Beschlossen ohne ausreichend Informationen: Auch der Kulturschaffende Jürgen Weiß sieht das Projekt mit den Wasserbüffeln am Marktplatz eher skeptisch. Montage/Foto: HA

Erlensee

So denkt ein Kulturschaffender über die Wasserbüffel-Skulpturen

Erlensee. In Erlensee diskutiert die Politik über die Wasserbüffel-Skulpturen, die anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Stadt im kommenden Jahr den neuen Brunnen auf dem Rathausplatz prägen sollen. Ein entsprechender Beschluss wurde auf Antrag der CDU vergangene Woche im Stadtparlament gefasst.

Auch wurden bereits 13 000 Euro für das Projekt in den Haushalt eingestellt. Aber was sagen eigentlich die Kulturschaffenden in der Stadt zu dem Thema? Wir haben mit Jürgen Weiß gesprochen, dem Vorsitzenden des Vereins Allerlei Kultur Erlensee.

Herr Weiß, gefallen Ihnen Wasserbüffel?

Schon immer. Ich wohne ja in direkter Nachbarschaft zu den Weideswiesen. Die Viecher sind einfach schön und haben die Ruhe weg.

Finden sie Wasserbüffel identitätsprägend für Ihre Stadt?

Sie sind ja zurzeit wieder im Winterquartier. Aber seitdem sie regelmäßig den Sommer hier verbringen, prägen sie die Stadt. Genauso übrigens wie die Störche, die ja aus freien Stücken hier nach Langendiebach und Rückingen kommen. All das, was besonders eigen und auffällig ist, prägt eine Stadt. Auch die Verkehrskreisel prägen unsere Stadt. Man kann in dem Fall natürlich darüber streiten, ob negativ oder positiv.

Die Grünen und auch die Neue Fraktion Erlensee im Stadtparlament finden, die Entscheidung über das Design eines Brunnens, der an so markanter Stelle steht, dürfe nicht allein der Politik über lassen werden. Sehen Sie das ähnlich?

Ich sehe das ähnlich. Zur Meinungsbildung habe ich allerdings noch zu viele Fragen und zu wenig Antworten. Vergangene Woche stimmte die Stadtverordnetenversammlung für die Errichtung des Brunnens. Mir ist jedoch nicht bekannt, ob es eine Skizze, einen Entwurf, oder etwa ein Modell gibt. Der Brunnen kann gelungen sein, aber genauso gut gruselig. Weiß irgendjemand in der Stadt, wie dieser Brunnen aussehen wird? Es wurde aus meiner Sicht von vielen über eine Skulptur abgestimmt, die kaum jemand gesehen hat.

Wer sollte Ihrer Meinung nach darüber entscheiden, wenn denn ein Entwurf vorliegt?

Wir haben ja in der Nachbarschaft einige Beispiele, wie man es anders machen kann. Zum Beispiel Hanau. Wenn es um Kunst im öffentlichen Raum geht, wird eine Projektausschreibung gemacht an die Künstlerwelt. Entwürfe gehen ein, eine Jury mit Vertretern der Stadt sowie Bürgern und Kulturschaffenden wird gebildet. Und dann gibt es einen Siegerentwurf, nach dem das Kunstwerk umgesetzt und verwirklicht wird. Es geht darum, möglichst früh Öffentlichkeit zu schaffen und die Bürger einzubeziehen. In Erlensee ist es anders, ich würde sogar sagen: wesentlich anders.

Sie haben Hanau als Beispiel genannt, wo es seinerzeit eine große Diskussion über das Oppenheim-Denkmal auf dem Freiheitsplatz gab, dem wichtigsten Platz in der Stadt?

Da gibt es Parallelen. Es geht ja in Erlensee ebenfalls um ein Kunstwerk auf dem markantesten Platz. Also, nicht irgendwo draußen, sondern im Herzen der Stadt. Da sollte man schon möglichst viel Wissen ansammeln, bevor man eine Entscheidung trifft und sicher geht, dass es sich um ein gelungenes Kunstwerk handelt. Die Außenwirkung Erlensees liegt mir besonders am Herzen.

Wer sollte denn einer solchen Jury Erlensee angehören?

Es sollte ein breites Meinungsspektrum gefunden werden. Es gibt in Erlensee bestimmt einige Menschen und Vereine, die zumindest einigermaßen fachlich qualifiziert sind. Das braucht seine Zeit, aber herrscht denn Entscheidungsnot? Der alte Brunnen plätschert doch noch. Aber noch einmal: Wir reden bisherüber eine Schimäre, niemand weiß wirklich, um was es geht. Sie haben ja im HANAUER ‧ANZEIGER auch nur spekuliert und in Ihrer Ausgabe eine Art Wasserbüffel-Kampfstier abgebildet (lacht). Das heißt, auch Sie haben scheinbar keine Information über das, was da beschlossen worden ist.

Kritisiert werden immer die Kosten von Kunstwerken. Wie viel Geld darf Kunst kosten?

Kunst ist nicht zu bezahlen, Kunst kann man nicht kaufen in dem Sinn. Aber: Bei den Summen, die hier konkret genannt werden, habe ich auch wieder viele Fragen.

Ich lese 25 000 Euro für einen Bronzeguss von zusammen genommen maximal 420Kilogramm. Ich weiß von einigen seriösen Bildgießereien, dass ein vergleichbarer dreidimensionaler Bronzeguss zwei oder gar dreimal so teuer ist. Und da reden wir nur vom Material. Wie geht das?

Und was ich bisher auch noch nicht herausgefunden erfahren habe: Soll es eine lebensechte oder eine lebensgroße Wasserbüffelskulptur sein? Lebensecht heißt für mich dreidimensional, man kann sie anpacken, so wie den Stier und den Bär vor der Frankfurter Börse. Oder ist es nur eine gefräste Silhouette? Weiß das jemand? Ich befürchte nicht.

Bei alledem sprechen wir bisher nur über die handwerkliche Ausführung einer Skulptur. Doch wer ist eigentlich der Künstler/die Künstlerin, der/die das eigentliche Modell ersinnt, entwirft und erschafft? Wem gebührt der eventuelle Ruhm? So viele Fragen.

Es heißt, die Skulpturen werden von privater Hand bezahlt. Die Stadt geht also kein Risiko ein.

Auch einem geschenkten ‧Büffel sollte man schon mal ins Maul schauen dürfen, ehe man ihn hier in den Erlenseer Stall lässt. Alles andere halte ich zumindest für gewagt.

Das Gespräch führte Holger Weber.

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