Wasserbüffel sollen künftig auf dem Rathausplatz in Erlensee stehen. Allerdings nicht die aus Fleisch und Blut wie auf unsere Fotomontage, sondern zwei nachgebaute Exemplare aus Bronze. Fotos: Holger Weber/PM, Fotomontage: HA

Erlensee

Erlensee: Wasserbüffel für den Rathausplatz

Erlensee. Wasserbüffel prägen künftig nicht nur die Landschaft in den Weideswiesen, sondern auch die Erlenseer Innenstadt. Allerdings werden die Tiere, die künftig vor dem Rathausplatz stehen sollen, aus Bronze sein.

Von Holger Weber

Vorgesehen sind Nachbildungen des Deckbullen 007 und ein Kalb. Sie sollen in Lebensgröße den Mittelpunkt eines neuen Brunnens bilden, der an der Stelle des bereits bestehenden Brunnens gebaut werden soll. Die Stadt möchte das hauptsächlich durch private Spenden finanzierte Projekt bezuschussen.

Dafür haben die Stadtverordneten jetzt auf Antrag der CDU kurzfristig 13 000 Euro in den Haushalt eingestellt, die für den Umbau des Sockels verwendet werden sollen. Wenn alles gut läuft, wird der Brunnen möglicherweise bereits im Rahmen der 50-Jahr-Feier Erlensees Ende Juli in Betrieb genommen.

17 000 Euro spenden gesammelt

Die Idee stammt von der Erlenseer Künstlerin Sabine Pabst. Sie ist Mitglied einer Erlenseer Gruppe von Kreativen und die Ehefrau des CDU-Fraktionsvorsitzenden Horst Pabst. In den vergangenen Monaten hat sie bereits Spenden in Höhe von rund 17 000 Euro gesammelt, unter anderem beim Main-Kinzig-Kreis, der Sparkasse Hanau und einer Reihe von privaten Unternehmen.

Insgesamt sollen die beiden Büffel rund 25 000 Euro kosten und in die ganzheitliche Umgestaltung des Rathausplatzes eingebettet werden. Neben dem neuen Brunnen sind auf dem nüchternen und schattenfreien Platz auch Bäume vorgesehen. Waren ursprünglich acht geplant, deren Anschaffung wegen der aufwändigen Pflanzbettungsarbeiten insgesamt mit 52 000 Euro veranschlagt waren, wird es jetzt nur noch sechs Bäume für 39 000 Euro geben. Die Differenz von 13 000 Euro soll in die Gestaltung des Brunnens gesteckt werden.

Grüne fordern Mitspracherecht für Bürger

Doch bevor die eigentlichen Umbauarbeiten am Rathausplatz begonnen haben, gibt es schon Ärger um die Bronzeskulpturen. Zwar finden die Mitglieder der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen die Idee grundsätzlich gut, allerdings beklagen sie die Art- und Weise, wie das Projekt in der Stadtverordnung „durchgewunken“ worden sei, wie Fraktionschefin Renate Tonecker-Bös sagt.

Die Ökopartei will, dass die Bürger bei der Gestaltung des Brunnens ein Mitspracherecht haben. Der Ärger war so groß, dass die Grünen am Donnerstag generell gegen die Verabschiedung des Haushaltes stimmten. Ihr Antrag, die 13 000 Euro zunächst mit einem Sperrvermerk zu belegen, wurde jedoch abgelehnt.

Herstellung dauert ein halbes Jahr

Bürgermeister Stefan Erb (SPD) hatte für die Kurzfristigkeit CDU-Antrags eine Erklärung: „Wir hatten nicht damit gerechnet, dass Frau Pabst beim Sammeln der Spendengelder so schnell Erfolg haben wird“, so der Verwaltungschef gegenüber unserer Zeitung. Offenbar sehen Verwaltung und CDU noch eine Chance, das Vorhaben vor dem Stadtjubiläum im kommenden Jahr zu vollenden.

Für die Herstellung des rund 360 Kilogramm schweren 007 und des 60 Kilogramm schweren Kalbes brauche man ungefähr eine Vorlaufzeit von einem halben Jahr, sagt CDU-Fraktionschef Horst Pabst. Außerdem habe man einen günstigen Anbieter gefunden, der viel weniger Geld nehme als üblich. Gewöhnlich liege der Preis für solche Bronzeskulpturen bei einem Vielfachen des aufgerufenen Preises.

Seine Frau habe von dem Projekt keinerlei finanziellen Nutzen. Und auch Bürgermeister Erb betont: „Wichtig ist, dass man in der Angelegenheit klar trennt: Es gibt die Ehefrau des Fraktionsvorsitzenden und die Künstlerin.“ Das Engagement von Sabine Pabst sei rein ehrenamtlich.

"Tiere haben wichtige Bedeutung für die Stadt"

Ganz einig ist man sich jedoch auch im Lager der CDU nicht über das Büffelprojekt. Während einige meinen, die Sanierung des Rathauses habe gegenüber dem Brunnen Priorität, steht Stadtverbandsvorsitzende Birgit Behr voll hinter der Ansiedlung der Bronzebüffel. „Die Tiere haben mittlerweile in unserer Stadt eine wichtige Bedeutung und werden von den Menschen geliebt“, sagt Behr. Die ehrenamtliche Erste Stadträtin gilt zugleich als die Büffelbeauftragte innerhalb der Stadtverwaltung.

Behr geht davon aus, dass so viel Spendengelder zusammenkommen, dass die 13 000 Euro, die die Stadt jetzt zuschießt, am Ende gar nicht gebraucht werden. Man könne den Betrag vielmehr als eine Bürgschaft sehen, sagt sie. Bisher gibt es noch keinen konkreten Entwurf, sondern nur Fotos, wie die Büffel einmal aussehen könnten. Da sei das letzte Wort auch noch nicht gesprochen, versichert Erb. Mit Blick auf die Optik hätten die Stadtverordneten also nach wie vor Einflussmöglichkeiten.

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