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Vorbereitungen in Bruchköbel haben begonnen

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Von: Holger Weber-Stoppacher

Am Mittwoch haben die Arbeiten in der Sporthalle begonnen: Bis kommenden Donnerstag soll das Gebäude so hergerichtet sein, dass bis zu 250 Menschen dort untergebracht werden können.
Gestern haben die Arbeiten in der Sporthalle begonnen: Bis kommenden Donnerstag soll das Gebäude so hergerichtet sein, dass bis zu 250 Menschen dort untergebracht werden können. © Holger Weber /Mike Bender (Archiv)

Bruchköbel – In der Sporthalle des Schulzentrums Bruchköbel laufen seit Mittwoch die Vorbereitungen für die Aufnahme von Flüchtlingen aus der Ukraine. Die genaue Zahl der Menschen sei zum jetzigen Zeitpunkt noch schwer vorhersehbar. Jedoch sei die Entwicklung so, dass man die Sporthalle in der kommenden Woche mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit brauchen werde, bestätigte Pressesprecher Frank Walzer gegenüber unserer Zeitung.

Bisher wurden im Kreisgebiet in Mittelbuchen und in Birstein Sporthallen als Flüchtlingsunterkünfte in Betrieb genommen. Die Zuweisungen erfolgen nach Information des Kreises wie schon in der Flüchtlingskrise 2015 immer donnerstags aus der Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen. Somit werden die ersten Flüchtlinge in Bruchköbel am kommenden Donnerstag erwartet.

Zusätzliche Belastung für die Stadt

Zwar ist für die Herrichtung und für den Betrieb der Flüchtlingseinrichtung der Main-Kinzig-Kreis zuständig, dennoch ist auch die Stadt Bruchköbel in den Prozess eingebunden. Für die städtischen Stellen bedeutet dies eine zusätzliche Belastung, wie Bürgermeisterin Sylvia Braun (FDP) gegenüber unserer Zeitung bestätigte. Die Stadt muss bis Ende des Jahres Wohnraum für 100 weitere Flüchtlinge aus anderen Krisengebieten zur Verfügung stellen und möchte nun das Flüchtlingscamp an der Friedberger Landstraße ausbauen (siehe Kasten auf dieser Seite). Zudem fällt die Betreuung der Kinder aus der Ukraine in den Kompetenzbereich der Kommune.

Zunächst aber habe sich die Stadt um Alternativen für die Sporthalle gekümmert, in der auf unbestimmte Zeit kein Sportunterricht mehr stattfinden kann. Aber auch für die Vereine fällt die Sportstätte zunächst weg. Die Tischtennisplatten der SG Bruchköbel wurden in die Dreispitzhalle ausgelagert. Die Tischtennishalle, die mit einem speziellen Schwingboden ausgestattet werden soll, wird zum Aufenthaltraum für die Familien aus dem Kriegsgebiet umgebaut. Dabei soll der Boden besonders geschützt werden, so die Bürgermeisterin.

Anfang kommender Woche werden in der Halle Stellwände aufgebaut, die den Familien zumindest ein wenig Intimität gewährleisten sollen. Die jeweiligen Boxen bieten Platz für bis zu vier Personen. Derzeit ist ein Unternehmen aus Linsengericht dabei, die Stromversorgung vorzubereiten. Die Boxen sollen jeweils einen Anschluss bekommen, mit dem die Menschen ihre Telefone aufladen können. Das Handy ist für die Flüchtlinge enorm wichtig, um den Kontakt mit der Heimat aufrechtzuerhalten. Bekanntlich handelt es sich bei den meisten Ankommenden um Mütter mit Kindern. Die Väter sind zurückgeblieben, viele von ihnen sind an der Front. Auch WLAN wird bereits in der Halle installiert.

Mensa steht zur Verfügung

In Bruchköbel stellt das Schulzentrum neben der Turnhalle auch die Mensa zur Verfügung, die vom Team der „Heinzelmännchen“ betrieben wird, das zum Behindertenwerk des Main-Kinzig-Kreises gehört. Die Mensa kann aufgrund ihrer Personalstärke nicht für Schülerschaft und ukrainische Flüchtlinge das volle Verpflegungsprogramm anbieten. Die Schüler erhalten deshalb während dieser Zeit voraussichtlich Lunchpakete über die Lehrküche, um den Mensabetrieb zu entlasten.

Für die Stadt Bruchköbel gilt es derweil, das Problem der Kinderbetreuung zu lösen. Für die Verwaltung ist dies derzeit wohl die schwierigste Aufgabe, da aufgrund der Corona-Pandemie und des generellen Personalmangels im Erziehungswesen viele Kitas ohnehin auf Notbetrieb laufen. Die Zahl der Neuanmeldungen durch die Krise hält sich nach Auskunft der Verwaltung derzeit noch in Grenzen. „Bisher liegen uns vier Anmeldungen vor“, so Bürgermeisterin Braun.

Kinder solen nicht von den Müttern getrennt werden

Die Situation wird sich mit der Ankunft der Menschen am kommenden Donnerstag wohl schlagartig ändern. Die Kinder, viele von ihnen sind wegen Kriegserlebnisse traumatisiert, sollen zunächst nicht von den Müttern getrennt werden. Deshalb sucht die Stadt gerade Räumlichkeiten, in denen Kinder und Mütter tagsüber fern der Sporthalle betreut werden können. In Betracht kommt nach Auskunft von Braun eine Wohnung im Spielhaus im Bruchköbeler Zentrum, die derzeit als Gemeinschaftseinrichtung der Tagesmütter genutzt wird. Auch das Gemeindehaus in Oberissigheim, das von der Kirchengemeinde Issigheim derzeit nur sehr wenig genutzt wird, könnte eine Alternative darstellen. Doch Braun denkt bereits weiter: Je nachdem wie sich die Flüchtlingssituation entwickele, könnten auch wieder Mehrzweckhallen und Bürgerhäuser in Betracht gezogen werden.

In der nächsten Zeit komme es auch auf bürgerliches Engagement an. Ähnlich wie 2015 brauche es Ehrenamtliche, die sich in der Flüchtlingsbetreuung engagierten. Bürger, die helfen wollen, können sich über die Hotline unter z 06181 975-920 an die Verwaltung wenden. (Von Holger Weber)

Wohncontaineranlage: Sie soll hier vor dem Flüchtlingscamp an der Friedberger Landstraße entstehen.
Wohncontaineranlage: Sie soll hier vor dem Flüchtlingscamp an der Friedberger Landstraße entstehen. © -

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