Entwicklungspotenzial: Der Tower sowie die nebenliegenden Flächen gehören dem Immobilenúnternehmer Ferdinand Fäth. Archivfoto: Axel Häsler

Erlensee/Bruchköbel

Amazon auf dem Sprung zum Fliegerhorst

Erlensee/Bruchköbel. Im Logistikpark Fliegerhorst zeichnet sich ein weiterer namhafter Neuzugang ab. Nach Informationen unserer Zeitung plant der Online-Händler Amazon den Bau eines Verteilungszentrums für seine Lieferdienste auf dem ehemaligen Militärflughafen.

Von Holger WeberDas Gebäude soll den Informationen zufolge unmittelbar neben dem Tower entstehen. Der Turm sowie die umliegenden Flächen gehören dem Aschaffenburger Immobilienunternehmer Ferdinand Fäth. Zwar wollten weder die Sprecherin des Konzerns noch Fäth auf Anfrage unserer Zeitung nähere Auskünfte über die Pläne geben, allerdings ließen beide Seiten durchblicken, dass es Gespräche gebe.

Im Zweckverband Fliegerhorst, der aus den beiden Kommunen Erlensee und Bruchköbel besteht, würde man die Ansiedlung des US-Konzerns zweifellos begrüßen. Neben dem Großmetzger Brandenburg und dem Verpackungsunternehmen DS Smith würde sich somit ein dritter Großer in dem Logistikpark ansiedeln.

Es handelt sich bereits um den zweiten Versuch von Amazon, in Erlensee Fuß zu fassen. Vor rund sieben Jahren war bereits über die Ansiedlung des Onlineriesen spekuliert worden. Dieser suchte damals offenbar Flächen von einer Größe von etwa 20 Hektar, die im Fliegerhorst-Areal damals nicht zur Verfügung standen.

So sieht die Strategie von Amazon aus

Die Eröffnung eines Verteilungszentrums würde zur Gesamtstrategie des amerikanischen Handelsriesen passen, der laut Medienberichten seinen eigenen Lieferdienst weiter ausbauen möchte und damit auch zunehmend der Post Konkurrenz beschert. In den USA wildert der Online-Händler bereits immer deutlicher im Revier seiner externen Zusteller und treibt den Ausbau eines eigenen Zustelldienstes voran. Laut Medienberichten hat der Konzern Unternehmen zur Gründung kleinerer Lieferfirmen aufgefordert, die dann bis zu 40 Fahrzeuge mit Amazon-Logo betreiben sollen.

Da Amazon in der Regel Neuerungen zunächst im eigenen Land ausprobiert, bevor es diese über die Grenzen der USA hinausträgt, könnte die Strategie auch auf dem deutschen Markt angewandt werden, heißt es. Der Online-Handel in Deutschland boomt. 2017 wurden erstmals mehr als 3,3 Milliarden Sendungen verarbeitet, das waren 6,6 Prozent mehr als im Jahr davor. Amazon dürfte es vor allem stören, dass Zusteller wie Hermes angesichts des boomenden Marktes bereits Zusatzgebühren für die Zustellung direkt an die Haustür fordern und somit die bisher relativ niedrigen Zustellgebühren gefährdet.

Derzeit Stellfläche für Fahrzeuge

Ob Amazon das Grundstück kauft und selbst baut oder ein noch zu errichtendes Gebäude des Immobilienunternehmers Fäth anmieten wird, ist unklar. Fäth hat auf dem Fliegerhorstgelände bereits ein 27 000 Quadratmeter großes Logistikzentrum errichtet, welches sich auf der anderen Seite des Towers befindet. Mieter in dem aus zwei Hallen bestehenden Komplex sind unter anderem die Spedition Fentholz und Sandtmann sowie die MSG Frucht GmbH und die Linde Material Handling GmbH. Das Areal, auf dem das Amazon-Verteilzentrum entstehen könnte, wird derzeit vom Autokontor Bayern als Stellfläche für Fahrzeuge genutzt.

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