Von links: Jürgen Weiß, Erich Heck, Egbert V.F. Erbe, Ursula Kurz, Hannah Weidenbach, Ehrenfried Kling. Foto: PM

Erlensee

Erinnerungen: Schreibwerkstatt des Erlenseer Seniorenbüros

Erlensee. Die Erinnerung wachzuhalten an den Fliegerhorst in Erlensee. Dieser Gedanke stand hinter der Idee des Seniorenbüros in Erlensee, eine Schreibwerkstatt anzubieten. Gesucht wurden Personen, die etwas aus eigener Erfahrung über den Militärflughafen erzählen konnten.

Der Stützpunkt, der 1939 von den Nazis eingeweiht wurde und bis zum Abzug der amerikanischen Truppen 2007 in Betrieb war, hat das Leben der Menschen in Langendiebach und Rückingen in den zurückliegenden Jahrzehnten geprägt.

Die Resonanz auf das Projekt, das vom Seniorenbüro der Stadt lanciert wurde, blieb überschaubar. Vier Interessenten meldeten sich für den Workshop. Dass die Texte vielfach an der Oberfläche bleiben, war durchaus gewollt. Denn die Vorgabe, eine Din-A-4-Seite zu schreiben, lässt Tiefe nicht unbedingt zu.

Der Hintergrund:Die Teilnehmer an dem Projekt sollten nicht überfordert werden. „Wir haben nie die Absicht gehabt, ein Projekt zu machen, das eine historische Dimension hat“, sagt Jürgen Weiß, ehrenamtlicher Mitarbeiter des Seniorenbeirates. Dazu hätte man die Fakten und die historische Authentizität überprüfen müssen. „Uns ging es vor allem darum, Menschen zu helfen, ihre persönliche Geschichte zu dokumentieren, ergänzt die Leiterin des Seniorenbüros, Sandra Wunder.

So seien vier Lebensausschnitte entstanden, die man in Kürze in der Seniorenzeitschrift nachlesen könne. Das Magazin wird von der Stadt vierteljährlich herausgegeben. Vielleicht werden die Berichte auch in dem Dokumentationszentrum ausgestellt werden, das auf dem Fliegerhorst geplant ist.

MysteriumBeim Lesen der Texte verfestigt sich ein Eindruck: Der Fliegerhorst war von Beginn seiner Existenz ein Mysterium, ein Ort über den nicht viel gesprochen werden durfte, den man am besten gar nicht erst aufsuchte. Für Erich Heck, dessen Mutter im Krieg Sekretärin beim Standortkommandanten war, blieb ebenfalls vieles im Verborgenen. Die Mutter sprach nie von ihrer Arbeit. „Vermutlich durfte sie das auch gar nicht.“ Er sei fünf oder sechs Jahre alt gewesen, als im Haus der Familie ein Soldat einquartiert worden sei. „Wahrscheinlich ein Nachtjägerpilot“, vermutet Heck.

Der Mann habe tagsüber auf einem Feldbett geschlafen und sei in der Dämmerung mit dem Fahrrad zum Fliegerhorst hinaus gefahren, manchmal sei er auch abgeholt worden. Die Kinder mussten schweigen. Kein Wort über den seltsamen Gast. Vielleicht war es lebensgefährlich, darüber zu sprechen, wie Heck, vermutet. Vielleicht hat man es die Kinder auch nur glauben lassen.

Bleibende ErinnerungAuch als 1944 ein Flugzeug die hohen Bäumen des Calaminus Park streifte und daraufhin abstürzte wurde die Angelegenheit mit höchster Diskretion behandelt, wie aus Hecks Aufzeichnungen hervorgeht. „Wir mussten uns im Keller unseres Hauses verstecken und alle Rollläden herunterlassen. Die nächsten beiden Tage durften wir dann das Haus nicht verlassen, bis die Trümmer der Maschine abtransportiert waren.“ Das Bild von den toten Piloten hat der Autor in all den Jahren nicht mehr aus dem Kopf bekommen. how

Hier die Geschichten zum Nachlesen:

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