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Erlensees Wehr braucht neuen Chef: Werner Beier will aufhören

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Werner Beier will der Feuerwehr treu bleiben, jedoch künftig aus beruflichen Gründen ins zweite Glied rücken. Archivfoto: Thoran
Werner Beier will der Feuerwehr treu bleiben, jedoch künftig aus beruflichen Gründen ins zweite Glied rücken. Archivfoto: Thoran

Erlensee. Er hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht: Werner Beier, Chef der Feuerwehr Erlensee, hat den Magistrat gebeten, ihn zum 30. April dieses Jahres aus seinem Amt zu entlassen. Für diesen Wunsch hat er einen guten Grund.

Von Holger Weber

Die Stadt Erlensee muss sich nach einem neuen Stadtbrandinspektor umsehen. Der derzeitige Chef der Feuerwehr, Werner Beier, hat den Magistrat gebeten, ihn zum 30. April dieses Jahres aus seinem Amt zu entlassen. „Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht“, meinte Beier gestern im Gespräch mit unserer Zeitung.

Zwölf Jahre hat der 60-Jährige für die Freiwillige Feuerwehr in Erlensee in der Verantwortung gestanden. Für seinen Rücktritt gab er berufliche und persönliche Gründe an. Beier arbeitet als Abteilungsleiter bei Dunlop/Goodyear in Hanau. Sein Job und sein zeitaufwändiges Engagement bei der Feuerwehr hätten sich auf Dauer nicht mehr vereinbaren lassen.Ganz oder gar nicht„Das wäre zu Lasten der Qualität meiner Arbeit bei der Feuerwehr gegangen. Entweder man übt dieses Amt richtig aus, oder man lässt es lieber bleiben“, sagte er. Als Wehrführer will er der Feuerwehr jedoch erhalten bleiben. Es sei der zeitliche Mehraufwand für die Position des Stadtbrandinspektors, der sich mit seinem Beruf nicht mehr vereinbaren ließe, ergänzte der Feuerwehrmann, der für die CDU auch im Erlenseer Stadtparlament sitzt.Bei der Feuerwehr ist Beier ein Quereinsteiger. Erst im Alter von 33 Jahren war der dreifache Familienvater den Blauröcken beigetreten. „Weil ich der Überzeugung war, dass man sich in der Gesellschaft, in der wir leben auch in einer Form engagieren muss“, sagt er.Steile KarriereInnerhalb der Wehr machte Beier eine steile Karriere. Im Jahr 2004 wurde er zum Gemeindebrandinspektor berufen, mit der Stadtwerdung Erlensees bekam Beier dann den Titel des Stadtbrandinspektors. Weil es sich dabei um ein Beamtenverhältnis auf Zeit ohne Besoldung handelt, kann er nicht einfach kündigen, sondern muss den Magistrat um seine Entlassung bitten. Dies gilt allerdings als eine reine Formsache.Stadtbrandinspektoren bekommen für ihre Arbeit nur eine kleine Aufwandsentschädigung, tragen aber eine große Verantwortung. In Erlensee war Beier für die beiden Wehren in Rückingen und Langendiebach zuständig, die insgesamt rund 90 Einsatzkräfte umfassen. Hinzu kommen etwa 25 Mitglieder der Jugendfeuerwehr.Verwaltung hat Überhand Nach der Rücktrittsankündigung Beiers stellt sich wieder einmal die Frage, ob sich der Job des Stadtbrandinspektors überhaupt noch ehrenamtlich ausführen lässt. „Das ist sehr, sehr schwierig“, sagt Beier selbst. Er habe dies nur tun können, weil seine Frau Sonja ihm über Jahre hinweg den Rücken frei gehalten habe. Neben der Leitung von Einsätzen sind Chefs der örtlichen Feuerwehren für repräsentative und Verwaltungsaufgaben zuständig.Vor allem die Verwaltung habe in den vergangenen Jahren Überhand genommen, beklagt auch Klaus Lauterbach, Stadtbrandinspektor in der Nachbarkommune Bruchköbel. Zwar ist Lauterbach im Gegensatz zu Beier bei der Stadt Bruchköbel festangestellt, doch nur als Gerätewart. Die Funktion des Stadtbrandinspektors führt er wie sein Kollege in Erlensee ehren‧amtlich aus.Position lange Zeit vakant Mit den überbordenden Aufgaben hätten hessenweit alle Kollegen zu kämpfen, meint Lauterbach. Auch auf Kreisebene ist man sich des Problems bewusst. „Die Überlastung der Verantwortlichen ist ein großes Problem“, sagt Kreisbrandinspektor Markus Busanni. Entlastung könnte beispielsweise geschaffen werden, indem die Aufgaben auf mehreren Schultern verteilt würden.Mit Blick auf die Stellvertreter werde dies bereits erfolgreich umgesetzt. In Bruchköbel wurden im vergangenen Jahr zwei Stellvertreter für Klaus Lauterbach gewählt. Zuvor war die Position lange Zeit vakant geblieben, weil sich niemand gefunden hatte, der die Mehrarbeit auf sich nehmen wollte. Um ein Haar hätte die Position vom Bürgermeister „zwangsbesetzt“ werden müssen.Suche nach Nachfolger läuftIn Erlensee hat nun die Suche nach einem Nachfolger für Werner Beier begonnen. Am 7. April soll dieser im Rahmen der Jahreshauptversammlung der Feuerwehr in Erlensee gewählt werden. Auch die Position des Stellvertreters, die derzeit Björn Winterhalter innehat, steht dann wieder zur Wahl.

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