Bei der Eröffnung des dritten integrativen Wohnparks an der Langendiebacher Straße dankten Landrat Thorsten Stolz (von rechts) und Bürgermeister Stefan Erb insbesondere dem Vorsitzenden des SHK, Uwe Schneider.
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Bei der Eröffnung des dritten integrativen Wohnparks an der Langendiebacher Straße dankten Landrat Thorsten Stolz (von rechts) und Bürgermeister Stefan Erb insbesondere dem Vorsitzenden des SHK, Uwe Schneider.

Verein Selbsthilfe Körperbehinderter eröffnet Wohnpark

Bezahlbarer Wohnraum in Erlensees zentraler Lage

  • Monica Bielesch
    VonMonica Bielesch
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Erlensee – In nur zwei Jahren Bauzeit hat der Verein Selbsthilfe Körperbehinderter Hanau-Gelnhausen (SHK) an der Langendiebacher Straße 60 einen dritten integrativen Wohnpark (IWP) verwirklicht. Und das trotz der zwischenzeitlich die Welt beherrschenden Pandemie.

Der zentral gelegene Wohnpark bietet 22 Wohnungen zwischen 46 und 106 Quadratmetern. Das Besondere ist nicht nur die Barrierefreiheit aller Wohnungen, sondern vor allem der Mietpreis: Der ist gedeckelt auf 7,50 Euro pro Quadratmeter.

Zur feierlichen Eröffnung begrüßte Uwe Schneider, langjähriger Vorsitzende des Vereins, am Donnerstagnachmittag neben Bürgermeister Stefan Erb und Stadtverordnetenvorsteher Uwe Laskowski auch Landrat Thorsten Stolz (alle SPD).

Baukosten 5,3 Millionen Euro

Die Corona-Krise sei an dem Bauprojekt nicht spurlos vorbeigegangen, so Schneider in seiner Rede. Aufgrund der Preissteigerungen in der Baubranche haben die 22 Wohnungen mit knapp 5,3 Millionen Euro fast genauso viel gekostet wie noch vor elf Jahren doppelt so viele Wohnungen im IPW II. Um diese Kosten zu decken, wäre eigentlich ein Mietpreis von über 13 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter nötig gewesen, so Schneider, der Verein hätte jedoch eine Mietbindnung von 7,50 Euro pro Quadratmeter. „Uns ist sehr wohl bewusst, dass auch dieser Preis für Viele die Hälfte ihres Einkommens ist. Barrierefreier und bezahlbarer Wohnraum ist in unserem Land leider ein Luxusgut.“

Er betonte auch, dass es sich beim IWP III nicht um ein Wohnheim für Menschen mit Behinderungen handele, sondern barrierefreie Wohnungen auch für körperlich eingeschränkte Menschen zur Vermietung anbieten möchte. Außerdem sollen junge Familien und Geringverdiener dort bezahlbaren Wohnraum finden. „Wir wollen kein Getto für Behinderte.“

Das knapp 4200 Quadratmeter große Grundstück an der Langendiebacher Straße wurde dem Verein von der Stadt in Erbbaupacht zur Verfügung gestellt. Kreis und Land haben den Bau über Förderprogramme mit 800 000 Euro sowie einem zinslosen Darlehen von über 500 000 Euro gefördert. Auch zahllose Kleinspender der Aktion Mensch haben mit 350 000 Euro den Bau unterstützt.

Verstorbenen Architekt Heitzenröder gewürdigt

Geplant wurde das IPW III mit dem heimischen Architektenbüro Heitzenröder. Schneider gedachte in seiner Rede dem im vergangenen Jahr verstorbenen Architekten Ulrich Heitzenröder, der das besondere Wohnhaus geplant hatte. Angesichts dieser Umstände sei es nicht selbstverständlich gewesen, dass der Bau im Zeitplan vollendet werden konnte, meinte Schneider.

Mit dem IWP III samt Parkplatz hinter dem Haus ist aber erst knapp die Hälfte des von der Stadt überlassenen Grundstücks bebaut. Genügend Platz also, um weiteren bezahlbaren Wohnraum zu realisieren, so Schneider weiter und brachte seinen Verein für weitere Bauprojekte in Stellung. Allerdings nicht in den nächsten zwei Jahren, denn der Verein müsse neue Eigenkapitalreserven aufbauen.

Landrat Stolz betonte in seiner Ansprache nochmals die Bedeutung des Wohnparks, denn der Kreis als prosperierende Region brauche dringend bezahlbaren Wohnraum. Wenn die Kommunen bereit seien, Grundstücke einzubringen und auf Rendite zu verzichten, dann könnten auch bezahlbare Wohnungen entstehen. „Danke für die Weitsicht der Stadt Erlensee“, so Stolz. Der Staat dürfe sich bei diesem Thema nicht aus der Verantwort ziehen, es gehe beim Wohnen schließlich um ein Grundrecht.

Erb bedankt sich bei den Gremien der Stadt

Bürgermeister Stefan Erb bedankte sich bei seiner Verwaltung, die den Bau des neuen Wohnparks pragmatisch begleitet hätte und bei den Gremien der Stadt, die die Übergabe des Grundstücks an den Verein erst möglich gemacht hätten.

Im Anschluss konnten die Gäste, unter ihnen auch die CDU-Bundestagsabgeordnete Katja Leikert und der Erlenseer Seniorenbeirat, das Gebäude und einzelne Wohnungen besichtigen. Neben 20 barrierefreien Wohnungen mit Mietdeckelung, aber ohne Sozialbindung, gibt es im Wohnpark noch zwei sogenannte Übergangswohnungen. Diese rund 120 Quadratmeter großen Wohnungen liegen dem Verein besonders am Herzen und stellen ein Unikum nicht nur im Kreis sondern hessenweit dar.

In diesen Wohnungen sollen Menschen, die durch einen Unfall oder Schlaganfall plötzlich körperliche Beeinträchtigungen erleiden, vorübergehend eine Bleibe finden. Beispielsweise bis ihre eigene Wohnung behindertengerecht ausgebaut wurde. Sechs Plätze stehen in den zwei Wohnungen zur Verfügung. Mit diesem Angebot könnte verhindert werden, dass solche Menschen in ein Pflegeheim ziehen müssten und stattdessen weiterhin selbstbestimmt leben könnten. Die ersten Mieter werden in den nächsten Tagen erwartet, sie hatten Glück, denn die Warteliste ist lang. Bis dahin soll die Glasfassade zur Langendiebacher Straße hin montiert werden. Sie lässt den Verbindungsflur zwischen den Wohnungen offen und hell erscheinen. Diese Bauweise soll das Zusammenkommen fördern, so Lothar Kempf, Beisitzer im Verein, beim Rundgang. Auch die Fahrstühle werden in den kommenden Tagen noch montiert.(Monica Bielesch)

Noch fehlt die Glasfassade vor den Treppenaufgängen und Durchgängen.

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