Gerade in der Brut- und Setzzeit wird an die Hundehalter appelliert, ihre Hunde in Wald und Feldern nicht frei laufen zu lassen. Eine generelle Leinenpflicht gibt es in Hessen jedoch nicht. Symbolbild: Pixabay

Erlensee

Freilaufender Hund tötet Reh und Rehkitz - Halter droht Anzeige

Erlensee. In Erlensee wurde vergangene Woche ein getötetes Reh mit seinem noch ungeborenen Rehkitz gefunden. Ein Hund soll das Tier bis zu einem Zaun gehetzt, getötet und ihm anschließend das Rehkitz aus dem Leib gerissen haben.

Von Michael Bellack

Jörg Viel, Jagdaufseher von Langendiebach, ist sich sicher, dass ein frei laufender Hund für den grausamen Tod verantwortlich ist: „Von den hier lebenden Raubtieren wie Fuchs, Marder oder Waschbär würde keiner ein Reh reißen“, stellt er klar. Auf „ab 20 Kilogramm aufwärts“ schätzt Viel die Größe des Hundes, der das Reh angegriffen und getötet hat. Zuvor muss er es gehetzt haben.

Die Chance zur Flucht für das Reh war gering. „Rehe sind Kurzzeitflüchter. Sie flüchten meist nur 100, 200 Meter. Wenn sie gehetzt werden, müssen sie natürlich weiterrennen und laufen dann blindlings irgendwo rein.“ So wie in den Zaun kurz hinter dem Wasserwerk parallel zur Kreisstraße 854 in Richtung Langenselbold, wo das Tier erst einige Tage nach dem Vorfall gefunden wurde.

Dass auch das ungeborene Rehkitz von dem Hund aus dem Mutterleib gerissen und getötet wurde, liegt in der Natur der Tiere. „Hunde beißen das Tier tot und gehen dann als Erstes an die Weichteile. Wenn ein Rehkitz im Bauch ist, wird dieses auch getötet.“

Immer wieder hat Viel Ärger mit Hundebesitzern, die ihren Hund nicht angeleint laufen lassen. Auch in der Brut- und Setzzeit. „Teilweise wissen es die Leute ‧einfach nicht. Viele kennen aber schon mein Auto und leinen ihren Hund an, wenn sie mich sehen. Wenn ich 50 Meter weiter bin, wird die Leine wieder abgemacht“, sagt Viel.

Bisher keine Hinweise

Einige Hundehalter, so Viel, würden ihren Hunden zu viel durchgehen lassen. „Sie lassen die Hunde Hasen oder Fasanen hinterherlaufen und haben da noch Freude dran. Ein Hund lernt bei jeder jagdlichen Handlung dazu und irgendwann jagt er allem hinterher, was sich bewegt.“ Oft seien daher wildernde Hunde auch der Grund für Wildunfälle auf der Straße. „Die Tiere rennen panisch auf die Straße, werden dort von Autos erfasst. Oft tagsüber, wenn gar kein Wildwechsel stattfindet. Das kann auch für Autofahrer lebensgefährlich werden“, warnt er.

Bisher gebe es keine Hinweise auf den Hund oder Hundehalter. Auf den verantwortlichen Hundebesitzer könnte eine saftige Strafe zukommen. Er muss mit einer Anzeige wegen Wilderei und Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz rechnen. Dabei können Geldstrafen oder Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren drohen. Was viele Hundebesitzer nicht wissen: Jagdpächter haben das Recht, wildernde Hunde zu erschießen. Das passiert jedoch nur im äußersten Notfall.

Verstärkt patroullieren

Aus Angst vor Konsequenzen melden viele Hundebesitzer derartige Vorfälle nicht. Auf die verletzten Tiere wartet dann ein qualvoller Tod, wenn sie nicht zuvor gefunden werden. Sollte es zu einem Vorfall kommen, müssen Polizei und Jagdpächter verständigt werden. Diese erlösen die Tiere von ihrem Leid und sehen dann auch oftmals von einer Anzeige ab. Im Jahr gebe es zwei bis drei solcher Fälle, teilte Viel mit.

In Zukunft will Viel verstärkt patrouillieren und Hundehalter noch gezielter ansprechen. Ab dem 1. Mai kann er sich dann auch mehr Verstärkung von der Erlenseer Ordnungspolizei erhoffen, die von zwei auf vier Stellen aufgestockt wird. Dann soll es konsequent Verwarnungsgelder und Ordnungsgelder geben. Im schlimmsten Fall könne der Hund auch dem Halter entzogen werden. Eine ganzjährige Leinenpflicht, die es in einigen Städten bereits gibt, strebt Viel nicht an: „So weit soll es nicht kommen. Das Tier soll auch mal rennen können.“ Er appelliert an die Hundehalter: „Ich hoffe, dass die Leute zur Vernunft kommen.“

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