Die Essensbank Issigheim verteilt regelmäßig im evangelischen Gemeindehaus Niederissigheim Lebensmittel an Bedürftige. Zum rund 20-köpfigen Team gehören unter anderem Doris Schemm (von links), Hiltrud Köbel, Petra Friedrichs und Irmgard Merz. Foto: Monica Bielesch

Bruchköbel

Essensbank Issigheim besteht seit zehn Jahren: Fest am 6. Oktober

Bruchköbel. Hiltrud Köbel kennt viele der Menschen, die auf die Essensbank angewiesen sind schon lange. Sie erzählt von der alten Dame, die aus der Werkswohnung ausziehen musste, als ihr Mann stirbt und deren kleine Rente dann kaum mehr für die neue Miete reicht. 

Von Monica Bielesch

Von den Obdachlosen oder Alkoholkranken, die sich einmal im Monat im Gemeindehaus Niederissigheim mit Konserven und haltbaren Lebensmitteln eindecken. „Hierher kommen vor allem alte Menschen und Gestrandete.“

Vor zehn Jahren ergriff Hiltrud Köbel die Initiative, eine Essensbank auch in der Gemeinde Issigheim zu realisieren. „Ich hatte die Idee in Nidderau-Heldenbergen gesehen, den Zeitungsausschnitt, den ich damals ausgeschnitten habe, habe ich noch heute“, erzählt die 68-Jährige. „Das wäre doch was für unsere Gemeinde“, dachte sie nicht nur, sondern setzte es auch um. Im August 2009 startete die Essensbank mit der ersten Ausgabe. Den damaligen neuen Pfarrer Burkhard von Dörnberg, der gerade in die Gemeinde gekommen war, hatte Hiltrud Köbel sofort von ihrer Idee überzeugt.

Ganz klein angefangen

„Damals haben wir ganz klein angefangen und die Verteilung noch im Flur des Pfarrhauses gemacht“, erinnert sich Köbel. Vier ihrer damaligen Mitstreiterinnen sind heute noch dabei: Inge Werner, Monika Herget, Doris Schemm und Marion Viehmann. Die Helferinnen packten fertige Tüten für die Bedürftigen und verteilten diese. „Bis wir gemerkt haben, dass die Leute nach der Verteilung sehr viel untereinander tauschen.“ Ihr Mann zimmerte große Kisten, die als Sammelstellen in Lebensmittelgeschäfte gestellt wurden.

Die Essensbank brauchte immer mehr Schränke für die Lagerung der Lebensmittel, die Zahl der Bedürftigen wuchs. Irgendwann wurde es im Flur des Pfarrhauses schließlich zu eng. „Vor drei Jahren konnten wir ganz in einen großen Raum ins Gemeindehaus ziehen.“ Dort war ausreichend Platz, damit die Bedürftigen sich selbst aussuchen konnten, was sie mitnehmen wollen. Jeder darf ein Mal im Monat die Essensbank in Anspruch nehmen. Alleinstehende dürfen sich zehn Teile aussuchen, Familien 15, berichtet Christiane Köbel, die ihre Mutter seit einigen Jahren unterstützt. 

Mittlerweile kauft Hiltrud Köbel monatlich für rund 800 Euro Lebensmittel für die Verteilung ein. „Unsere Klientel ist die gleiche wie vor zehn Jahren – es sind leider nur mehr Rentner als früher.“ Monatlich versorgen sich über 80 Menschen hier, so wie der ältere Mann, der als Hausmeister gearbeitet hat und dessen Frau plötzlich ins Pflegeheim muss. Von seiner kleinen Rente kann er das Pflegeheim kaum bezahlen.

Da helfe es den Menschen, von der Essenbank Mehl, Zucker, Öl, Margarine, Konserven und Milch zu bekommen. Unbeliebt seien Haferflocken oder Kartoffelklöße, so Köbel. Aber Honig, Kaffeepulver oder Süßigkeiten gingen schnell weg.

Sach- und Geldspenden aus der ganzen Stadt

Möglich ist die Essensbank durch Sach- und Geldspenden aus der ganzen Stadt. „Die Basis unserer Arbeit war eine Einzelspende von 5000 Euro vor einigen Jahren“, erzählt Koordinatorin Köbel. Lions- und Rotary-Club spenden regelmäßig an die Essensbank. Seit vielen Jahren Spender sind auch die Bäckerei Ohl, die Metzgerei Eidmann, der Bauernhof Gersting oder ein örtlicher Drogeriemarkt.

Seit 2015 hat die Essensbank auch an einem Samstag im Monat eine Extra-Verteilung für Flüchtlinge. Kamen anfangs noch über 80 geflüchtete Menschen, seien es heute noch rund 40, berichtet Katrin Spielmanns, die sich von Beginn an in der Flüchtlingshilfe engagiert hat.

Mittlerweile helfen 15 Frauen bei der Ausgabe und drei Männer beim Einkauf mit. Hiltrud Köbel koordiniert die Dienstpläne, organisiert die Einkäufe und die Verwaltung der Essensbank.

Mit einem großen Fest am Sonntag, 6. Oktober, in Oberissigheim soll in erster Linie den vielen Helfern und Spendern gedankt werden, die seit Jahren die Essensbank ermöglichen. Denn sie machen die Hilfe für die von Armut betroffenen Menschen erst möglich, sagt Hiltrud Köbel.

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