Rund um die Uhr in der Natur: Das Konzept des Waldkindergartens hat sich durchgesetzt. Nun setzt auch die Stadt Erlensee darauf. Im kommenden Jahr soll die Einrichtung eröffnet werden, wenn die Parlamentarier zustimmen.  Archiv
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Rund um die Uhr in der Natur: Das Konzept des Waldkindergartens hat sich durchgesetzt. Nun setzt auch die Stadt Erlensee darauf. Im kommenden Jahr soll die Einrichtung eröffnet werden, wenn die Parlamentarier zustimmen. Archiv

Kostengünstig und schnell gebaut

Ausschüsse empfehlen Einrichtung eines Naturkindergartens in Erlensee

  • Holger Weber-Stoppacher
    VonHolger Weber-Stoppacher
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Auch in der Stadt Erlensee sollen Kinder künftig unter freiem Himmel nach dem Konzept eines Waldkindergartens betreut werden. In Erlensee wird die künftige Einrichtung allerdings Naturkindergarten heißen, weil die Stadt kaum über zusammenhängende Waldflächen verfügt.

Erlensee - Die Naturkita wird dem Limespark angegliedert, der gerade zwischen dem Neubaugebiet Neue Mitte II und dem Hochwasserdamm entsteht.

Am Montagabend haben die Mitglieder des Bau- und Umweltausschusses sowie des Sozialausschusses in einer gemeinsamen Sitzung nahezu einstimmig die Empfehlung ausgesprochen, eine solche Einrichtung ins Leben zu rufen. Nun muss das Projekt nur noch formell von der Stadtverordnetenversammlung am 12. November beschlossen werden.

Naturkita könnte bereits 2021 eröffnet werden

Für die Naturkita sprechen laut Vorlage der Verwaltung gleich mehrere Gründe. Der Wichtigste ist: Eine Naturkita kann sehr schnell umgesetzt und bereits im kommenden Jahr eröffnet werden. Eile tut Not, denn schon 2021 rechnet die Stadt damit, dass die Nachfrage nach Kindergartenplätzen das Angebot in den städtischen Einrichtungen um mehr als 20 übersteigen wird.

Für die darauffolgenden Jahre wird eine noch größere Nachfrage vorausgesagt, weshalb im Stadtparlament bereits im vergangenen Jahr gleich zwei große Kitaprojekte beschlossen worden waren. Allerdings wird die neue Kita an der Kennedy-Straße voraussichtlich erst im Sommer/Herbst 2022 und die Kita an der Fröbelstraße vermutlich erst 2023 oder 2024 eröffnet werden können. Bis dahin braucht die Stadt schnelle und vor allem auch kostengünstige Lösungen.

Betreuung zwischen 9 und 13 Uhr für 20 Kinder

Der neue Naturkindergarten wird laut Konzept der Stadt etwa 240 000 Euro kosten. Wie Kathrin Smola-Peter vom Fachdienst Kinderbetreuung der Stadt Erlensee den Ausschussmitgliedern berichtete, will man zunächst klein beginnen, es sei die Einrichtung einer 20 Kinder umfassenden Gruppe geplant, die in der Zeit zwischen 9 und 13 Uhr betreut werden soll. Dafür würden an dem Standort ein Bauwagen, eine Kompost-Toilette sowie ein weiterer Materialbauwagen für Spielgeräte aufgebaut.

Die Projektleitung wird der Kita am Rathaus angegliedert. Nachdem die Stadt bereits vor geraumer Zeit das Vorhaben mit einer Pressemitteilung beworben hatte, hat es bereits 35 Anfragen für einen Platz im Naturkindergarten gegeben. Im Ausschuss stießen die Pläne fast durchweg auf ein positives Echo. Auch deshalb, weil es ein solches Konzept bisher in der Stadt noch nicht gibt. Somit könne man den Familien etwas gänzlich Neues bieten, hieß es seitens der beiden größten Fraktionen CDU und SPD.

Leise Kritik an Standort

Kritik äußerte nur Carmen Merz von der Neuen Fraktion Erlensee (NFE). Sie bemängelte vor allem den Standort und stellte die Frage, ob es nicht günstiger sei, einen solchen Naturkindergarten dem Römerspielplatz anzudocken, wo bereits Teile der notwendigen Infrastruktur vorhanden seien.

Die Antwort von Reiner Mayer, dem Fachbereichsleiter Soziales war deutlich: „Dort haben wir null Platz.“ Und auch Birgit Behr von der CDU befand, dass es wesentlich sinnvoller sei, den Naturkindergarten dort anzusiedeln, wo man ihn bei Bedarf auch erweitern könne. Durch die Strom- und Wasserversorgung fielen letztlich viele Kosten an, die man nicht noch einmal tragen wolle.

Standort am Limespark bietet großen Vorteil

Ein großer Vorteil des Standorts Limespark sei auch die Nähe zur Kita am Rathaus, sagte Smola-Peter. Denn im Notfall, etwa bei einem Gewitter oder einem starken Sturm, könnten die Kinder in der Einrichtung Zuflucht suchen. Auch seien Erlenhalle und Hallenbad fußläufig erreichbar.

Für das Konzept hat sich der Erlenseer Fachdienst zuvor in vielen anderen Waldkindergärten der Region Anregungen geholt. Im Main-Kinzig-Kreis gibt es 450 Betreuungsplätze in Waldkindergärten. Die größte Einrichtung befindet sich in Gelnhausen, wo derzeit 130 Kinder an drei verschiedenen Standorten betreut werden. Besonders während der Coronapandemie seien die Plätze begehrt. „Frische Luft senkt das Infektionsrisiko, außerdem habe sich gezeigt, dass Kinder, die viel draußen seien, ein stärkeres Immunsystem hätten“, so Smola-Peter. Überall seien die Plätze in den Einrichtungen im Main-Kinzig-Kreis belegt.

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