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„Wollten unserer Verantwortung gerecht werden“: Wasser in Hallenbad nach Kritik wieder wärmer

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Von: Holger Weber-Stoppacher

Das Wasser im Hallenbad in Bruchköbel wird künftig auf 26 Grad Celsius aufgeheizt. Zuletzt hatte es zahlreiche Beschwerden seitens der Besucher gegeben.

Bruchköbel – Die Schwimmer in Bruchköbel (Main-Kinzig-Kreis) sollen jetzt nicht mehr frieren. Die Stadt möchte die Wassertemperatur im Hallenbad von 24 auf 26 Grad Celsius erhöhen, nachdem es in den vergangenen Tagen zahlreiche Beschwerden seitens der Nutzer gegeben hatte. Nicht nur in den sozialen Netzwerken hatte es massive Kritik gegeben, auch einige Schwimmer hätten sich direkt an sie gewandt, sagte Bürgermeisterin Sylvia Braun dem Hanauer Anzeiger.

Sie verteidigte jedoch die Maßnahme, die Wassertemperatur aufgrund der Energiekrise zunächst niedrig zu halten und damit Gas einzusparen. „Wir haben nicht gespart, weil wir uns die Taschen vollmachen wollten, sondern wir sind nur unserer Verantwortung gerecht geworden“, so die Bürgermeisterin. Man habe als Verwaltung ein Zeichen setzen und mit gutem Beispiel vorangehen wollen. Da sich die Situation jetzt verändert habe und das Land aufgrund der noch immer gut gefüllten Gasspeichern durch den Winter komme, könne man nun auch wieder mehr heizen, sagte sie.

Nicht alle frieren in Bruchköbel. Beim Weltrekord im Unterwassercycling wurde den Fahrern vor einigen Monaten ordentlich warm. Schulkindern jedoch reicht die Bewegung nicht, sie unterkühlen leicht. (Archivfoto)
Nicht alle frieren in Bruchköbel. Beim Weltrekord im Unterwassercycling wurde den Fahrern vor einigen Monaten ordentlich warm. Schulkindern jedoch reicht die Bewegung nicht, sie unterkühlen leicht. (Archivfoto) © OneVision

Hallenbad in Bruchköbel (Main-Kinzig-Kreis): Die Stadt dreht den Regler wieder hoch

Für die Stadt ist das Hallenbad von jeher ein Zuschussgeschäft. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre hat sich das Defizit auf nunmehr fast eine Million Euro verdoppelt. Die Verwaltung will nach Angaben Brauns jetzt eruieren, welche Auswirkungen die Aufheizung des Wassers auf die Kostenentwicklung hat. In einigen Wochen will man dann die Ergebnisse präsentieren, auch um sie den politischen Gremien vorzulegen. Das Hallenbad war nach einer umfangreichen energetischen Sanierung, in deren Rahmen die Außenhülle erneuert worden war, erst im Herbst wieder neu eröffnet worden. Die weitestgehend vom Land Hessen bezahlte Sanierung hat rund eine Million Euro gekostet.

Sowohl das Hallen- als auch das Freibad werden zu 60 Prozent mit Gas und zu etwa 40 Prozent mit Abwärme von der Biogasanlage in Bruchköbel geheizt. Zwar könne man den Anteil der Abwärme erhöhen, weil der Versorger, die Bauer/Wilhelmi GmbH, noch ausreichend Kapazität habe. Doch wäre dies mit weiteren Investitionen in die Infrastruktur verbunden. Diese Kosten sind laut Bürgermeisterin Braun so hoch, dass sich die Maßnahme nicht so schnell amortisieren würde. Genaue Zahlen konnte sie im Gespräch mit unserer Zeitung gestern noch nicht nennen. Fakt sei: „Auch Abwärme beziehen wir nicht umsonst“.

Wasser aus dem Freibad in das Hallenbad: Die Stadt Bruchköbel (Main-Kinzig-Kreis) begegnet der Energiekrise mit einer besonderen Idee.

Dass die Stadt jetzt den Regler wieder hochdreht, wurde von den Nutzern allseits begrüßt. Zwar sei die Hälfte des Winters jetzt schon vorbei, dennoch freue er sich über die Nachricht, sagte Matthias Doebel, der Schulleiter der Haingartenschule, in der die Viertklässler Schwimmunterricht erhalten. Vor allem schlanke Kinder seien bei der niedrigen Wassertemperatur schneller unterkühlt, so der Pädagoge. Viele der Kinder seien während des Trainings aus dem Wasser gekommen und hätten sich unter der Dusche wieder aufgewärmt. Auch habe man versucht, mit einem intensiveren Warm-up und kürzeren Aufenthalten im Wasser den Unterricht für die Kinder erträglich zu gestalten.

Die Brückenschule in Roßdorf hält den Schwimmunterricht schon seit vielen Jahren in Nidderau ab. Auch deshalb, weil es dort ein Nicht-Schwimmer-Bereich gibt, in dem es einfacher sei, Anfängern das Schwimmen beizubringen, wie Schulleiterin Melanie Neumann berichtete. Aus demselben Grund ist im Übrigen auch der Schwimmverein SC Undina Bruchköbel mit seinem Seepferdchen-Programm nach Nidderau ausgewichen. Seit diesem Sommer unterrichten die Trainer dort rund 40 Kinder im Schwimmen, 40 weitere befänden sich auf der Warteliste des Vereins. Das Programm bietet der Schwimmverein Kindern für den Preis einer Jahresmitgliedschaft an.

Hallenbad in Bruchköbel (Main-Kinzig-Kreis): Optimale Wassertemperatur zwischen 26 und 28 Grad

Auch mit Blick auf teils unsachliche Kritik im Netz betonte Bürgermeisterin Sylvia Braun den Charakter des Hallenbads in Bruchköbel: „Es ist in erster Linie ein Sportbad und kein Familienbad.“ Neben den Leistungsschwimmern des SC Undina wird es unter anderem von den Triathleten des Triateams Bruchköbel sowie dem DLRG-Ortsverband Bruchköbel und dem Tauchklub Aquarius genutzt.

Als optimale Wassertemperatur wird nicht zuletzt vom Deutschen Schwimmverband ein Wert zwischen 26 und 28 Grad empfohlen. Davon war das Wasser in Bruchköbel zuletzt weit entfernt. Zwar leide ein durchtrainierter Leistungssportler aufgrund der Muskelmasse weniger als etwa ein Kind unter dem kalten Wasser, so Raffael Berger, Mitglied und Pressesprecher des Bruchköbeler Triateams. Doch habe die Temperatur das Training beeinträchtigt. Die Trainingseinheiten seien kürzer ausgefallen.

Laut Silvio Sasso, Sportwart des SC Undina, hätten die Sportler im Nachgang länger geduscht, um sich wieder aufzuwärmen. „Von daher kann man von einer wirklichen Einsparung nicht sprechen“, so der Trainer.

Die Nutzung von Neoprenanzügen im Training ist sowohl für die Leistungsschwimmer des SC Undina als auch für die Triathleten keine Lösung. In der Triathlon-Regionalliga sind diese nicht erlaubt, weil sie dem Schwimmer mehr Auftrieb verleihen. Und auch bei reinen Schwimmwettkämpfen dürfen sie nicht getragen werden. Deshalb machten sie auch im Training keinen Sinn, erklärt Sasso. „Sie versauen nur die Lage unserer Schwimmer im Wasser.“ (Holger Weber-Stoppacher)

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