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Die bunte Vielfalt der Gartenkunst: „Allerlei offene Gärten“ lockt zahlreiche Besucher nach Erlensee

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Stolz auf ihren Garten: Helga Trommer-Schmidt und Jutta Bittner haben Landgarten und Kunstausstellung kombiniert.
Stolz auf ihren Garten: Helga Trommer-Schmidt und Jutta Bittner haben Landgarten und Kunstausstellung kombiniert. © Ulrike Pongratz

„Allerlei offene Gärten“: Unter diesem Motto gestatteten am Wochenende private Gartenbesitzer in Erlensee Einblicke in ihre grünen Kleinode. Bereits zum achten Mal hatte der Verein „Allerei Kultur Erlensee e. V.“ diesem besonderen Erlebnis den Weg geebnet. Insgesamt elf Eigentümer aus Rückingen und Langendiebach konnten die Veranstalter für „Allerlei offene Gärten“ gewinnen.

Erlensee – Bei idealem Wetter wurde das Angebot bereits am Samstagnachmittag von zahlreichen interessierten Besuchern wahrgenommen.

„Wir haben in den ersten beiden Stunden bereits 50 Gäste gezählt“, sagt das Ehepaar Kalmár-Stahl. Die Familie, die erst vor Kurzem nach Langendiebach gezogen ist, nimmt zum ersten Mal an diesem Event teil. Im großen ehemaligen Wirtschaftshof des Anwesens laden Tische und Stühle ein, es gibt Kaffee und Erdbeerkuchen mit Früchten vom nahe gelegenen Feld. In der historischen, unter Denkmalschutz stehenden Scheune, hat Péter Kalmár einen „Soundgarden“ arrangiert. Im hinteren Bereich scharren ein paar glückliche Hühner. Auch der Bauerngarten gewinnt sichtbar an Kontur. „Sicher waren viele Menschen einfach neugierig, wie es hier nun aussieht“, vermuteten die neuen Bewohner, die sich über das rege Interesse und den Austausch freuen. Schließlich wollen sie Scheune und Hof gerne für weitere Veranstaltungen anbieten.

Geplante Wildnis gab es im Garten von Axel Friedrich und Ingrid Damm zu bestaunen.
Geplante Wildnis gab es im Garten von Axel Friedrich und Ingrid Damm zu bestaunen. © Ulrike Pongratz

Reger Austausch findet auch im Bauerngarten in der Langstraße statt. Auf schmalen Pfaden geht es bei Ingrid Damm und Axel Friedrich durch die geplante Wildnis. Zwischen den Gemüsebeeten entfalten Blumen ihre ganze Blütenpracht, nur sachte gelenkt von den Gärtnern. „Letztes Jahr hat die Akelei einfach über Hand genommen, da musste ich sie ein wenig dezimieren“, sagte Ingrid Damm. Sie hat wenig Zeit, denn ihr Pflanzenwissen ist gefragt, wachsen hier neben Bartnelken, Glockenblumen und Eisenhaut auch seltene Schätzchen wie der unter Naturschutz stehende Diptam.

Ganz anderer Natur ist der Landhausgarten von Helga Trommer-Schmidt. „Das ist ja ein Park“, meint eine Besucherin begeistert. Jutta Bittner hat zwischen Rhododendren oder unter dem Ginkgobaum großformatige Bilder aufgestellt und so neue Perspektiven hinzugefügt. Ein Garten zum Verweilen, mit ganz ruhigen Bereichen an der Kinzig. „Einige Besucher bleiben tatsächlich zwei Stunden, trinken Kaffee und unterhalten sich,“ erzählt die Hausherrin, ehe sie wieder für Nachschub an Kaffee sorgt. Am Sonntagnachmittag unterhielten Musikschüler von Jutta Bittner die Gäste am Keyboard. Trommer-Schmidt, die zum vierten Mal ihren Landhausgarten öffnete, war von der großen Anteilnahme am Samstag überrascht. „Die meisten Besucher kommen eigentlich am Sonntag.“

Waren zum ersten Mal dabei: Das Ehepaar Kalmár-Stahl hat Hof und denkmalgeschützte Scheune gestaltet und konnte sich über zahlreiche Besucher freuen.
Waren zum ersten Mal dabei: Das Ehepaar Kalmár-Stahl hat Hof und denkmalgeschützte Scheune gestaltet und konnte sich über zahlreiche Besucher freuen. © Ulrike Pongratz

Ebenfalls viel los ist am Samstagnachmittag bei Familie Mutz in Rückingen. Ihr preisgekrönter Garten „Kleine Weltreise“ vereint Pflanzen und Stilelemente aus dem Mittelmeer, aus Afrika und Asien. „Einen typisch deutschen Vorgarten haben wir aber auch“, lacht Kerstin Mutz, die „den schönsten Garten der Region“ mit ihrem Ehemann Manfred hegt und pflegt. Familie Mutz bietet als besonderes Highlight eine Bonsai-Vorführung, einen Bücherflohmarkt und lädt auf ihre Terrasse ein, wo Besucher in Ruhe die vielfältigen Eindrücke auf sich wirken lassen können. Die Schildkröten lässt der Trubel ungerührt, was einige Besucher zu der Bemerkung reizte, man solle doch keine „Plastiktiere“ auf die Steine im Teich setzen.

Inspirationen zur Gestaltung konnten die Besucher aus den Gärten in Erlensee, hier ein Einblick in den der Familie Bernges-Koch, mitnehmen.
Inspirationen zur Gestaltung konnten die Besucher aus den Gärten in Erlensee, hier ein Einblick in den der Familie Bernges-Koch, mitnehmen. © Ulrike Pongratz

Nicht regungslos, aber völlig entspannt nehmen auch die japanischen Zwerghühner die Gäste in „ihrem Garten“ hin. Die Haustiere der Familie Bernges-Koch scharen kaum und haben daher absoluten Freigang im großen Garten, der sich im Laufe der Jahre von einem Nutzgarten mit viel Gemüseanbau zu einem Eldorado für Entspannung, Muße und auch Geselligkeit entwickelt hat. Neben üppig wuchernden Kräutern, vielen blühenden Stauden und Sträuchern zählt die Hauswurz in verschiedenen Sorten zur Liebhaberei der Gärtner. In selbstgefertigten Betonschalen kommen die kleinen Rosetten wunderbar zur Geltung. Selbstgemachte Vasen aus Holz und weitere Unikat aus der Werkstatt von Volker Kalkhof zieren den Garten.

Hinter jedem offenen Gartentor wartete am Wochenende ein kleines Paradies, oft als „Freiluft-Atelier“ mit einer Ausstellung kombiniert. Wer wollte, fand viele Anregungen, konnte Neues erfahren und viele nette Gespräche führen. Viele Besucher verbanden eine Radtour durch Erlensee mit der Besichtigung von Gartenkunst und Kunst im Garten.

Von Ulrike Pongratz

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