Fühlten sich bei der Bürgermeisterwahl schon nicht ausreichend unterstützt: Erlensees Stadtverbandsvorsitzende Birgit Behr und Michael Börner, der damalige Kandidat. 
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Fühlten sich bei der Bürgermeisterwahl schon nicht ausreichend unterstützt: Erlensees Stadtverbandsvorsitzende Birgit Behr und Michael Börner, der damalige Kandidat.

Behr: „Ein Affront“

CDU Erlensee geht leer aus: Kein Kandidat auf der Kandidatenliste für den Kreistag

  • Holger Weber-Stoppacher
    vonHolger Weber-Stoppacher
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Bei der CDU im Main-Kinzig-Kreis geht es weiter turbulent zu. Jetzt fühlt sich der CDU-Stadtverband Erlensee von der Fraktionsspitze im Kreistag ausgebootet. Bei der Aufstellung der Listen für die Wahl zum Kreistag im kommenden Jahr sei kein Kandidat aus Erlensee berücksichtigt worden, kritisiert die Stadtverbandsvorsitzende Birgit Behr in einem Brief an unsere Zeitung. Sie war beim Parteitag in Bad Orb auf Rang 40 gesetzt worden. Ein erneuter Einzug in den Kreistag ist für sie angesichts des hinteren Listenplatzes so gut wie ausgeschlossen. Behr gehörte dem Gremium 15 Jahre lang an, einige Jahre auch als Mitglied des Fraktionsvorstandes.

Erlensee – Die Nachricht erhielt die Kommunalpolitikerin nach eigenen Angaben wenige Tage vor dem Parteitag der CDU Main-Kinzig von der Kreisvorsitzenden Dr. Katja Leikert. Diese habe ihr berichtet, dass der Fraktionsvorsitzende und Landtagsabgeordnete Michael Reul es abgelehnt habe, sie auf den aussichtsreichen 19. Platz zu setzen. Als Begründung führte Reul laut Behr deren Teilnahme an einer AfD-Veranstaltung in Hanau an.

„Das ist lächerlich“, sagt Behr dazu. „Die von Reul bezeichnete AfD-Veranstalung war in Wirklichkeit ein Streitgespräch zwischen dem ehemaligen CDU-Landtagsabgeordneten Aloys Lenz und dem Vorsitzenden der AfD-Kreistagsfraktion Dr. Wolfram Maaß, an dem ich als zuhörender Gast im Publikum saß, wie auch weitere mir bekannte Personen anderer Parteien.“

CDU-Politikerin aus Erlensee: Veranstaltungsbesuch soll nicht die Ursache für den Listenplatz sein

Auf Anfrage unserer Zeitung nannte Michael Reul einen anderen Grund. Behr habe die Partei vor fünf Jahren bei der Besetzung des Kreisausschusses im Stich gelassen. Sie sei damals der entscheidenden Sitzung wegen eines Urlaubs unentschuldigt ferngeblieben, was die CDU eine Stimme in dem Gremium gekostet habe. „Das war zutiefst parteischädigend“ sagte der Landtagsabgeordnete.

Behr kann nach eigenen Worten nicht mehr „mit Bestimmtheit“ sagen, wo sie vor fünf Jahren gewesen ist. Aber es hätten mehrere Parteimitglieder gefehlt, deshalb habe man den Platz verloren. Behr hält die Gründe Reuls „ohnehin für vorgeschoben.“ Der Fraktionsvorsitzende agiere nicht ehrlich, eine Zusammenarbeit mit ihm sei keine „erfreuliche Angelegenheit“, sagt die Leiterin des Rechnungsprüfungsamts des Kreises Offenbach. In ihrem Brief bezeichnet sie die Vorgehensweise Reuls als einen „ungeheuren Affront“ gegen den gesamten CDU-Stadtverband Erlensee und somit auch gegen sie selbst. „Aber es ist ohnehin fraglich, ob man als Mensch mit demokratischer Grundeinstellung wirklich Mitglied dieser CDU-Kreistagsfraktion sein möchte“, so Behr weiter. Sie vermutet, dass sie ausgebootet wurde, weil sie sich hin und wieder innerhalb der Fraktion kritisch geäußert habe: „Interne Kritik kann Herr Reul nicht vertragen.“

Fleck aus Erlensee habe auf Platz 19 der CDU-Liste gesetzt werden sollen

Reul wehrte sich im Gespräch mit unserer Zeitung gegen Behrs Vorwurf, man habe den gesamten Stadtverband außen vor gelassen. Mit Bianca Fleck sei eine Erlenseerin auf Platz 19 gesetzt worden, jedoch habe diese aus privaten Gründen eine Kandidatur abgelehnt.

Das Verhältnis zwischen dem Stadtverband Erlensee und dem CDU-Kreisverband dürfte sich dadurch weiter verschlechtert haben. Schon nach der Bürgermeisterwahl in Erlensee, bei der der CDU-Kandidat Michael Börner nur etwas mehr als zehn Prozent der Stimmen erhalten hatte, beklagten sich die Erlenseer Christdemokraten über mangelnde Unterstützung durch die Kreis-CDU.

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