Lokal Hanau Suppenspende Franziskus-Haus Corona Covid-19
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Dampfend heiß kommt der Eintopf beim Franziskus-Haus in Hanau an: Die beiden Freundinnen Daniela Müller (links) und Tanja Broßmann-Schwerte kochen in der Corona-Krise ehrenamtlich einmal die Woche verschiedene Suppen für Obdachlose in Hanau.

Am Mittwoch gab's Linseneintopf

Zwei Freundinnen aus Bruchköbel kochen einmal die Woche Suppe für Wohnungslosen-Hilfe

  • Jasmin Jakob
    vonJasmin Jakob
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Etwa 20 Klienten der Wohnungslosenhilfe freuten sich  am Franziskus-Haus in Hanau über eine liebevoll gekochte Mahlzeit. Denn seit knapp drei Wochen kochen Tanja Broßmann-Schwerte und ihre Freundin Daniela Müller verschiedene Suppen für die Obdachlosen der Einrichtung.

Mal sind Linsen, mal Kartoffeln oder Erbsen in dem Eintopf, den die beiden Bruchköbelerinnen einmal die Woche zubereiten und nach Hanau fahren. Damit wollen die beiden Freundinnen in der Corona-Krise etwas Gutes tun und das Budget der karitativen Einrichtung etwas entlasten, wie Tanja Broßmann-Schwerte erzählt: „Wir haben uns das eigentlich relativ spontan abends zusammen überlegt, als wir uns getroffen haben. Das war kurz bevor die Kontaktsperren in Kraft getreten sind. Wir wollten in der Krise irgendwie helfen und sind dann auf das Franziskus-Haus gekommen“, erzählt sie. 

Der Leiter, Rainer Broßmann, ist entfernt mit Tanja verwandt. Daher hatten die Freundinnen einen kurzen Draht zu ihm. „Er war sofort von der Idee begeistert“, erzählt Tanja Broßmann-Schwerte. „Denn ausgerechnet an dem Abend war auch noch die Köchin krank.“  Die Hilfe kam also wie gerufen, denn Daniela Müller betreibt mit ihrem Mann im hauseigenen Familienbetrieb, der Metzgerei Müller in Bruchköbel, einen Party-Service. „Sie wusste dann schon genau, welchen Eintopf man für wie viele Menschen mit welchen Zutaten kochen kann“, sagt Broßmann-Schwerte. Und das sei auch für die Leitung des Franziskus-Hauses entscheidend gewesen. „Wir bekommen oft Anfragen von Privatleuten, die uns übrig gebliebene Speisen von Büfetts anbieten. Da wir aber als ausgebende Einrichtung dafür garantieren müssen, dass das Essen in Ordnung ist, können wir das oft nicht annehmen“, so Einrichtungsleiter Rainer Broßmann. 

Reduzierung der Sitzplätze auf 20

Insbesondere in der Corona-Zeit dürfe man nicht vergessen, dass es sich bei den Klienten der Wohnungslosenhilfe um Menschen handelt, die ein meist durch das Leben auf der Straße geschwächtes Immunsystem haben. „Daher ist das Engagement von den beiden eine große Unterstützung für unsere Klienten und das Hauswirtschaftsteam“, sagt Rainer Broßmann, „sozusagen eine Win-win-win-Situation. Da Frau Müller die Suppe in der Küche ihres Betriebs kocht, können wir auch garantieren, dass das Essen unter strengen Hygieneauflagen zubereitet wird.“ 

Immer mittwochs wird Gaby Krämer, die Köchin des Franziskus-Hauses, die mit ihren Kollegen an allen anderen Wochentagen warmes Essen für die Klienten der Wohnungslosenhilfe zubereitet, durch die beiden Freundinnen unterstützt. 50 Klienten haben im Saal der Tagesstätte normalerweise Platz. Um die Ansteckungsgefahr durch das Coronavirus zu minimieren, hat das Franziskus-Haus die Anzahl der Sitzplätze jedoch zwischenzeitlich auf 20 reduziert. 

Rainer Broßmann: Tagesstätte sei eine wichtige Drehscheibe

„Die Tagesstätte ist für uns normalerweise eine wichtige Drehscheibe, wo sich die Menschen, die auf der Straße leben, tagsüber aufhalten können und auf die Bewohner unseres Hauses treffen. Das ist besonders wichtig, damit sie sich gegenseitig motivieren“, so Broßmann. „Durch die Corona-Pandemie hat die Drehscheibe jetzt natürlich an Spielraum verloren. Die Bewohner des Hauses sind dazu angehalten, das Essen in ihren Küchen oder den Aufenthaltsräumen der Wohnbereiche zu sich zu nehmen, damit diejenigen, die auf der Straße leben, einen Platz in der Tagesstätte bekommen.“ Dort können Obdachlose ihre Wäsche waschen, duschen oder ihr Gepäck deponieren. 

Tanja Broßmann-Schwerte freut sich jedes Mal, wenn sie die frisch gekochten Eintöpfe zusammen mit ihrem Sohn zur Einrichtung bringt: „Ich finde das einfach toll, wenn man Leuten mit so einer Kleinigkeit eine Freude machen kann.“ 

Arbeitsteilung von Beginn an

Alle Lebensmittel bezahlen die beiden Freundinnen aus der eigenen Tasche. „Wir wurden auch schon gefragt, wie man uns unterstützen kann“, sagt Broßmann-Schwerte. „Aber das ist so wenig, dass ich mich eher freuen würde, wenn unser Projekt Nachahmer findet. Wenn jeder so etwas machen würde, wäre vielen geholfen.“ Sie beschreibt das Kochen für die knapp 25 Klienten der Wohnungslosenhilfe bescheiden als „Kleinigkeit mit klitzekleinem Zeitaufwand“. 

Die Aufgaben haben Daniela Müller und Tanja Broßmann-Schwerte gleich zu Beginn untereinander aufgeteilt: „Daniela schreibt mir eine Einkaufsliste und ich kaufe am Dienstag immer alles frisch ein, schnippel zu Hause in meiner Küche das Gemüse klein und fahr alles zum Kühlhaus der Metzgerei Müller“, sagt Tanja Broßmann-Schwerte. „Daniela kocht die Suppe dann am Mittwochmorgen frisch in der Küche der Metzgerei und wenn sie fertig ist, stellt sie die heißen Töpfe vor die Tür der Metzgerei, wo ich sie abhole.“ Und da die Suppe für 20 bis 25 hungrige Gäste reichen soll, braucht Tanja beim Abholen die Unterstützung ihres 20-jährigen Sohnes: „Den großen Topf kann ich kaum tragen, so schwer ist der“, sagt sie und lacht. „Daher hilft mir mein Sohn. Ich nehme dann den kleineren.“ Beide Töpfe werden dann ins Auto gepackt und nach Hanau gefahren, wo Broßmann-Schwerte und ihr Sohn die Töpfe über den Hinterhof zur Köchin bringen. „Da warten manchmal schon ein paar Gäste mit Abstand zueinander. Und fragen, was es gibt, oder sagen 'Oh, das riecht ja wieder lecker!'“ 

Freie Zeit wegen der Corona-Krise

In der Küche wird das Essen dann in Warmhaltebehälter umgefüllt, die Töpfe gründlich ausgespült und an Broßmann-Schwerte zurückgegeben. Die Corona-Pandemie hat auch Tanjas Alltag durcheinandergewirbelt. Denn normalerweise arbeitet die gelernte Kinderkrankenschwester als Assistentin einer Lehrerin an einer Förderschule in Linsengericht. Da diese nun aber coronabedingt vorübergehend geschlossen wurde, hat auch Broßmann-Schwerte freie Zeit dazugewonnen. An den meisten Tagen in der Woche arbeitet sie in der Notbetreuung der Schule. Mit der dazugewonnenen Zeit habe sie etwas Sinnvolles anfangen wollen. „Ich hab zu Hause schon alle Fenster geputzt, den Kleiderschrank entrümpelt, den Garten in Ordnung gebracht und wollte mal wieder etwas anderes machen“, sagt Broßmann-Schwerte und lacht. 

Und jetzt koche sie eben mit ihrer Freundin jede Woche Eintopf. Und weil es den beiden so viel Spaß macht, anderen mit ihrem Engagement eine Freude zu bereiten, denken sie darüber nach, das Projekt auch nach der Corona-Pandemie weiterzuführen, sagt sie. Nächste Woche soll es dann aller Voraussicht nach Gulaschsuppe geben.

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