Die Mieter der Bittner-Immobilie Am Niederried in Bruchköbel bekamen hochrangige Unterstützung: Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler, Landrat Thorsten Stolz sowie Bruchköbels Bürgermeister Günter Maibach sorgten dafür, dass das Haus wieder mit Gas versorgt wird. Foto: Axel Häsler

Bruchköbel

Verwaltungsspitze stellt Bittner-Mietern Anwälte zur Seite

Bruchköbel. Die Verwaltungsspitze des Main-Kinzig-Kreises will Immobilienunternehmer Ulrich Bittner nicht weiter gewähren lassen. Am Mittwoch sorgten Landrat Thorsten Stolz sowie die Erste Beigeordnete Susanne Simmler dafür, dass die Mieter in der Bittner-Immobilie Am Niederried 6 in Bruchköbel wieder mit Gas versorgt werden.

Von Holger Weber und Monica Bielesch„Die Heizungen funktionieren wieder. Auch haben die Menschen nun wieder heißes Wasser“, meldete die Pressestelle des Kreises gestern am späten Nachmittag Vollzug.

Stolz, Simmler sowie Bruchköbels Bürgermeister Günter Maibach waren am Mittwochmorgen an der Immobilie Am Niederried 6 erschienen. Mit dabei: Techniker der Gasversorgung Main-Kinzig GmbH sowie die beiden Rechtsanwälte Uwe Steinkrüger und Andreas Ludwig von der Hanauer Kanzlei Ludwig Wollweber Bansch.

Bittner selbst war nicht vor Ort

Seit Wochen hatten in der Immobilie rund 30 Personen in elf Wohnungen ohne funktionierende Heizung gelebt. Offenbar weil Ulrich Bittner als Eigentümer der Immobilie das Geld, das die Mieter für die Nebenkosten bezahlt haben, nicht an die Versorgungsunternehmen weitergeleitet hatte (unsere Zeitung berichtete bereits exklusiv). Das Büro Bittners, der laut Verwaltung fünf solcher Immobilien im Kreisgebiet besitzt, befindet sich im Kellergeschoss des Mietshauses Am Niederried.

Bittner selbst war beim Besuch der Kreisspitze nicht anzutreffen. Allerdings stießen Stolz und Simmler auf unhaltbare Zustände im Keller des Gebäudes: Der Zugang zu den Gasanschlüssen war zugemauert. Zudem hatte offenbar jemand an der Gasleitung eine Schraube gelöst sowie Teile der Heizungsanlage ausgebaut. „Hier war Gefahr in Verzug. Nicht auszudenken, was hier hätte passieren können“, zeigte sich Simmler fassungslos. Der Kreis sorgte dafür, dass noch am Nachmittag Handwerker die Anlage wieder in Betrieb setzten.

Immobilienunternehmer bereits häufiger in den Schlagzeilen

Die Verwaltung will laut Landrat Stolz jetzt Druck auf Bittner ausüben. „Eigentum verpflichtet. Das gilt auch für Herrn Bittner“, sagte Stolz.

Der Immobilienunternehmer war in den vergangenen Jahren mehrfach in die Schlagzeilen geraten, weil er seine Mieter frieren gelassen haben soll und zudem ohne Wasser hatte dastehen lassen. Bekannt sind Fälle aus Bad Orb, Erlensee und auch Großkrotzenburg. Betroffen waren oftmals Senioren und Bedürftige, die auf dem Wohnungsmarkt nur schlechte Chancen haben. Viele berichteten auch von Bedrohungen und Einschüchterungen seitens des Vermieters.

Menschen müssten sich jetzt organisieren

Stolz, Simmler und Maibach betonten, dass es sich bei der Aktion gestern, bei der das Haus wieder ans Gasnetz angeschlossen wurde, nur um eine kurzfristige Maßnahme handeln könne. Langfristig müsse sichergestellt werden, dass die Nebenkosten ordnungsgemäß weitergeleitet werden, sagte Stolz.

Der Kreis möchte den Bewohnern der Bittner Immobilie am Niederried nun rechtlichen Beistand an die Seite stellen. „Die Menschen müssen sich jetzt organisieren und sich selbst gegen diese Machenschaften wehren“, so der Landrat. Dabei wolle man den Mietern helfen. Auch forderte der Landrat die Justiz auf, „endlich gegen den Immobilienunternehmer tätig zu werden“.

Bittner selbst nur schwer greifbar

Dieser ist offenbar nur schwer greifbar. Die Immobilien in Bruchköbel, Erlensee und Großkrotzenburg laufen über eine Gesellschaft mit Sitz in der Schweiz, die wegen Insolvenz aus dem Handelsregister gelöscht worden ist.

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