Gezeichnet von der Arbeit: Etienne Schweizer war in Kanada im Goldrausch. Der Erlenseer schürfte weit entfernt seiner Heimat für eine Doku-Show nach dem Edelmetall und glänzte ebenfalls in seiner Rolle als exzellenter Monteur. Foto: PM

Erlensee

Für einen Fernsehsender schürfte Etienne Schweizer in Kanada Gold

Erlensee – Mehrere Wochen schürfte Etienne Schweizer aus Erlensee Gold in einer kanadischen Mine. Sein Aufenthalt war Teil einer Doku-Show auf DMAX, die ab Oktober 2018 im Fernsehen ausgestrahlt wurde.

Von Gabriele Reinartz

Seit einem halben Jahr ist Schweizer, der in Hanau eine 26 Hektar große Fischzucht betreibt, wieder zurück in der Heimat. Dies ist seine persönliche Bilanz.

„Ganz klar, die Wochen dort drüben in der Wildnis Kanadas haben mir sehr viel Spaß gemacht. Die großen Maschinen, die man sonst immer nur im Fernsehen sieht und nicht daheim vor der Haustür stehen hat – die waren auf jeden Fall ein Erlebnis. Auch die Arbeit selber hat mir sehr gefallen. Es ist schwierig, das Erlebte in Worte zu fassen“, schwärmt Schweizer über seinen Aufenthalt im Nordwesten Kanadas, weit weg von den großen Städten. Auch von morgens bis abends auf Schritt und Tritt von einer Kamera begleitet zu werden, habe ihn nicht gestört. Im Gegenteil, „mit dem Kamerateam hat alles super gepasst. Von der Stimmung her war es wie in einem Ferienlager.“

Sein Ziel: Im Sommer in Kanada arbeiten und den Winter in Deutschland verbringen

Und trotzdem: Bei der Castingshow würde er nicht noch einmal mitmachen wollen. Die Arbeit, das Goldschürfen, aber schon. Schweizer will daher zusehen, dass er 2020 wieder in einer Mine arbeiten kann. Weil es letztlich für ihn zum Sieg nicht gereicht hatte, muss er nun andere Wege und Mittel finden. Ein großes Problem sieht er darin aber nicht: „Ich habe dort drüben viele Leute kennengelernt, auch abends in den Bars in Dodge City, das eine knappe Dreiviertelstunde von unserem Lager entfernt war. Daher bin ich jetzt in Gesprächen mit mehreren Leuten, die sich auskennen. Mal sehen, was sich ergibt“, klingt Schweizer optimistisch.

Den Sommer über in Kanada zu arbeiten und den Winter über in Deutschland, eine Kombination, die Schweizer „schmecken würde“. Im Prinzip müsse man sich das vorstellen wie bei den Krabbenfischern auch oder wie bei anderen Saisongeschichten. Man arbeite sechs Monate intensiv ohne große Abwechslung an den Abenden und hole im Winter nach, was man im Sommer versäumt habe. „Mit einem solchen Rhythmus lässt es sich ganz gut leben“, ist er überzeugt.

In Kanada konnte er in Arbeitsklamotten abends ausgehen

Dank Dodge City, die nächstgelegene Stadt, soweit man sie mit ihren nur knapp 3000 Einwohnern überhaupt so nennen kann, seien sie gar nicht „so weit weg vom Schuss“ gewesen. „Dadurch dass man auf der Mine von morgens bis abends reinklotzt, fällt es einem nicht so auf, dass man abends keine großen Möglichkeiten hat. Man konzentriert sich schlichtweg auf die Arbeit“, versucht er das Leben in der Wildnis zu beschreiben.

Überhaupt sei der Lifestyle ein ganz anderer dort drüben. Man könne überall mit seinen dreckigen Klamotten in eine Bar gehen, ohne schief angesehen zu werden. „Ich bin hier anfangs, als ich wieder zurück war, nach Feierabend auch in meinen Arbeitsklamotten rumgelaufen. Aber das kam nicht so gut an. Drüben ist alles viel entspannter“, meint er.

Rückkehr in den Alltag ist ihm schwergefallen

Die Rückkehr in den Alltag sei ihm auf jeden Fall schwergefallen. Am liebsten wäre er am Flughafen postwendend wieder in den nächsten Flieger zurück gestiegen. Allein die Luft in Frankfurt sei eine ganz andere als die in Nordwest-Kanada. „Ich bin in Erlensee ja auch selbstständig, daher habe ich den Arbeitsalltag dort nicht viel anders empfunden. Auch hier arbeite ich den ganzen Tag. Aber wenn man in das 'normale' Leben zurückkommt, die vielen Einkaufsmärkte zur Verfügung hat, ist schon alles anders. Drüben mussten wir 20 Dollar für ein Stück Fleisch oder für Kippen hinblättern, das ist hier natürlich sehr viel günstiger. Aber gefallen hat es mir schon sehr gut dort drüben, vor allem die großen Schotterstraßen, die großen Autos, die großen Maschinen. In Kanada kann man im Prinzip alles machen, was man will. Hier in Deutschland ist das schon schwieriger“, zieht er Bilanz.

Was hat ihm die Staffel nun gebracht? Spaß und Perspektiven. „Mit dem Format sollte dem Zuschauer gezeigt werden, wie Goldschürfen tatsächlich geht. Das Format 'Goldrausch in Alaska' von den Amerikanern hat mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun. Wir sollten daher von der Pfanne aus lernen, wie das Handwerk funktioniert, und nicht einfach ankommen und Gold schürfen“, erläutert er. Deswegen hätten sie zunächst die Waschtrommel reparieren müssen, bevor sie mit dem Schürfen anfangen konnten. Am Ende hätten sie tatsächlich einige Unzen gefunden, diese hätten einen Gesamtwert von 4000 bis 5000 Dollar gehabt, die sie sich im Team aufteilen durften.

Stärkster Kontrahent war gleichzeitig sein bester Freund

Schweizers größte Herausforderung: seinen Impuls zu steuern, was ihm aber nicht gelungen ist, und, so ist er sich sicher, den Sieg vermasselt hat: „Ich will immer mit dem Kopf durch die Wand. Besser wäre es gewesen, mich mehr zurückzuhalten und die anderen machen zu lassen. So war ich immer dabei gewesen, wenn irgendetwas kaputtging.“

Sein stärkster Kontrahent war gleichzeitig sein bester Freund: Moritz, den er bereits am Flughafen in Frankfurt kennengelernt hatte. „Im Prinzip sind wir ziemlich gleich: Ich bin vielleicht der bessere Mechaniker, aber Moritz ist ein paar Jahre älter als ich und hat zu manchen Dingen mehr Abstand, geht weniger impulsiv an Dinge heran“, gibt Schweizer zu. „Aber ich hatte Bock auf die Staffel und möchte auch jetzt immer noch gern dort weitermachen, wo ich letztes Jahr aufhören musste.“

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