Lucia Puttrich (links) und Stadtverbandsvorsitzende Birgit Behr hielten die Reden beim Neujahrsempfang der CDU in Erlensee. Letztere ging mit der Kreis-CDU hart ins Gericht.

Erlensee

CDU-Neujahrsempfang: Behr geht mit Fraktionsspitze ins Gericht

Erlensee. Beim Neujahrsempfang der CDU kritisierte Birgit Behr die Fraktionsspitze der Kreis-CDU scharf, denn ein Umgang fiele derzeit schwer. Eine Vorstellung der CDU-Landratskandidatin Srita Heide kam aus terminlichen Gründen derweilen nicht zustande. Für einige kritische Anmerkungen sorgte noch Lucia Puttrich.

Von Rainer Habermann

„Wir sollten nicht mit negativen Dingen anfangen, denn wir jammern in Deutschland auf sehr hohem Niveau.“ Der einleitende Satz von Lucia Puttrich, Europa-Ministerin in der Landesregierung, hatte es in sich, beim Neujahrsempfang der Erlenseer CDU am Sonntag in der Erlenhalle. Vermeintlich Positives gab es dann zuhauf, doch einige im Saal wunderten sich: „Warum spricht Srita Heide nicht?“ Sie ist immerhin die Landratskandidatin ihrer Partei für die Direktwahlen im März. Für Heide blieb Erlensee diesmal Durchgangsstation.

Dafür redete Birgit Behr Tacheles. Sie ist Erste Stadträtin der SPD-geführten Stadt, CDU-Stadtverbandsvorsitzende, Kreistagsabgeordnete und ehemalige Fraktions-Vize der CDU im Main-Kinzig-Kreis. „Die Fraktionsspitze der Kreis-CDU ist derzeit nicht leicht zu handhaben“, sagte sie. Der Umgang mit dieser fiele schwer, sie selbst gehöre „schließlich auch nicht mehr zu den Jüngeren“, auch wenn das Motto laute, die CDU müsse „jünger, bunter und weiblicher“ werden. So hatte es jedenfalls der Generalsekretär der Bundes-CDU und frühere Kreischef, Dr. Peter Tauber, vor nicht allzu langer Zeit propagiert.

Terminliche ProblemeOhne explizit auf den jüngsten Parteiaustritt der CDU-Kreispolitikerin Marianne Hain einzugehen (unsere Zeitung berichtete), war die Irritation der 61-Jährigen spürbar; „es hat mich ja kürzlich ebenfalls getroffen“, sagte Behr gegenüber unserer Zeitung. Und meinte die Vorgänge um eine mögliche Kandidatur als hauptamtliche Kreisbeigeordnete nach den Kreistagswahlen im März 2016.

Die Nicht-Vorstellung der CDU-Landratskandidatin Srita Heide in Erlensee begründete Behr mit terminlichen Problemen: „Frau Heide hatte uns erst am Freitagabend ihr Kommen avisiert, aber auch erklärt, dass sie einen nahezu gleichzeitigen Termin habe.“ „Ein Grußwort hätte sie doch wenigstens sprechen können“, monierte dennoch eine Dame im Saal. In dem im Übrigen auch viele SPD-Politiker und Mandatsträger saßen. Erlensee ist eben die „Stadt der Harmonie“ zwischen Rot und Schwarz.

Was Hessen heute ausmachtPuttrich stellte klar, warum ihr Titel als frühere Umweltministerin in der schwarz-grünen Landesregierung heute „der längste Ministertitel überhaupt, aber schwer zu erklären“ sei: „Hessische Landesministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten. Ich bin ressort-frei, kann über alles reden“, meinte die Ministerin und frühere, dreimalige Bürgermeisterin Niddas (Wetteraukreis).

Sie war für alles Positive rednerisch zuständig, was die Landesregierung erreicht habe, und was Hessen heute ausmache: „87 Prozent aller Hessen beurteilen die wirtschaftlichen Aussichten als gut bis sehr gut“; „wir haben nahezu Null-Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen, im Gegensatz zu vielen südeuropäischen Ländern“; „wir haben unter Erwachsenen nahezu Vollbeschäftigung“; „die Bildung ist durchlässig, so, wie es für das Kind passt“, nannte sie einige Vorzüge, weshalb man nicht immer nur jammern solle.

Kritische AnmerkungenAllerdings traf die CDU-Ministerin auch einige kritische Anmerkungen in ihrer Rede zum Neujahrsempfang: dass „Datenschutz vor Opferschutz“ gehe, könne sie nicht nachvollziehen. Das ginge nicht in die Köpfe der Bevölkerung. In der Sicherheitspolitik jedoch dürfe man zwei Dinge nie miteinander vermischen: die Flüchtlingsproblematik und den Terrorismus.

„Der islamistische Terror hat mit den Flüchtlingen in Deutschland nichts zu tun“, sagte Puttrich klar und deutlich, auch wenn Einzelne verwickelt sein könnten. Wenn Rechtspopulisten vermeintlich einfache Lösungen anböten, etwa auch zu Brexit und Globalisierung, dann müsse man klar und deutlich sagen: „Es gibt keine einfachen Antworten.“

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