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Ärger wegen Betreuungssituation: Elternbeiräte beschweren sich

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Von: Holger Weber-Stoppacher

Corona und ein allgemeiner Personalmangel sorgen für Probleme in der Kinderbetreuung. Besonders groß ist der Unmut der Eltern gerade in der Stadt Bruchköbel.
Corona und ein allgemeiner Personalmangel sorgen für Probleme in der Kinderbetreuung. Besonders groß ist der Unmut der Eltern gerade in der Stadt Bruchköbel. © dpa

Eltern in Bruchköbel bei Hanau sind mit der Betreuungssituation ihrer Kinder unzufrieden. Der Elternbeirat versucht, mit den Verantwortlichen der Stadt zu reden.

Bruchköbel – Häufig sich verändernde und verkürzte Öffnungszeiten, ständig wechselndes Personal auch auf der Führungsebene – und dann auch noch Streik, der dazu führt, dass die Kitas ganz geschlossen bleiben. In Bruchköbel bei Hanau äußern Eltern ihren Unmut über die Kinderbetreuung in der Stadt.

Der Gesamtelternbeirat in Bruchköbel berichtet, er habe in der Vergangenheit in persönlichen Gesprächen mit den Verantwortlichen der Verwaltung auf die Missstände in der Kinderbetreuung aufmerksam gemacht. Man habe unter anderem über Themen wie Kündigungen, Krankenstände, Entlohnung und Corona-Pandemie gesprochen. Allerdings seien diese Gespräche im Endergebnis „nicht befriedigend“ gewesen, heißt es in einem Rundbrief an die Eltern, der unserer Redaktion vorliegt.

Elternbeiräte in Bruchköbel, bei Hanau, sind unzufrieden: Ärger wegen Betreuungssituation

Die Ursache aller Probleme ist der Personalmangel im Erziehungswesen. Das betrifft freilich nicht nur die Stadt Bruchköbel, in der Nähe von Hanau, sondern davon sind alle kommunalen Arbeitgeber betroffen. Nach Darstellung des Elternbeirats der Kita Krebsbachstrolche ist das Problem in Bruchköbel jedoch auch ein Stück weit selbst gemacht. Der Vorwurf lautet, die Stadt sei „nicht gewillt“, ihre Erzieherinnen regional angemessen zu bezahlen. Und außerdem: „Alle umliegenden Kommunen zahlen mindestens eine Tarifstufe besser, was Bruchköbel leider zu einem verhältnismäßig unattraktiven Arbeitgeber macht und dazu führt, dass sich hier seit geraumer Zeit kaum geeignete Kandidatinnen bewerben.“

Bürgermeisterin Sylvia Braun bezeichnet dies als eine „recht heftige“ Falschinformation. Wahr sei, dass lediglich Hanau und Maintal eine Zulage bezahlten, die einer Höhergruppierung gleichkomme. Dies sei aufgrund des Drucks aus Frankfurt geschehen. Sonst sei keine Kommune im Main-Kinzig-Kreis aus der Tarifgemeinschaft ausgebrochen. Dies sei mehrfach Thema bei den Bürgermeisterkreisversammlungen gewesen. „Hanau und Maintal haben im Übrigen trotzdem mit Personalmangel zu kämpfen“, so Braun.

Auch zu der hohen Zahl an Kündigungen, die zuletzt vor allem in der Kita Südwind in Bruchköbel eingegangen seien, wie die Eltern berichten, nahm Braun Stellung: Für Kündigungen gebe es unterschiedliche Gründe, oft sei es der Wunsch nach beruflicher Veränderung, die in der jeweiligen Position nicht möglich sei oder auch der Wunsch nach Weiterbildung in Form eines Studiums. „In der Kita Südwind kamen leider einige Kündigungen verschiedener Beweggründe gleichzeitig, aber hier konnten wir eine gute Lösung für das Leitungsteam finden, so dass das der Kita sicher auf längere Zeit Stabilität geben wird“, glaubt Braun.

Elternbeiräte werfen Bruchköbel bei Hanau vor, nicht für Entlastung bei Betreuungssituation zu sorgen

Der Elternbeirat der Krebsbachstrolche wirft der Stadt zudem vor, sie setze zu sehr auf Jahrespraktikantinnen: Selbst wenn diese nach ihrer Ausbildung übernommen werden könnten, „stopft dies aktuell nur Löcher und führt leider zu keiner personellen Aufstockung, geschweige denn Entlastung“, heißt es in dem Brief.

Braun sieht dies anders: „Wir haben mit als erste Kommune im Umkreis die praxisintegrierte Ausbildung ermöglicht, obwohl dies mehr Personalkosten verursacht.“ Eine kürzere Ausbildungszeit und eine angemessene Vergütung dafür seien ein guter Weg, um Personal auf Dauer zu gewinnen und so dem allgemeinen Personalmangel etwas entgegenzusetzen, findet die Verwaltungschefin. Zudem sei die Stadt sehr aktiv, bei der Suche nach Personal: Man werbe offensiv über Social Media und auch klassisch mit Plakatwerbung und Anzeigen. „Wir bieten als Arbeitgeber ein Jobticket, nehmen am Jobrad teil und gewähren weitere Leistungen wie kostenfreien Eintritt ins Schwimmbad.“ Dazu komme in Zukunft auch die Möglichkeit, für zusätzliche Leistungen Zulagen zu erhalten – ähnlich wie dies die Gewerkschaft gefordert habe. „Da sind wir bereits in der Umsetzung.“ (Holger Weber-Stoppacher)

Solche Streiks, unzureichende Betreuungsmöglichkeiten und verkürzte Öffnungszeiten können alleinerziehende Eltern in Schwierigkeiten bringen. Eine Frau aus dem Kreis hat das erlebt.

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