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Grenzarbeiten: Das neue Gewerbegebiet an der A 45 liegt sowohl auf Erlenseer als auch Langenselbolder Gemarkung. Hier entsteht die Zufahrt zum neuen Lidl-Zentrallager. Es wird auch der Verbindungsweg nach Langenselbold ausgebaut.

Auch Erlensee strebt Mittelzentrum mit Selbold an

Ausschuss gibt einstimmige Empfehlung – Kommunen erhoffen sich Vorteile durch Finanzausgleich

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Nach dem positiven Beschluss in Langenselbold haben nun auch die Kommunalpolitiker in Erlensee ihren Wunsch bekundet, ein gemeinsames Mittelzentrum mit der Nachbarstadt zu bilden.

Im Haupt- und Finanzausschuss sprachen die Mitglieder am Mittwochabend einstimmig ihre Empfehlung aus, die Aufnahme in den Entwurf des neuen Landesentwicklungsplanes zu beantragen. Der Weg dahin sei noch lang, aber ein erster Schritt sei jetzt getan, freute sich gestern Erlensees Bürgermeister Stefan Erb (SPD) über das positive Votum der Parlamentarier, das in der nächsten Stadtverordnetenversammlung kommende Woche noch endgültig abgesegnet werden muss. 

Vom Status eines kooperierenden Mittelzentrum erhoffen sich Erb und sein künftiger Kollege Timo Greuel (ebenfalls SPD) auf Langenselbolder Seite unter anderem mehr Gelder aus dem kommunalen Finanzausgleich. Angestoßen hatte den Prozess bereits der sich in seinen letzten Amtstagen befindliche Langenselbolder Bürgermeister Jörg Muth (CDU). Die Langenselbolder hatten den Beschluss – wie berichtet – bereits in ihrer Stadtverordnetenversammlung vom 30. März gefasst.

Erb: Mit dem Status Mittelzentrum sei ein großer Aufwand verbunden

 Dort war das Votum allerdings nicht so eindeutig ausgefallen, Freie Wähler und Grüne hatten dagegen gestimmt. Allerdings nicht, weil ihnen das Projekt grundsätzlich nicht zusagt, sondern weil sie bemängelten, dass das Thema vorher nicht ausreichend genug diskutiert worden sei. Die Stadtverordnetenversammlung im Langenselbold war wegen der Corona-Pandemie bereits stark verkürzt worden. 

Eine Reihe von Fragen gab es auch am Mittwoch im Erlenseer Ausschuss, berichtete Bürgermeister Erb. Unter anderem wollten die Parlamentarier wissen, ob am Ende das Mehr aus dem kommunalen Finanzausgleich nicht durch das aufwendige und kostenintensive Aufnahmeverfahren im Landesentwicklungsplan aufgefressen werde. Zwar gestand Erb ein, dass der Status Mittelzentrum mit einem großen Aufwand verbunden sei. Doch beide Kommunen hätten bereits einen Großteil der Arbeit verrichtet: Erlensee im Rahmen der Stadtwerdung, Langenselbold im Vorfeld der Ausrichtung des Hessentags. 

Gymnasiale Oberstufe soll an der Käthe-Kollwitz-Schule etabliert werden 

Viele Daten seien bereits erfasst worden und müssten nur noch auf den aktuellen Stand gebracht werden, sagte er. Für den Aufstieg zum Mittelzentrum müssen eine Reihe von Kriterien erfüllt werden. Dazu zählen Angebote in den Bereichen Kultur und Bildung, Soziales und Sport, Einzelhandel, Verwaltung und Gerichte. Sowohl Erb als auch Muth waren sich bei den ersten Gesprächen sicher, dass die Kommunen für sich genommen diese Kriterien nicht alle erbringen könnten. Zusammen jedoch seien die Möglichkeiten da. Erlensee und Langenselbold haben zusammen mehr als 30 000 Einwohner, auch verfügen beide Kommunen über angrenzende Gewerbegebiet östlich und westlich der Bundesautobahn 45. 

In dem Antrag werden auch gemeinsame Entwicklungsziele formuliert: Zum Beispiel soll im Bildungsbereich eine gymnasiale Oberstufe an der Käthe-Kollwitz-Schule etabliert werden. Verkehrstechnisch setzen sich beide Städte für den Ausbau des Langenselbolder Dreiecks ein. Weiterhin werde durch die Aufnahme der beiden Kommunen in das sogenannte „Modell der kooperierenden Mittelzentren“ eine Lücke zwischen dem Oberzentrum Hanau und dem Mittelzentrum Gelnhausen geschlossen, argumentieren die Bürgermeister in ihrer Begründung.

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