weber

Im Mai kommenden Jahres sollen die Bürger von Erlensee und Neuberg voraussichtlich darüber abstimmen, ob aus ihren beiden Kommunen eine Einheitsgemeinde wird. Dafür sprechen sich die beiden Verwaltungsspitzen aus.

Und auch eine Machbarkeitsstudie, die vom Land Hessen finanziert wurde und im Auftrag von Erlensee und Neuberg von einem Gutachterbüro erstellt wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass ein Zusammenschluss für Erlensee und Neuberg das Beste wäre, um die beiden Kommunen für die Zukunft zu rüsten.

Als Alternative zur Fusion wurden in der Machbarkeitsstudie auch andere Modelle wie beispielsweise die Gründung eines Gemeindeverwaltungsverbandes sowie die Vertiefung der Interkommunalen Zusammenarbeit geprüft. In einigen Bereichen gibt es bereits Kooperationen von Erlensee und Neuberg, die im Folgenden näher beleuchtet werden sollen. Wo wird bereits zusammengearbeitet und welche Folgen brächte eine Fusion für die einzelnen Teilbereiche mit sich?

Gemeinsames Klärwerk

Status quo: Beim gemeinsamen Klärwerk handelt es sich um das wichtigste Kooperationsprojekt beider Kommunen. Schon seit 2008 werden die Neuberger Abwässer in Erlensee geklärt. Nach Erlenseer Angaben wurden dafür seinerzeit 3,5 Millionen Euro in Pumpstationen und Kanäle sowie in die Technik in der Erlenseer Kläranlage investiert. Andernfalls hätte die Gemeinde Neuberg für rund die doppelte Summe ein eigenes Klärwerk bauen müssen, so Stefan Erb. Durch die Kooperation sparten sich beide Kommunen zusammen laut Berechnungen von Erb rund 200 000 Euro an Betriebskosten jährlich.

Nach der Fusion könnte auf heutigem Neuberger Gebiet nach Ansicht von Bürgermeisterin Schröder ein „gewaltiger Investitionsstau“ behoben werden. Denn die Kanalfilmung zum Aufdecken von Schadstellen sei in der Gemeinde dringend notwendig, jedoch wegen der möglichen Fusion auf die lange Bank geschoben worden. Hintergrund: Der Bauhof in Erlensee verfügt über die Technik und ein Team zur Kanalfilmung. Dadurch könne man sich eine Summe von rund 250 000 Euro sparen, so Schröder.

Kindertagespflege

Status quo: In Erlensee gibt es derzeit mehr als zehn Tagesmütter, in Neuberg hingegen nur eine. Die Mitarbeiterinnen betreuen Kinder im U3-Alter. Die Neubergerin wird vom Team der Erlenseer Tagespflegepersonen und vom Kindertagespflege-Büro pädagogisch betreut. Eine solche Betreuung ist vorgeschrieben. Mit den Tagespflegepersonen der Stadt Erlensee und deren Kindern trifft sie sich die Neubergerin regelmäßig zum Spielkreis, Turnen oder auf Spiel‧plätzen. Dafür bezahlt die Gemeinde Neuberg jährlich einen Betrag von rund 800 Euro.

Nach der Fusion würde sich nicht viel ändern, bis auf die Tatsache, dass keine Extra-Zahlungen mehr notwendig wären.

Standesamt

Status quo: Dort gibt es nur eine Zusammenarbeit in Notfällen, etwa wenn in Neuberg der Standesbeamte erkrankt ist. Geschaffen wurde die Kooperation einst aufgrund einer Krankheitswelle im Erlenseer Rathaus. Das Standesamt ist zuständig für Eheschließungen, Sterbefälle und auch Geburten, wenngleich die meisten davon in Hanau gemeldet werden. Weil es sich bei den Standesamtbediensteten um Urkundenbeamte handelt, müssen solche Zusammenarbeiten vom Kreis genehmigt werden. Eine spontane Kooperation mit einer dritten Kommune wäre also nicht so einfach möglich.

Nach der Fusion würde sich laut Erb und Schröder nicht viel ändern. Beide Abteilungen würden zusammengelegt.

Ordnungspolizei

Status quo: Derzeit gibt es nur in Erlensee eine Ordnungspolizei, die auf Anforderung auch in der Gemeinde Neuberg Dienste verrichtet. Ursprünglich sei vorgesehen gewesen, dass die mit zwei Personen besetzte Ordnungspolizei mindestens einmal in der Woche auch in Neuberg eingesetzt wird.

Da aber zuletzt ein Polizist längere Zeit ausgefallen war, seien nur noch sporadisch Dienste in Neuberg verrichtet worden, erklärt Neubergs Bürgermeisterin Iris Schröder. Zu den Aufgaben der Polizisten zählt vor allem die Überwachung des ruhenden Verkehrs. Beispielsweise sanktionieren die Mitarbeiter Falschparker oder führen Geschwindigkeitskontrollen durch.

Die Stadt Erlensee hat in ihrem – freilich noch nicht verabschiedeten – Haushalt für 2019 nun Gelder für eine dritte Stelle eingestellt, um für Entspannung bei der Polizeiarbeit zu sorgen, die nach Ansicht von Erlensees Bürgermeister Stefan Erb von den Bürgern gewünscht werde. Die Gemeinde Neuberg spare durch das aktuelle Modell viel Geld, meint Bürgermeisterin Schröder, sie kalkuliert pro Polizist mit Lohnkosten von rund 60 000 Euro.

Nach der Fusion soll das Personal weiter aufgestockt werden. Die Polizisten wären dann auch offiziell für alle vier künftigen Stadtteil der zu schaffenden Einheitsgemeinde zuständig. „Das schafft vor allem für die heutigen Neuberger ein höheres Maß an Sicherheit“, sagt Stefan Erb. Auch würde sich eine größere Abteilung auch positiv auf deren Ausstattung und die Weiterbildung des Personals auswirken.

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