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Ein Haus für Gebete und Gemeinschaft

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Von: Monica Bielesch

Freuen sich, dass nach langer Bauzeit das Gemeindezentrum mit dem Gebetsraum fast fertiggestellt ist: Vorbeter Ibrahim Öz (links) und Resat Kaya, Vorsitzender des islamischen Ditib-Vereins Erlensee.
Freuen sich, dass nach langer Bauzeit das Gemeindezentrum mit dem Gebetsraum fast fertiggestellt ist: Vorbeter Ibrahim Öz (links) und Resat Kaya, Vorsitzender des islamischen Ditib-Vereins Erlensee. © Monica Bielesch

Auch wenn am vierstöckige Haus an der Hainstraße in Erlensee noch der Außenputz fehlt und vor dem Gebäude der Bürgersteig und die Außenanlagen gerade entstehen – im Inneren ist das neue Vereinshaus des islamischen Vereins Ditib Erlensee schon so gut wie fertig und wird bereits rege genutzt. „Es fehlen nur noch Kleinigkeiten“, so Resit Kaya, Vorsitzender des Vereins bei einem Ortstermin in der Hainstraße 63.

Erlensee – Und Kaya betont: „Es ist nicht nur eine Moschee, sondern ein Haus für alle, jeder ist willkommen, egal welcher Religion. Es ist ein Haus der Begegnung.“

Er und der Vorbeter der Gemeinde, der Hanauer Ibrahim Öz, sind erleichtert, dass der Bau sich dem Ende zuneigt, denn das neue Gemeindezentrum, das ursprünglich vom türkisch-deutschen Kulturverein angestoßen wurde, wird hauptsächlich von Spenden finanziert und musste wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie starke Verzögerungen hinnehmen. Baubeginn auf dem rund 1200 Quadratmeter großen Gelände einer ehemaligen Lackierwerkstatt war bereits im Sommer 2018, ein Jahr später sollte eigentlich Einweihung sein. Doch dann kamen die Verzögerungen, als nächster Fertigstellungs-Termin wurde Ende 2020 anvisiert. Auch das hat nicht geklappt. Aber nun sind die Arbeiten tatsächlich auf der Zielgeraden, voraussichtlich im September dieses Jahres sollen die Arbeiten beendet sein.

Viel Platz: 710 Quadratmeter Nutzfläche

Rund 710 Quadratmeter Nutzfläche hat der Verein auf vier Etagen geschaffen, alle barrierefrei per Aufzug zugänglich. „Wir haben jeden Zentimeter ausgenutzt“, so Kaya. Der Verein habe vorausschauend geplant und den Bau größer dimensioniert und somit auch schon für die Zukunft vorgesorgt, erklärt der langjährige Vereinsvorsitzende. Denn in den vergangenen Jahren ist aus dem überschaubaren türkisch-deutschen Kulturverein, der sein Vereinslokal mit knapp 100 Quadratmetern an der John-F.-Kennedy-Straße hatte, mittlerweile ein großer Ditib-Verein geworden. Für den Mitgliederzuwachs hätten auch die vielen Neubaugebiete in Erlensee gesorgt, so Öz und Kaya.

Für die heute knapp 210 Vereinsmitglieder gibt es schon jetzt viele Angebote im Neubau. Herzstück des Hauses ist jedoch der große Gebetsraum im zweiten Stock. Ein dicker, türkisfarbener Teppich und kunstvolle arabische Schriftzeichen an den Wänden geben diesem lichtdurchfluteten Raum seine besondere Atmosphäre. Hier wird fünf Mal am Tag gebetet. Vorbeter Öz erklärt die Besonderheiten des Raumes: Gegenüber des Eingangs liegt die Mihrabnische, sie zeigt die Richtung des Gebets nach Mekka an. Es gibt eine leicht erhöhte Plattform, von der aus zum Freitagsgebet aufgerufen wird und eine Kanzel, von der der Iman freitags und im Ramadan zu den Gläubigen spricht.

Ausdrücklich laden Kaya und Öz alle Interessierten zu den Gebeten ein. „Wir sind offen für alle“, betont Kaya. Gebetet werde sowohl auf Türkisch, als auch Arabisch und Deutsch. Besucher können sich über die sprichwörtliche türkische Gastfreundschaft freuen. Wenn in der großen Küche im Erdgeschoss gekocht wird, riecht es schon im Eingangsbereich einladend.

Kinder- und Jugendgruppen werden betreut

Im Erdgeschoss gibt es zudem eine Teestube, in der sich auch Jugendliche treffen. Der Verein betreue rund 30 Jugendliche, biete ihnen Hausaufgabenhilfen oder auch Ausflüge an, so Öz. Die jüngeren Kinder von sieben bis 14 Jahren können an einer Kinder-Moschee-Gruppe teilnehmen.

In den oberen Etagen sind Seminar- und Gruppenräume. Hier sollen beispielsweise Vorträge und Schulungen stattfinden. So war kürzlich eine Veranstaltung zum Thema Islam im Rahmen der kreisweiten Wochen gegen Rassimsmus geplant gewesen. Leider musste die Ditib-Gemeinde diesen Termin absagen, da die Bauarbeiten vor dem Gebäude keinen sicheren Zugang ermöglicht hätten.

Aber in diese Richtung will der Verein gehen: Ein Haus der Vielfalt und Begegnung soll die Fatih Cami Moschee sein. Offen für alle Menschen der Stadt und Umgebung. Die Mitglieder wollen ihren Glauben transparent für alle Interessierten machen und einen Ort für Hilfesuchende und für Gemeinschaft bieten, so Kaya und Öz. Denn der Verein engagiert sich auch sozial, hat etwa für die Opfer der Flutkatastrophe im Ahrtal oder des Ukraine-Krieges Spenden gesammelt. Vereinsvorsitzender Kaya: „Wir wollen ein Zentrum sein, wo Menschen Hilfe finden.“

(Von Monica Bielesch)

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