Nach getaner Arbeit kommt die Belohnung: Karl Schlag (von links), Heinz Geisel, Gerhard Kalbfleisch und Hans-Walter Schäfer köpfen eine gute Flasche Dornfelder, der unter der Niederissigheimer Sonne gereift ist.
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Nach getaner Arbeit kommt die Belohnung: Karl Schlag (von links), Heinz Geisel, Gerhard Kalbfleisch und Hans-Walter Schäfer köpfen eine gute Flasche Dornfelder, der unter der Niederissigheimer Sonne gereift ist.

Dornfelder

Männer-Clique aus Niederissigheim keltert eigenen Wein

Bruchköbel – „Gute Freunde kann niemand trennen“ so besang dereinst Franz Beckenbauer die Freundschaft unter gestandenen Männern. Hans Walter Schäfer, Gerhard Kalbfleisch, Heinz Geisel und Karl Schlag sind nicht nur zusammen groß und alt geworden, sie haben sich auch überlegt, wie man die Zeit nach dem beruflichen Werdegang gemeinsam nutzen kann: Seit acht Jahren ernten sie gemeinsam Trauben auf dem eigenen Hang in Niederissigheim am Scheelbergweiler, füllen sie in Bottiche und lassen sie gären, bis leckere Weine daraus entstehen.

„Wir haben uns überlegt, wie wir noch Sinnvolles miteinander erleben, an der freien Natur sein können und dabei Spaß haben. Es ist nicht nur die Liebe zum Wein, die die Freunde miteinander verbindet, es ist auch die Geselligkeit, gute Gespräche und ein Stück Lebensfreude, wenn sie unter dem Jahr immer wieder – natürlich bewaffnet mit ein paar Flaschen des guten Tropfen – auf „ihren“ Berg ziehen und die Weinreben pflegen, entlauben, schneiden.

Vor über zehn Jahren wurden hier 99 Stöcke gepflanzt. Mehr durften sie nicht pflanzen, denn sonst wäre es eine gewerbliche Nutzung gewesen. Die Hälfte der Reben sind Bacchus und die andere Hälfte Dornfelder. Sie haben sich für diese Sorten entschieden, weil sie nicht nur in die Region passen, sondern „uns auch schmecken“. Gekauft haben sie die Stöcke bei einem Winzer in Unterfranken. Drei Jahre müssen die Stöcke wachsen, dann wachsen die ersten verwertbaren Trauben.

Und wahrlich: ein kleiner Schluck vom gut temperierten Roten verursacht Gaumenfreuden. Doch vor dem Genuss haben die Götter den Schweiß sprich die Arbeit gesetzt. Alles muss passen, aber mit Hans Walter Schäfer und Heinz Geisel, dem „Ingeplackte“ haben sie kundige Weinliebhaber, die sich auch mit der Historie der Region auskennt. „Wir haben bis vor 400 Jahren hier sehr viele Weinanbaugebiete gehabt. Das kam noch aus der römischen Besatzungszeit. Die haben den Wein aus Italien mit nach Deutschland gebracht.“

Der Gastgeber: Auf dem Grund von Heinz Geisel wachsen die 99 Weinstöcke.

Überall gäbe es ja „Wingerte“ oder „Wingertstraßen“ . Das zeige auch, dass wir eine lange Warmzeit hatten, die sich dann zu Beginn des 17. Jahrhundert abgekühlt habe. „So kann man auch sehen, dass die Erwärmung des Planeten hierzulande kein Phänomen der Neuzeit ist“, sagt Geisel.

Nach dem Pflücken ging’s ans Maischen. Und die Maische wurde dann in einen großen Kübel gegossen, passiert und mit Wasser gespült. Ein Schluck vom frischgepressten, bereits gegärten Traubengut genommen: „Das Erzeugnis spricht für sich“, sind sich alle Beteiligten einig.

Willi Lindenberger, der Fünfte im Bund ist bei der Maische nicht dabei. „Der liegt lieber in der Therme in Bad Füssing rum“, lacht „Azubi“ Gerhard Kalbfleisch. Er ist das jüngste Mitglied der „Winzlinge“, wie sie sich nennen, aber mit Feuereifer dabei. Der Rebensaft wird in große Ballons gefüllt, bis er in die Flasche kommt und etikettiert wird. In diesem Jahr wird der Ertrag geringer sein als gewohnt, da die Wespen sehr viele Früchte für sich vereinnahmt haben. Letztes Jahr gab es gar eine Nullrunde, weil die „Winzlinge“ auf das Spritzen verzichtet haben und das ganze Obst dem Mehltau zum Opfer fiel.

Der Benjamin unter den Winzlingen: Gerhard Kalbfleisch bei der Arbeit.

Heuer wurde wieder herkömmlich gearbeitet und so können wenigstens 50 Liter weißer und 120 Liter roter Wein abgefüllt werden. „Das gibt ein paar schöne gemeinsame Abende und Nachmittage auf unserem Berg“ gibt Kalbfleisch zu Gehör und die versammelte Mannschaft lässt ein eindeutiges „Jawoll“ ertönen.

Die Feuchtigkeit stimmt, der Säuregehalt ebenso. „Es ist unglaublich: Wir haben fast 100 Oechsle“, so Karl Schlag. Normal seien zwischen 70 und 80 Oechsle.

Dies ist die Maßeinheit für das Mostgewicht des unvergorenen Traubensaftes nach Ferdinand Oechsle. Der Wein ist aber nur zum Eigenverzehr oder zum Verschenken gedacht, denn verkaufen dürfen und wollen sie ihn nicht. „Es ist unser Ertrag und der soll was ganz Besonderes sein.“ Und alle scheinen mächtig stolz auf Selbigen zu sein. Die ersten Schlucke frischen Weines zaubern den vier Hobby Winzern zumindest ein Lächeln ins Gesicht.

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