Nur nette Leute erwünscht: Der Motorradverein Erlensee achtet sehr darauf, dass sich keine bösen Jungs in die Reihen der Biker mischen. Die Mitgliedschaft gibt's erst einmal nur auf Probe. Fotos: Gabriele Reinartz

Erlensee

Biker mit Herz: Erlenseer Motorradverein feiert 20-Jähriges

Erlensee. Der Motorradverein Erlensee feiert in diesem Jahr seinen 20. Geburtstag. Gefeiert wird im Juni beim Stadtfest Erlensee. Aber auch mehrtägige Ausfahrten sowie wohltätige Veranstaltungen stehen auf dem Programm der Allwetterfahrer.

Von Gabriele Reinartz

Die Vorliebe für schwere Motorräder begleitet ihn schon sein Leben lang. „Ich war erst neun Jahre alt, als ich das erste Mal auf einem Motorrad saß. Von dem Tag an musste mich mein Vater ständig von einem Bike herunterholen“, erzählt Michael Lang, Vorsitzender des Motorradvereins Erlensee (MVE), und lacht.

Kaum eine Meisterschaft ließ er aus. Noch bis vor wenigen Jahren fuhr er Rennen auf Sand-, Eis- oder Grasbahnen sowohl im In- als auch im Ausland. „In der Regel habe ich immer einen guten Mittelfeldplatz mit meinen Maschinen belegt“, resümiert er. Heute fährt er keine Rennen mehr – aus Zeitgründen. Denn Lang ist selbstständiger Heizungsbauer.

Harley ist kein Muss

Der Erlenseer besitzt eine Harley. Voraussetzung für eine Mitgliedschaft im MVE ist eine Harley aber nicht. Erlaubt ist jede Maschine, denn der Spaß am Fahren steht im Mittelpunkt, nicht die Motorradmarke. Im Juni feiert der MVE 20-jähriges Bestehen. „Wir verbinden unser Jubiläum mit dem Stadtfest, das am 26. und 27. Juni stattfinden wird.

Wir werden dort ein Zelt haben und Spezialitäten anbieten. Auch eine Whiskeybar wird es geben“, verrät Lang. Außerdem soll ein Video laufen, das von den zahlreichen Ausfahrten berichtet, die die Biker schon gemacht haben. Und es werden aller Voraussicht einige Motorräder vor dem Zelt stehen, auf die sich die Erlenseer setzen dürfen, um ein Foto von sich auf einer Maschine machen zu können.

Für guten Zweck: Biker als Weihnachtsmänner unterwegs

Apropos Ausfahrten: Schon traditionell und in Erlensee bekannt ist der Santa Claus Run des Vereins: Am 24. Dezember eines jeden Jahres verkleiden sich die passionierten Biker als Weihnachtsmänner und fahren mit ihren Motorrädern zum Marktplatz. Dort verteilen sie Präsente an Kinder. Danach schwingen sich die Weihnachtsmänner erneut auf ihre Motorräder und fahren zum Seniorenheim Am Rosengarten, um dort die älteren Menschen zu beschenken.

Ein fester Termin im Klubleben: Jedes Jahr an Heiligabend verteilen die Biker auf dem Marktplatz in Erlensee Präsente an die Kinder. Foto: Gabriele Reinartz

Insgesamt 500 Päckchen, gestiftet von einem Erlenseer Unternehmen und mitfinanziert aus den Privatschatullen der Biker, haben sie jeden Dezember im Gepäck. Diese Idee als auch die Idee, überhaupt einen Motorradverein zu gründen, stammten von Lang selbst. „Ich kannte damals schon einige Motorradfahrer und fragte sie, ob sie nicht Lust hätten, mit mir einen Motorradverein zu gründen.“ Und ob sie Lust hatten. Also schauten die Gründungsmitglieder bei bereits bestehenden Motorradvereinen vorbei und informierten sich vor Ort, wie man einen Verein gründet und am besten dabei vorgeht.

Außendarstellung für den Verein sehr wichtig

Mittlerweile zählt der MVE 27 feste Mitglieder und zwei sogenannte „Prospects“. Das sind Mitglieder auf Probe für ein Jahr. „In dieser Zeit beschnuppern wir uns gegenseitig und schauen, ob wir menschlich zueinander passen. Denn Extremisten haben bei uns keinen Platz“, erläutert der Vorsitzende. Den MVE-Vereinsmitgliedern ist es daher sehr wichtig, nach außen zu kommunizieren, dass einem Motorradverein nicht unweigerlich ein schlechtes Image anhaften muss. Von „Motorrad-Gangs“ distanziert sich der MVE mit Nachdruck.

Die Geschlechterverteilung im MVE ist paritätisch, auch wenn es sich bei den Frauen um die Ehefrauen oder Lebensgefährtinnen handelt. „Unsere Frauen fahren alle selber Motorrad“, betont Lang. So auch seine Ehefrau, die wie er selber eine Harley besitzt. Privat legte das Ehepaar im vergangenen Jahr mit zwei weiteren Pärchen eine 6500 Kilometer lange Strecke innerhalb von vier Wochen zurück. Die Fahrt ging von Daytona Beach in Florida bis nach Los Angeles in Kalifornien.

Regelmäßige Ausfahrten am Sonntag

Die regelmäßigen Ausfahrten in Deutschland sind selbstverständlich deutlich kürzer, sowohl was die Zeit als auch die Strecke betrifft. „Wir fahren mal ein verlängertes Wochenende fort. Zum Beispiel wollen wir im Juni in den Schwarzwald. Ansonsten fahren wir sonntags in der näheren Umgebung aus. Bei diesen Touren begleiten uns auch schon mal Nichtmitglieder.“ Auch zum Stammtisch, der monatlich stattfindet, sind Motorradfans stets herzlich willkommen.

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