Was soll mit dem städtischen Grundstück an der Hauptstraße 113a geschehen? In Nachbarschaft des AWO-Pflegeheims könnte Betreutes Wohnen oder bezahlbarer Wohnraum entstehen. Die Entscheidung wurde im Bauausschuss nochmals vertagt. Foto: Monica Bielesch

Bruchköbel

Zukunft des Grundstücks Hauptstraße 113a in der Diskussion

Bruchköbel. Das städtische Grundstück Hauptstraße 113 a stand am Dienstagabend im Fokus des Ausschusses für Stadtentwicklung, Bau, Umwelt und Verkehr. Zwei Anträge zeigten zwei mögliche Nutzungsalternativen auf.

Von Monica Bielesch

Für Betreutes Wohnen auf diesem Grundstück plädierte ein Antrag des Bruchköbler Bürgerbunds, ein Antrag aus der Verwaltung sprach sich für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum an selber Stelle aus.

Nach längerer Diskussion wurde eine Entscheidung jedoch vertagt. Das Thema soll in der nächsten Ausschusssitzung nochmals beraten werden. Bis dahin sollen bauplanungsrechtliche Fragen geklärt werden und der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Hessen Süd soll Gelegenheit gegeben werden, ihr Konzept des Betreuten Wohnens vorzustellen. Dafür stimmten die Vertreter von BBB, Grünen und FDP. Aber auch die CDUler Thomas Sliwka und Rainer Ochs sprachen sich überraschenderweise für eine Vertagung der Entscheidung aus, die weiteren CDU Mitglieder sowie die SPD-Mitglieder enthielten sich.

Thomas Sliwka monierte in der Diskussion, dass der Antrag der Verwaltung nicht von einer Fachabteilung gekommen sei. Pikantes Detail: Die Beschlussvorlag der Verwaltung war vom Persönlichen Referenten des Bürgermeisters, Daniel Weber, erstellt worden – ein Konkurrent Sliwkas im Kampf um das Bürgermeister-Amt. In seltener Einheit mit der Opposition befand CDU-Fraktionsvorsitzender Sliwka, dass noch viele Fragezeichen offen seien, bezüglich der Möglichkeiten entweder bezahlbaren Wohnraum oder Betreutes Wohnen an der Hauptstraße 113a einzurichten.

Mehr Grundstücke benötigt

„Bezahlbarer Wohnraum ​braucht mehr als ein Grundstück“, konstatierte Alexander Rabold (BBB), der insbesondere nach dem bauplanungsrechtlichen Status des Grundstücks fragte. Auch müsse geklärt werden, was sinnvoller sei: Ein Verkauf des Grundstücks an einen Investor wie beispielsweise die Baugenossenschaft Bruchköbel oder die Variante Erbbaurecht. „Ein großer Wurf ist wichtig“, mahnte Rabold, „sonst ist es wie so oft in Bruchköbel: auf langjährige Untätigkeit folgt eine Fehlentscheidung.“

Die Grünen wie die FDP fragten: „Für was ist dieses Grundstück am besten geeignet.“ Ihre Antwort: Durch die räumliche Nähe des AWO-Pflegeheims sei an dieser Stelle das sinnvollste Projekt Betreutes Wohnen für Senioren. Bürgermeister-Kandidatin Sylvia Braun (FDP) wies darauf hin, das zuallerste der Begriff „Betreutes Wohnen“ definiert werden müsse. Denn das sei mehr als eine altersgerechte Wohnung mit einem Notfallknopf. Die Intention der Liberalen sei es, beide Nutzungsvarianten abzuwägen.

Dazu sei es wichtig, den Geschäftsführer der Awo-Süd im Ausschuss zu hören. „Dann können wir wohlinformiert abstimmen. Es geht um die beste Entscheidung für die Stadt, nicht mehr und nicht weniger.“ Ins gleiche Horns stieß Uwe Ringel (Grüne): Betreutes Wohnen sei ein in Zukunft nachgefragtes Wohnkonzept. „An der Hauptstraße 113 ist die einzige Stelle, wo wir es ohne großen Aufwand realisieren können.“

Rede und Antwort des Geschäftsführers

Bürgermeister Günter Maibach (CDU) setzte sich vergeblich für die Vorlage seines persönlichen Referenten ein. Er verwies auf Gespräche, die die Verwaltung bereits mit der Baugenossenschaft geführt habe. Die Baugenossenschaft besitzt auch schon das Nachbargrundstück. Deren Geschäftsführer Jens Schneider stand den Ausschussmitgliedern Rede und Antwort. Sie würden als Partner der Stadt das Grundstück entwickeln, so Schneider. „Damit beide Seiten profitieren. Aber wir sind kein Bauträger, wir verwalten nur im eigenen Bestand.“

Eine erste Planung sei angestoßen worden, aber sie stünden nicht in Konkurrenz zur AWO, betonte Schneider. Allerdings schloss er ein gemeinsames Projekt mit der AWO aus. Die Baugenosschaft sei für alle Gespräche aufgeschlossen. Aber sie wolle sich auf ihre Stärken konzentrieren. „Und unsere Stärken liegen nicht im Betreuten Wohnen.“

Die SPD verteidigte bis zum Schluss den Antrag der Verwaltung, wonach die Baugenossenschaft das Grundstück für 155 000 Euro kaufen sollte. Dafür soll sich die Genossenschaft verpflichten, bezahlbaren Wohnraum mit einem maximalen Mietpreis von 7,50 Euro pro Quadratmeter zu errichten. In Planung seien zwölf verschieden große Wohnungen. Frank Nohl (SPD) zeigte sein Unverständnis für die Vertagung. „Wir haben die Möglichkeit bezahlbaren Wohnraum auf die Schnelle zu schaffen, ich kann nicht nachvollziehen, warum das torpediert wird.“ Und er betonte sein Unverständnis für das Projekt Betreutes Wohnen. „Das ist ein Seniorenheim für reiche Leute.“

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