Erlensee

Erlensee hat jetzt einen der größten Mountainbike-Parks Hessens

Erlensee. Es wird noch geschaufelt, gehämmert und gebohrt: Am Samstag wollen Robin Pries und seine Kumpels den sogenannten Dirtpark, einen Geschicklichkeitsparcours für Mountainbiker, der Öffentlichkeit präsentieren.

Von Holger Weber

Dann wird die Anlage offiziell eröffnet – nach vielen Jahren, in denen die Erbauer unzählige Arbeitsstunden investiert haben. Entstanden ist am Ende der Friedensstraße in Erlensee eine der größten Anlagen in Hessen. „Einen Park in diesen Dimensionen gibt es eigentlich nur noch in Hungen und Dettingen“, sagt Pries mit stolzem Unterton.

Mehr als 20 Rampen wurden auf der weit mehr als 1000 Quadratmeter großen Fläche modelliert, Rampen und Sprungtürme aus Holz gehören ebenso dazu, und wurden zu insgesamt vier Strecken mit unterschiedlichem Niveau komponiert, eine fünfte soll folgen. Beraten wurden die Erlenseer Biker dabei durch Didi Schneider, einen international bekannten Trialbuilder, wie es in der Sprache der Biker heißt.

Projekt nimmt 2016 Fahrt auf

Bis zur Eröffnung am Samstag brauchte es mehrere Anläufe. Erste Arbeiten wurden auf dem ehemaligen Bolzplatz gegenüber der Kleingartenkolonie bereits 2009 im Rahmen des Projekts „Jugend bewegt Stadt“ vorgenommen. Doch nachdem schwere Regenfälle die Fläche unter Wasser gesetzt hatten, „mussten wir bis auf wenige Rampen die gesamte Anlage wieder plattmachen“, berichtet Preis. Der 26-Jährige gehört mit seinem jüngeren Bruder Fabian sowie den Kumpels Tamim Hille und Jan Weber zum harten Kern der Biker.

Erst 2016 nahm das Projekt dann wieder Fahrt auf. Dass es letztlich ein Erfolg geworden ist, sei dem Zusammenspiel der jungen Biker, der TSG Erlensee sowie dem großen Interesse der öffentlichen Institutionen zu verdanken. Die Stadt Erlensee stellte nicht nur das Grundstück zur Verfügung, sondern stattete die engagierten Radler auch mit einem Baucontainer aus, in dem diese ihre Werkzeuge unterbringen konnten, die zu einem großen Teil mit Geldern aus dem Projekt „Demokratie leben“ angeschafft wurden.

Eigene Abteilung

Das Erlenseer Tiefbauunternehmen Wenzel versorgte die Jugendlichen mit Erde und stellte für größere Arbeiten kostenfrei Baumaschinen zur Verfügung. Eingebunden war auch das Jugendzentrum, das in Erlensee bekanntlich gemeinsam von evangelischer Kirche und Stadtverwaltung betrieben wird. 2016 gab es durch ein vom Team Kinder- und Jugendarbeit in Erlensee (TKJE) organisiertes internationales Jugendlager Unterstützung.

„Damals hatten wir Helfer aus zwölf verschiedenen Nationen auf der Baustelle, die alle den Spaten in die Hand nahmen“, erinnert sich Pries mit Vergnügen an die Tage, an denen auf dem Dirtpark vornehmlich Englisch gesprochen wurde. Die TSG Erlensee hat die Jungs und Mädels nun in ihre Vereinsstrukturen eingebunden. Die Mountainbiker werden künftig als eine eigene Abteilung des größten Erlenseer Sportvereins geführt. Das sei wichtig, um den Fortbestands des Parks zu sichern, sagt Pries. Denn die Anlage ist noch nicht vollendet.

Keine festen Trainingszeiten

Abgeschlossen sein werde das Projekt ohnehin niemals, erklärt der Erlenseer, der von Beruf eigentlich Verfahrensmechaniker ist und mit Erdarbeiten sonst nicht in Berührung kommt. Wie ein Garten benötige auch der Dirtpark ständige Pflege. Die Anlage müsse von Unkraut befreit und die Rampen müssen ständig nachgebessert werden. Dabei sind die Arbeitsbedingungen nicht gerade einladend, denn modelliert werde vor allem bei Regenwetter, wenn die Erde feucht sei. Auf die Räder steigen die Biker dann bei trockenem Wetter. Anders als zu Beginn der Arbeiten läuft das Areal nun nicht mehr Gefahr, bei Starkregen vollzulaufen. Beim Untergrund wurde darauf geachtet, dass das Wasser durch ein leichtes Gefälle abfließen kann.

Anders als in anderen Abteilungen der TSG Erlensee gibt es bei den Bikern noch keine festen Trainingszeiten. Bisher hat man sich immer mittwochs getroffen, um zu bauen und mit den Rädern durch den Parcours zu jumpen. Die Sprünge muten ziemlich waghalsig an. Mehrere Meter hoch fliegen die Zweiradfans durch die Luft. Und dass die Landung nicht immer weich ist, demonstriert beim Besuch unserer Zeitung der junge Jason Pfaff, der nach einem missglückten Sprung ziemlich unsanft auf den Boden kracht, sich trotz einiger Schürfwunden aber schnell wieder berappelt.

"Stürzen gehören dazu"

„Stürze passieren immer wieder und gehören dazu“, sagt Robin Pries. Aber ernsthaft verletzt habe sich auf dem Parcours bisher noch niemand. Das liegt auch daran, dass die Chefs auf der Anlage genau darauf achten, dass sich die Anfänger unter den Bikern nicht zu viel auf einmal zumuten. Kleinkinder dürfen nur in Begleitung ihrer Eltern und auch nur über die einfachen Hügel rollen. Die Älteren werden langsam an den Sport herangeführt. „Eigentlich gewinnen die Fahrer mit der Zeit selbst ein Gefühl dafür, wie weit sie gehen können“, sagt Pries. Jeder, der sich auf den Rampen ausprobieren möchte, muss unterschreiben, dass er es auf eigeneGefahr tut.

Alle, die sich dafür begeistern, mit dem Mountainbike über Staub und Steine zu fahren und Freude an den neuen Dirtlines und Tables haben, sind eingeladen, zu der Eröffnung am Samstag, 27. April, zu kommen. Ab 13 Uhr ist der Dirtpark geöffnet. Für das leibliche Wohl werde ebenfalls gesorgt, so die TSG Erlensee. Das Gelände befindet sich in der Verlängerung der Friedensstraße, neben dem Hundeplatz des Vereins für Deutsche Schäferhunde (OG Erlensee).

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