Eine einzigartige Erfolgsgeschichte: Nicht nur die Großmetzgerei Brandenburg will sich am ehemaligen Fliederhorst in Erlensee ansiedeln, auch international tätige Unternehmen interessieren sich für die ehemaligen Verwaltungsgebäude. Archivfoto: Häsler

Erlensee/Bruchköbel

Fliegerhorst Langendiebach: Großmetzgerei Brandenburg beißt an

Erlensee/Bruchköbel. Gute Nachrichten vom Fliegerhorst Langendiebach: Die Großmetzgerei Brandenburg will sich auf dem Gelände ansiedeln. Und auch ansonsten sind fast alle Flächen Logistikparks vermarktet.

Von Holger Weber

Zur ersten Stadtverordnetenversammlung des Jahres am Donnerstag in Erlensee (19.30 Uhr) bringt Bürgermeister Stefan Erb (SPD) gute Nachrichten vom Fliegerhorst mit. Vier Jahre nach dem Erwerb des ehemaligen Militärflughafens durch den Zweckverband sind jetzt fast alle Flächen des Logistikparks so gut wie vermarktet.

Der jüngste Coup, die Ansiedlung der zur Rewe-Gruppe gehörenden Großmetzgerei Brandenburg, steht nach Angaben Erbs kurz vor dem Abschluss. „Wir werden in Kürze eine Absichtserklärung, einen sogenannten Letter of intend, unterzeichnen“, erklärte der Bürgermeister unserer Zeitung.Gästehäuser sollen kommenAuch für die ehemaligen Verwaltungsgebäude am südöstlichen Rand des insgesamt 92 Hektar großen Logistik- und Dienstleistungsparks ist nun nach Angaben Erbs eine Verwertung gefunden worden. Die unter Denkmalschutz stehenden Objekte werden demnach von einer Investorengruppe aufgekauft und sollen in den kommenden Jahren zu Gästehäusern und Repräsentanzen von international tätigen Unternehmen ausgebaut werden. Entsprechende Pläne werden laut Erb in der nächsten Sitzung des Zweckverbandes am 8. März vorgestellt.Dort soll auch bereits der Beschluss gefasst werden, die Gebäude zu verkaufen. Der Zweckverband setzt sich aus Abgeordneten der beiden Stadtparlamente in Erlensee und Bruchköbel zusammen. Der Fliegerhorst erstreckt sich über die Gemarkung der beiden Kommunen. Die Vermarktung der Verwaltungsgebäude galt als besonders schwierig, weil sie wegen des Denkmalschutzes nicht in ihrer Grundsubstanz verändert werden dürfen. Der Fliegerhorst erzielt aus diesem Grunde auch nur einen Erlös aus dem Verkauf des Bodens. Die Häuser sind quasi eine Draufgabe.Alte Wache noch zu habenDas einzige jetzt noch zu habende Gebäude ist nach Angaben Erbs die alte Wache am ehemaligen Einfahrtstor zum Fliegerhorst. Dort sollte ursprünglich ein gastronomisches Gewerbe entstehen. Einen Interessenten gab es dafür auch schon. Allerdings sei dieser vor wenigen Tagen wegen der enorm hohen Auflagen, die durch den Denkmalschutz entstehen, abgesprungen, bedauerte Erb.Der Bürgermeister zeigte sich jedoch zuversichtlich, auch dieses Objekt bald an den Mann bringen zu können. Die Ansiedlung des Großmetzgers Brandenburg wäre für Erlensee und Bruchköbel vor allem ein finanzieller Segen. Das Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 600 Millionen Euro und rund 1700 Mitarbeitern an vier Standorten wird auf einer rund 15 Hektar großen Fläche am südwestlichen Ende des Areals entstehen.

 

Untergrund stark belastetetDerzeit befindet sich dort noch eine Wohnsiedlung, die jedoch abgerissen werden soll. Ursprünglich hatten die Planer an der Stelle Sport- und Freizeiteinrichtungen vorgesehen. Angedacht waren beispielsweise Ferienhäuser und ein künstlicher See. Wegen des stark belasteten Untergrunds sowie der hohen Entwicklungskosten wurden die Pläne jedoch schnell wieder verworfen. Die Refinanzierung der Projekte wäre nicht gesichert gewesen. Im vergangenen Jahr wurde das Areal für Nahrung und Verpackung umgewidmet.Ein Interessent für die Fläche war ein Unternehmen aus der Papierbranche. Laut Medienberichten plant Brandenburg eine Zusammenführung der beiden bisherigen Standorte in Fechenheim und Dreieich, was bedeuten würde, dass ein großer Teil der Mitarbeiter am Standort Fliegerhorst arbeiten würde.70:30 zugunsten ErlenseesDie künftigen Produktionsanlagen stünden hälftig auf Bruchköbeler und Erlenseer Gebiet. Doch werden alle auf dem Fliegerhorst generierten Einnahmen im Verhältnis 70:30 zugunsten Erlensees aufgeteilt, weil der größere Teil des ehemaligen Flughafens zu Erlensee gehört. Für Brandenburg mag vor allem die örtliche Anbindung den Ausschlag gegeben haben. Der Fliegerhorst liegt nah an der Autobahn 66 und der Bundesstraße 40.Den Mitarbeitern, die bisher in Fechenheim und Dreieich arbeiteten, brauchten keine Wohnortswechsel vorzunehmen. Zudem entspricht die Fläche genau den 15 Hektar, die das Unternehmen für die Erneuerung ihrer Produktionsanlagen benötigt.Baubeginn steht nichts im WegLaut Erb würde auch das Interimsrathaus, das die Verwaltungen von Bruchköbel und Erlensee während der Neu- beziehungsweise Umbauten der jeweiligen Rathäuser noch in diesem Jahr beziehen wollen, dem Areal von Brandenburg zugeschlagen.Aus verwaltungstechnischer Sicht dürfte dem baldigen Baubeginn nichts entgegenstehen. Da es sich bei der Fläche um ehemaliges belastetes Militärgelände und nicht etwa um bisher unberührte Natur handelt, steht der Zustimmung zur Änderung des Flächennutzungsplanes durch den Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main nichts entgegen.

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