Die Ausstellung von Manfred J. Semmler, „Farbenrausch und heiße Rhythmen – Impressionen vom Karneval auf Madeira“, startet am Montag, den 29. Januar um 18Uhr in der Stadtbücherei Erlensee, Langendiebacher Straße. Foto: Habermann

Erlensee

Erlenseer Fotograf Manfred J. Semmler stellt in Stadtbücherei aus

Erlensee. Er war Gewerkschaftssekretär und ist ein versierter Semi-Profi der Fotografie: der Erlenseer Fotokünstler Manfred J. Semmler. Ab kommenden Montag, 29. Januar, bis zum 23. Februar stellt er in der Stadtbücherei an der Langendiebacher Straße seine Werke aus.

Von Rainer Habermann

Titel der Schau: „Farbenrausch und heiße Rhythmen – Impressionen vom Karneval auf Madeira“. Die Vernissage findet am Montag um 18 Uhr statt.

Jeder Freund der Fotografie liebt die farbenprächtigen Kostüme, welche Tänzerinnen und Tänzer beim Samba-Karneval durch die Straßen tragen. Nicht jedem gelingt es auch, diese Farbenpracht einzufangen und dabei auch noch die Gesichter, die Charaktere, die Begeisterung der Menschen ins richtige Licht zu setzen. Semmler schon. Zum vierten Mal bereits reiste er im Februar 2017 zusammen mit seiner Lebensgefährtin Renate Lorenz, wie der Fotograf selbst auch bekannt von der Erlenseer Kultur- und Künstlervereinigung „Allerlei“, auf die portugiesische Atlantikinsel, genauer: in deren Hauptstadt Funchal.

Nun ist die Inselhauptstadt in Deutschland nicht gerade als Samba-Hochburg bekannt. Die verortet man eher in brasilianischen Metropolen wie Rio de Janeiro oder São Paulo. So mag der Karneval auf Madeira zurzeit noch als echter Geheimtipp durchgehen. Und was die Phantasie bei den opulenten Kostümen angeht: „Manche Karnevalgruppen behaupten, dass der Samba sogar auf Madeira erfunden und nach Südamerika exportiert wurde“, sagt Semmler. Und was das Sex-Appeal der Tänzerinnen angeht: „Ich habe nicht so tief gehalten, wie ich manchmal gekonnt hätte. Aber die Bilder haben noch immer viel Erotik“, grinst der Fotograf.

Dass bei Formaten von 90 mal 60 oder größer, aber überwiegend mindestes 30 mal 40 Zentimeter, alles prickelnd scharf ist und Unschärfe nur als gestalterisches Moment der Tiefenwirkung vorkommt, versteht sich bei einem Profi, der er mittlerweile technisch wohl ist (auch wenn er nicht vom Fotografieren lebt), eigentlich von selbst.

Die Geschichte Manfred J. Semmlers ist die eines engagierten Gewerkschafters, und eines ambitionierten Reise-, Lifestyle- und Sozial-Fotografen. 1949 geboren in Dillingen/Saarland, lebte er von 1980 bis 2015 in Hanau. Bis zu seinem Ruhestand 2006 ist der Diplompädagoge, der auch als Lehrer arbeitete, Gewerkschaftssekretär bei der früheren HBV (Gewerkschaft Handel, Banken, Versicherungen).

Und auch weiter, seit dem Gründungsjahr 2001 bei verdi, der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft. Mit rund 50 Gleichgesinnten arbeitete er von Beginn an beim Fototeam verdi, das sich die Sozialfotografie auf die Fahnen geschrieben hat, und ebenso beim gemeinnützigen Fototeam Hessen, das im Januar 2017 sich aus diesem herausgebildet hatte. Spätestens wenn man deren Wanderausstellungstitel nennt, weiß (fast) jeder, wer gemeint ist: „Altersarmut“ oder „Prekäres Leben, prekäre Arbeit, prekäre Zukunft“.

Aber Semmler hat auch eine ganze Menge eigener Projekte hinter sich. Gemeinsam mit dem in Hanau bekannten Journalisten Dieter Kögel hatte er in den 80ern beispielsweise eine Reise durch die damals von einem Militärputsch gezeichnete Türkei unternommen, seine Erfahrungen fotografisch festgehalten. Mit dem Offenbacher Peter Giefer gestaltete Semmler ein „Mittelmeer-Lesebuch“.

Rund 70 Reiseberichte habe er – auch als passionierter Biketourer – geschrieben, erzählt der heute 69-Jährige. Bis 1990 habe er noch durchgehend schwarz-weiß fotografiert, auch in der eigenen Dunkelkammer Filme und Bilder selbst entwickelt. Doch das war für ihn keine Glaubensfrage: „Wir sagten früher, die Qualität der Analogfotografie wird die digitale nie erreichen. Heute ist das absolut kein Thema mehr.“ Semmler fotografiert mit einer Canon EOS 6D Vollformatkamera.

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